Amnesty Journal Uganda 25. Juli 2011

"Wir lassen uns nicht einschüchtern"

In Uganda werden sexuelle Minderheiten gesellschaftlich diskriminiert und vom Staat inhaftiert. Ugandische Zeitungen wie der »Rolling Stone« stellen Homosexuelle öffentlich an den Pranger. Das jüngste Opfer der homophoben Hetze ist David Kato. Der Aktivist der Organisation »Sexual Minorities Uganda« wurde am 26. Januar ermordet. Frank Mugisha ist Leiter der Organisation und sein langjähriger Freund und Kollege.

Welchen Formen von Diskriminierung sind Lesben, Schwule, ­Bisexuelle und Transgender-Personen in Uganda ausgesetzt?
Beim Einkaufen, in der Schule oder am Arbeitsplatz werden sie schikaniert und teilweise auf offener Straße geschlagen. Manche Eltern verstoßen ihre eigenen Kinder, wenn sie erfahren, dass sie homosexuell sind. Außerdem sind homosexuelle Handlungen in Uganda strafbar, Betroffene werden festgenommen und dann willkürlich wegen »Störung der öffentlichen Ordnung« angeklagt. Teilweise kommt es zu »korrigierenden Vergewaltigungen«. Lesbische Mädchen werden von ihren eigenen Familienmitgliedern zu Sex mit einem Mann gezwungen, um sie in heterosexuelle Frauen »umzuwandeln«, die von der afrikanischen Gesellschaft akzeptiert werden.

Wieso engagieren Sie sich bei der Organisation »Sexual Minorities Uganda«?
Für mich war das keine bewusste Entscheidung, es hat sich so entwickelt. Als ich Student war, fing ich an, alle Formen der Diskriminierung von sexuellen Minderheiten anzuprangern und traf mich mit Aktivisten, die der gleichen Meinung waren wie ich. Wir wollten uns von der ugandischen Bevölkerung nicht länger schlecht behandeln lassen - egal ob Zuhause, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Dagegen wollten wir etwas unternehmen und so wurde ich Teil der Bewegung. 2007 wurde ich schließlich zum verantwortlichen Leiter von »Sexual Minorities Uganda« gewählt.

Sie stehen in der Öffentlichkeit. Ist öffentliches Auftreten oder Anonymität der bessere Schutz vor Übergriffen?
Ich denke, dass Öffentlichkeit einen gewissen Schutz bieten kann. Wenn ich mich öffentlich zeige, demonstriere ich damit gleichzeitig, dass ich mich so akzeptiere, wie ich bin, und keine Angst habe. Öffentliche Veranstaltungen unterstützen außerdem unsere Bewegung, verleihen ihr eine gewisse Sichtbarkeit und helfen damit unserem Anliegen. Man muss jedoch immer Übergriffe homophober Bevölkerungsgruppen befürchten und muss vorsichtig sein.

Was bedeutet der Tod von David Kato für die Organisation?
Dass David wegen seiner sexuellen Identität getötet wurde, hat mich sehr traurig gemacht – ich bin es immer noch. Sein unermüdlicher Einsatz war sehr wichtig in dem Kampf, den unsere Bewegung führt. Er war eine zentrale Person in unserer Organisation. Der Mord an ihm wird unsere Arbeit aber nicht beenden, wir werden uns nicht einschüchtern lassen, sondern weitermachen, mit mehr Strategie, mehr Wut und mehr Einsatz.

Was fordern Sie von der ugandischen Regierung? Und wie kann die internationale Gemeinschaft Sie unterstützen?
Wir verlangen, dass Homosexualität zukünftig keine Straftat mehr darstellt, und dass stattdessen Gesetze erlassen werden, die homophobe Angriffe auf sexuelle Minderheiten unter Strafe stellen. Das Anti-Homosexualitäts-Gesetz von 2009, welches sexuelle Minderheiten vollständig kriminalisiert, darf nicht eingeführt werden. Jeder kann uns helfen, indem er darüber spricht, was in Uganda passiert. Internationale Organisationen sollten religiöse Gemeinschaften unterstützen, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten aussprechen und diejenigen verurteilen, die das nicht tun.

Fragen: Ralf Rebmann

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