Amnesty 13. Mai 2024

Einsatz mit Erfolg: Matiullah Wesa

Ein Mann mit Mikrofon in der Hand steht vor einer Gruppe Schülerinnen mit Kopftuch, die vor ihm auf dem Boden sitzen. Neben dem Mann steht ein Anhänger mit Bücher und aufgeklappten Tafeln, auf denen unter anderem steht: Education is the key to success.

Setzt sich in Afghanistan für Schulbildung für Mädchen ein: Matiullah Wesa, Gründer der Organisation PenPath, präsentiert in der Provinz Kandahar einer Schulklasse seine mobile Bibliothek (17. Mai 2022).

Weltweit beteiligen sich Hunderttausende Menschen an Appellaktionen von Amnesty International. Mit Briefen, E-Mails, Tweets und Petitionsunterschriften bewirken sie Freilassungen, verhindern Folter, schützen Menschen vor unfairen Prozessen und retten Leben. Dass dieses gemeinsame Engagement erfolgreich ist, zeigt der Fall von Matiullah Wesa.

Matiullah Wesa kam am 27. März 2023 gerade vom Abendgebet in der Moschee, als Angehörige des Geheimdiensts ihn willkürlich festnahmen. Bei einer Hausdurchsuchung am nächsten Tag wurden sein Handy und sein Laptop beschlagnahmt. Der Geheimdienst hielt außerdem seine Brüder stundenlang fest, weil sie Matiullah Wesas Festnahme in den Medien publik gemacht und sich an die internationale Gemeinschaft gewandt hatten. 

Der Grund für die Festnahme: Matiullah Wesa ist Gründer und Leiter der Nichtregierungsorganisation PenPath, die sich seit 2009 in Afghanistan für das Recht auf Bildung einsetzt. Rund 3000 Freiwillige sind insbesondere in abgelegenen Regionen und Provinzen tätig, wobei der Schwerpunkt auf der Bildung von Mädchen liegt. Zunächst arbeitete PenPath mit Religionsgelehrten und Stammesältesten zusammen, um die Unterstützung der örtlichen Gemeinschaften zu gewinnen. Dann richtete die Organisation Schulen in Dörfern ein, in denen es keine staatlichen Bildungseinrichtungen gab, und schickte mobile Schulen und Bibliotheken in die entlegensten Gebiete. Den Taliban, die im Sommer 2021 die Macht übernahmen, ist PenPath ein Dorn im Auge, weil die Organisation darauf besteht, dass Mädchen ein Recht auf Bildung haben, und die sofortige Wiedereröffnung von Mädchenschulen fordert.

Am 29. März 2023 bestätigte ein Sprecher der Taliban die Festnahme von Matiullah Wesa und beschuldigte ihn "illegaler Aktivitäten". Dabei hatte er mit seiner Bildungsarbeit lediglich seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen. Seiner Familie wurden nur wenige kurze Besuche im Gefängnis gestattet. Außerdem verweigerte man Wesa den Zugang zu einem Rechtsbeistand, sodass er die Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung nicht anfechten konnte. Selbst seine Medikamente wurden ihm verwehrt. 

Ein Familienmitglied, das sich außerhalb von Afghanistan aufhielt, informierte Amnesty International über die Gefängnisbesuche der Familie und betonte, wie wichtig es sei, kontinuierlich die Freilassung des Bildungsaktivisten zu fordern. Amnesty-Aktivist*innen und -Gruppen schrieben daraufhin Briefe an die Leitung des Geheimdienstes der Taliban und setzten sich auf verschiedenen Social-Media-Plattformen für Matiullah Wesa ein. Sie übten damit Druck auf die Taliban aus und informierten die Öffentlichkeit über die rechtswidrige Inhaftierung ohne ordnungsgemäßes Verfahren.

Fast sieben Monate musste Matiullah Wesa im Gefängnis verbringen. Am 26. Oktober 2023 wurde er endlich freigelassen. Seine Familie ist überzeugt, dass die Freilassung vor allem dem anhaltenden Druck und dem gemeinsamen Einsatz zu verdanken ist. "Wir sind Amnesty International und den zehn Millionen Mitgliedern dankbar, dass sie uns beigestanden haben", sagte Matiullahs Bruder Attaullah Wesa, Mitbegründer und Geschäftsführer von PenPath. "Die Solidarität, Unterstützung und Fürsprache von Amnesty hat uns in unserem Kampf motiviert." Und er kündigte an: "Wir sind immer noch empört über das Urteil der Taliban und die sieben Monate, die Matiullah in Haft verbracht hat, aber wir werden uns weiterhin für das Recht der Mädchen auf Bildung in Afghanistan einsetzen."

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