15. April 2019

Morsal Thamass, 27

Porträtfoto einer jungen Frau in einem Park vor Sträuchern und Bäumen

Meine Eltern sind als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland gekommen und ich kann mich noch genau erinnern, dass es für mich als Kind sehr schwierig war, mich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Seit meiner Jugend bin ich daher ehrenamtlich aktiv.

Ich sehe es als meine Pflicht, mich für eine tolerante Gesellschaft einzusetzen und den Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern, um Angst und Ausgrenzung entgegenzuwirken. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschenwürde für jeden einzelnen Menschen gilt. Alle Menschen haben das Recht auf Gleichbehandlung und sind gleich wertvoll. 

Ich bin ehrenamtlich in dem Verein First Contact aktiv. Dort machen wir durch sportliche, kulturelle oder bildungsbezogene Angebote eingewanderten Kindern, Jugendlichen und Familien die Integration in Deutschland einfacher.

Außerdem bin ich mit einigen jungen Erwachsenen dabei, ein Netzwerk für die Vereine mit Afghanistanbezug in Deutschland aufzubauen. Wir wollen damit den Austausch zwischen der afghanischen Community in Deutschland und der gesamten Gesellschaft stärken und einen Beitrag zur kulturellen Verständigung leisten.

Für mich bedeutet Diskriminierung nicht nur, dass Personen oder Gruppen benachteiligt werden, sondern auch, dass man den Kontakt zu ihnen vermeidet. Diskriminierung entsteht durch Vorurteile und um diese abzubauen, muss man sich kennenlernen.

Jemand, der aus Afghanistan nach Deutschland kommt, hat eine ganz andere Geschichte und einen anderen Hintergrund. Es ist schwierig, in ein neues Land zu kommen und sich von heute auf morgen zurechtzufinden.

Genauso ist es auch schwierig für Menschen, die schon länger hier leben, zu verstehen, dass andere herkommen, die so fremd erscheinen. Gerade deswegen ist es wichtig, eine Plattform zu haben, wo man sich austauschen kann. 

Als gebürtige Afghanin mit Fluchthintergrund sehe ich es als selbstverständlich an, mich für besonders verletzliche und schutzbedürftige Gruppen einzusetzen. Seit mehreren Jahren muss ich zusehen, wie Hass und Ausgrenzung in Europa zunehmen und manche Politiker_innen und Medien dazu beitragen.

Ich glaube, dass die EU für viele Länder und Menschen auf der Welt als eine Region gilt, in der die Menschenrechte gewährleistet sind. Damit das so bleibt, muss vor allem die junge Generation aktiv werden und sich für die Menschenrechte in Europa einsetzen. 

Der Erfolg von rechtspopulistischen Parteien fördert Vorurteile und macht sie gesellschaftsfähig. Die Probleme liegen eigentlich nie bei den Feindgruppen, sondern in Ängsten und Nöten der Wählerinnen und Wähler.

Wenn sich in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Parteien durchsetzen, müssen alle Parteien, denen die pluralistische Demokratie am Herzen liegt, zusammen mit den Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft eine Mehrheit für die Menschenrechte bilden. Die Europawahl wäre ein erster Schritt, um Parteien zu wählen, denen Diversität und Toleranz keine Fremdwörter sind.
 

Protokoll: Hannah El-Hitami

Mehr dazu