Amnesty Journal China 11. Februar 2010

Mein Leben im Arbeitslager

Gold für Menschenrechte. Unter diesem Motto setzte sich ­Amnesty International anlässlich der Olympischen Spiele 2008 für die Einhaltung der Menschenrechte in China ein. Allein in Deutschland unterschrieben 118.000 Menschen eine Petition, die unter anderem die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen forderte. Bu Dongwei war einer der Gefangenen. Im Juli 2008 wurde der Anhänger der Falun-Gong-Bewegung aus der Haft entlassen. Für Amnesty beschrieb er seine Haftzeit:

»Am 19. Mai 2006 drangen sechs oder sieben Polizisten in meine Wohnung ein und suchten nach dem Buch ›Neun Kommentare über die Kommunistische Partei‹. Sie konnten es nicht finden, entdeckten aber mehrere Falun-Gong-Bücher. Daraufhin brachten sie mich in das Haftzentrum des Bezirks Haidian in Peking. Ich musste eine etwa 20 Quadratmeter große Zelle mit 30 bis 35, manchmal sogar mit über 40 anderen Häftlingen ­teilen. Mehr als drei Monate verbrachte ich in diesem Haft­zentrum, ehe ich in das Pekinger Arbeitslager Tuanhe verlegt wurde.

Dort werden die Menschen unterdrückt, indem die Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden. Man darf nicht zur Toilette gehen, wann man will, und nicht entscheiden, wann man seine Wäsche wäscht. Alle Falun-Gong-Praktizierenden müssen sich immer wieder anhören, wie die Wärter Falun Gong beschimpfen. Es werden Videos gezeigt, in denen ihre Bewegung verleumdet wird. Sie werden gezwungen, Falun Gong zu diffamieren und müssen die Kommunistische Partei jeden Tag in Liedern preisen. Falun-Gong-Praktizierende dürfen nicht miteinander reden.

Im Jahr 2000 war ich schon einmal in diesem Lager eingesperrt. Damals mussten wir unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen Essstäbchen verpacken, 6.000 bis 7.000 jeden Tag. Diese Wegwerfstäbchen wurden zum Teil exportiert. Im Juli 2009 aß ich in Capitol Hill in Washington in einer Cafeteria zu Mittag und sah, dass die dortigen Wegwerfstäbchen aus China stammten. Ich weiß nicht, ob diese Stäbchen in Arbeitslagern hergestellt wurden, aber sie sahen genauso aus wie unsere.

Mit Hilfe der US-Regierung, des Europäischen Parlaments, der britischen und der deutschen Regierung sowie von Amnesty International und anderen, konnten meine Tochter und ich nach meiner Entlassung im Juli 2008 endlich zu meiner Frau in die USA ausreisen. Ich möchte allen, die meiner Familie und mir in den vergangenen zwei Jahren geholfen haben, von Herzen danken. Selbst im Arbeitslager konnte ich an der Haltung der Wärter spüren, dass sie Druck von der Außenwelt bekamen. Ein Wärter erwähnte mir gegenüber einmal, dass sich internationale Menschenrechtsorganisationen um mich sorgten.

Erst als ich in den USA war, erfuhr ich, dass mir Amnesty-Mitglieder auf der ganzen Welt hunderte, wenn nicht tausende Briefe geschrieben hatten. Die Briefe wurden alle von den Behörden abgefangen. Doch ich bin überzeugt, dass der Druck der internationalen Gemeinschaft und die Briefe der Amnesty-Mitglieder mir sehr geholfen haben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich jetzt, dass die Aufmerksamkeit und der Druck der internationalen Gemeinschaft dazu beitragen können, die Bedingungen inhaftierter Menschen zu verbessern. Auch in China beginnen die Menschen nun, Briefe für die Gefangenen im eigenen Land zu schreiben. Bitte helfen auch Sie mit, die Verfolgung von Menschen zu beenden. Ungerechtigkeit muss – und wird – durch die gemeinsame Anstrengung aufrechter und gutherziger Menschen beendet werden.«

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