Pressemitteilung Iran 09. Januar 2026

Iran: Zahl der Toten und Verletzten steigt bei Massenprotesten 

Zeichnung von zwei winkenden Figuren. Eine Person hält ein Schild hoch.

Seit dem 28. Dezember 2025 gehen iranische Sicherheitskräfte mit tödlicher Gewalt gegen landesweite Proteste vor. Laut Amnesty International und Human Rights Watch wurden zwischen dem 31. Dezember 2025 und 3. Januar 2026 mindestens 28 Menschen – darunter Kinder – in 13 Städten erschossen. Hunderte wurden willkürlich festgenommen und sind von Folter und Misshandlung bedroht.

Amnesty International und Human Rights Watch führten in den letzten Tagen Interviews mit insgesamt 26 Personen im Iran, darunter Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und ein*e Mediziner*in, überprüften offizielle Erklärungen staatlicher Stellen und analysierten Dutzende von verifizierten Videos, die online veröffentlicht oder den Organisationen zur Verfügung gestellt wurden. Ein*e von Amnesty International konsultierte*r unabhängige*r Patholog*in untersuchte zudem Bilder von verletzten oder getöteten Demonstrant*innen.

Die Menschenrechtsorganisationen dokumentieren den Einsatz von Schusswaffen, Schrotmunition, Tränengas und brutalen Schlägen gegen überwiegend friedliche Demonstrierende. Besonders betroffen sind die Provinzen Lorestan und Ilam, in denen kurdische und lurische ethnische Minderheiten leben.

Die Gewalt ist begleitet von massenhaften willkürlichen Festnahmen, nächtlichen Hausdurchsuchungen und dem Verschwindenlassen von Personen. Unter den Inhaftierten sind auch Minderjährige im Alter von nur 14 Jahren. Viele werden ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und sind einem hohen Risiko von Folter und Misshandlung ausgesetzt.

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, fordert ein Ende der Gewalt: 

"Die brutale Antwort auf die aktuellen Massendemonstrationen erinnert deutlich an die "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung 2022. Wie damals werden friedliche Proteste systematisch und gewaltsam unterdrückt – das muss ein Ende haben. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat muss sicherstellen, dass die Sicherheitskräfte im Iran keine unrechtmäßige Gewalt und keine Schusswaffen gegen friedliche Demonstrierende einsetzen."

Amnesty International und Human Rights Watch fordern:

Der rechtswidrige Einsatz tödlicher Gewalt durch die iranischen Sicherheitskräfte muss sofort eingestellt werden. Alle wegen friedlicher Proteste Inhaftierten müssen sofort und bedingungslos freigelassen werden.

Es braucht eine internationale Strafverfolgung der Verantwortlichen nach dem Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit. Dafür sollten Staatsanwaltschaften weltweit Verfahren nach dem Weltrechtsprinzip einleiten und Haftbefehle gegen diejenigen erlassen, die verdächtigt werden, für Verstöße internationalen Rechts verantwortlich zu sein.

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