Amnesty Journal Italien 20. Juli 2010

Früchte des Zorns

Orangenpflücker in Süditalien

Orangenpflücker in Süditalien

Im süditalienischen Rosarno schossen im Januar 2010 Einheimische auf afrikanische Orangenpflücker. Die Saisonarbeiter rebellierten. Eine Bürgerwehr verjagte die wütenden Afrikaner. Viele Tagelöhner kehrten dennoch zurück.

Von Johan Kornder

Der Traum von einem besseren Leben schmeckt süß. Keine Kerne. Mit kräftigen Fingern pellt Saikou Foroyaa eine Mandarine, lässt drei Schnitze in seinem Mund verschwinden und schmatzt. Die übrigen verteilt er – wie ein Priester Oblaten. Er lagert mit ein paar anderen auf schmierigen Schlafsäcken, hinter dem Bahnhof von Bari. Hier vertreiben sie sich die Stunden und Tage. Seit ihrer Vertreibung aus Rosarno.

Die Realität schmeckt bitter. Kein Filter. Mit steifen Fingern dreht Saikou Foroyaa eine Kippe, steckt sie sich zwischen die Lippen und qualmt. Den Stummel reicht er weiter – wie einen Joint. Er drängelt sich jetzt mit den anderen vor der Essensausgabe der Caritas, vor vergitterten Fenstern. Hier sind sie gestrandet. Hier verflüchtigt sich ihre Hoffnung. Nach der Flucht aus Afrika.

Seit 243 Tagen lebt Saikou in Italien, seit 13 Tagen in Bari. Der Grund: Er hat demonstriert. In seiner Heimat Gambia, wie im süditalienischen Rosarno. In Jambanjelly/Gambia ging Saikou auf die Straße, nachdem das Militär einen Wassertank in seinem Stadtviertel zerstörte. In Rosarno/Kalabrien ging er auf die Straße, nachdem zwei Afrikaner von Italienern mit Luftpistolen beschossen wurden. Beide Male wurde er verjagt.

»It’s not easy« – »Es ist nicht einfach«, sagt Saikou. Mit seiner roten Baseballkappe, den weiß-roten Turnschuhen und dem etwas zu weiten, braunen Mantel, sieht der 27-Jährige aus wie eine Mischung aus Hip-Hopper und Rentner. Drahtiger Körper eines Basketballers, traurige Augen eines alten Mannes. Er zieht seinen Geldbeutel aus der Tasche. »Das ist mir geblieben. Nach acht Monaten in Europa.« Achtzig Cent purzeln in seine Handfläche. »Not easy.«

Von seinem letzten Tageslohn in Rosarno – 25 Euro für neun Stunden Orangenpflücken, minus drei Euro für den Transport zur Plantage – hat er sich für elf Euro und zwanzig Cent ein Körperöl, einen Deo-Roller, Zahnbürste, Zahnpasta und für neun Euro einen Rasierer gekauft. »Das brauche ich für meinen Körper«, sagt er fast entschuldigend. Nach Gambia will er zurück, kann aber nicht. Nach Rosarno kann er zurück, will aber nicht. »Nur, was soll ich sonst machen? Ich brauche Geld!«

Eigentlich will Saikou wieder Fischer sein wie in Afrika. Dort besitzt er zwei Boote, die seinen Vater, seine Frau und drei Kinder ernähren. Zuhause war er relativ wohlhabend, seine Flucht hat er sich mit Erspartem finanziert. Aber nach Europa will er sich kein Geld schicken lassen, war doch das Gegenteil geplant. »Meine Frau würde nicht verstehen, dass ich in Europa nichts verdiene«, sagt er. Deshalb ruft er sie nur selten an, erzählt ihr nichts von seinen Problemen. Deshalb kehrt er zurück nach Rosarno, zum Ort der Vertreibung.

Rosarno: 16.000 Einwohner, zwischen Oktober und März über zweitausend Saisonarbeiter, viele von ihnen Afrikaner ohne legalen Aufenthalt, der Stadtrat wegen Verstrickungen mit der Mafiaorganisation ’Ndrangheta aufgelöst.

Hauptwirtschaftszweige: marode Landwirtschaft und florierender Drogenhandel.
Das Städtchen hängt wie erstarrte Lava auf einem Hügel, ergossen in die fruchtbare Ebene von Gioia Tauro. Dort wachsen die Orangen und Mandarinen auf Plantagen, die bis zum Horizont reichen. Bis Januar 2010 war Rosarno ein kalabresisches Kaff wie jedes andere. Nur im Inneren brodelte, wie Magma, ein Gemisch aus mafiösen Strukturen, Arbeitslosigkeit und Fremdenhass. Durch die Schüsse auf die Afrikaner barst die Hülle. Der Vulkan spie Feuer.

Als Saikou am 7. Januar nach der Arbeit an dem alten Fabrikgebäude »La Rognetta« ankommt, blockieren Hunderte Afrikaner die Hauptstraße. Sie bauen eine Barrikade aus Mülltonnen und einem Auto und zünden sie an. Es ist nicht das erste Mal, dass auf afrikanische Arbeiter geschossen wurde. Schon im Vorjahr demonstrierten sie gegen die Angriffe italienischer Jugendlicher. Aber unter den Demonstranten kursiert diesmal das ­Gerücht von vier »toten Brüdern«. Die Situation eskaliert. Die Männer ziehen wütend durch den Ort. Saikou stellt umgekippte Blumenkübel wieder auf, redet auf die anderen ein. Man müsse doch friedlich demonstrieren. Kaum einer hört ihm zu.

Die Besitzerin eines Geschäfts für Kinderbekleidung erzählt es so: »Wir hatten furchtbare Angst. Sie haben Steine geschmissen, Autos angezündet, Frauen mit Knüppeln bedroht.« Manche Schwarze hätten zwar versucht, die anderen zu beruhigen, doch die Mehrheit habe in einem »barbarischen Akt« die Stadt zerstört. Die Polizei sei völlig überfordert gewesen.

Genau wie am nächsten Tag. Die afrikanischen Demonstranten versammeln sich vor dem Rathaus und fordern ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Die Bewohner von Rosarno wollen keine Diskussion. Wie am Vortag heizt Gerede die Stimmung auf: Eine Schwangere habe bei den Ausschreitungen ihr Baby verloren. Wie das Gerücht, vier Afrikaner seien erschossen worden, entpuppt sich auch diese Behauptung als falsch. Doch die Jagd ist eröffnet. Jugendliche Italiener prügeln mit Knüppeln auf die Afrikaner ein. Schüsse hallen durch die Gassen. Die Rosarnesi fahren mit ihren Autos Demonstranten an. Sie fordern: »Alle Schwarzen raus aus Rosarno!« Eine Alte schreit von ihrem Balkon: »Tötet sie, tötet sie!«

Am Abend haben die Italiener ihr Ziel erreicht. Polizisten und Soldaten leiten die »ethnische Säuberung« ein, wie der englische »Economist« schreibt. Die Bevölkerung applaudiert, als über tausend Afrikaner mit Bussen in Auffanglager transportiert werden. Der versprengte Rest flieht. Saikou irrt zwei Stunden über die Plantagen zum Bahnhof. Um zwölf Uhr nachts steigt er in den Zug nach Bari.

Vierzehn Tage später ist er zurück. Mit einem Kumpel wohnt er bei dessen senegalesischen Freunden. Die haben am Stadtrand von Rosarno für sechshundert Euro eine »Ein-Raum-Wohnung« gemietet, eine ehemalige Garage. Zwölf Betten stehen dicht an dicht, mit Tüchern abgehängt. Die Küche: ein Waschbecken und ein größerer Campingkocher. Das Klo: kaputt. Das Wohnzimmer: drei Stühle und ein Fernseher, auf dessen milchigen Bildschirm die Jungs starren, wenn sie keine Arbeit finden.

In sein ehemaliges »Zuhause« kann Saikou nicht zurück. Von der Fabrik »Rognetta«, in der er mit fünfhundert anderen hauste, zeugt nur noch ein Haufen Bauschutt. Nach der Deportation kamen Bagger und zerstörten alles. »Da war der Staat auf einmal zur Stelle«, sagt Giuseppe Pugliese.

Mit einer Handvoll Freunden hat er die Hilfsorganisation »Africalabria« gegründet, um die Lebensbedingungen der Einwanderer zu verbessern. Im Hauptberuf organisiert er Film- und Musikfestivals, die Hilfe in Rosarno koordiniert er genauso: per Handy und Handanlegen. Der Mann mit der modisch ­engen Wollmütze telefoniert mit »Ärzte ohne Grenzen«, hält an Schulen und Universitäten Vorträge, stellt Dixi-Klos auf, bringt den afrikanischen Arbeitern Decken und Schuhe. So wurde er zum Freund der Schwarzen und zum Feind der Mafia.

Silvester 2009 verbrachte Pugliese im Kreise seiner zweiten Familie. Ein geknüpftes Freundschaftsband am Handgelenk des Mittvierzigers erinnert daran. »Es war das schönste Neujahrsfest in meinem Leben«, sagt er. Mit Hunderten Migranten tanzte und sang er in »Little Africa«, direkt neben der Schnellstraße nach Gioia Tauro. Dort verrottet ein zweites Fabrikgebäude. Die Olivenölraffinerie wurde nie in Betrieb genommen. Die Halle wurde zur Heimat für neunhundert Saisonarbeiter, verteilt auf drei Stockwerke. In zwei kleineren Hütten gab es Restaurants, in einem Zelt aus Planen eine Kirche. Das war »Little Africa«. Nun ist nur noch ein Stillleben zu besichtigen, das New Orleans nach »Katrina« gleicht.

Igluzelte stehen auf Euro-Paletten, in gigantischen ­Ölsilos liegen Matratzen. Ein totes Huhn verwest neben einem Autoreifen. Daneben Wasserkanister, Töpfe voll verschimmelter Nudeln, Regenjacken, Gummistiefel, Kopfschmerztabletten, ein Kuscheltierkamel mit der Aufschrift »Tunisia«. Modriger Gestank steigt aus feuchten Klamotten. Es ist das Chaos einer plötzlichen Flucht. Pugliese, verspiegelte Fliegerbrille und rosa Hemd, steht mittendrin. Mit der Rechten tippt er in sein Handy, mit der Linken hebt er prüfend Gasflaschen an. Die drei schwersten lädt er in seinen Audi und fährt damit zu einer Baracke, die sich zwischen den Orangenbäumen versteckt.

Jede Woche schleppt Pugliese Gasflaschen über den schlammigen Pfad hoch zu dem abbruchreifen Steinhaus. »Pepé! Great man!«, ruft Fatty Hydara, ein 36-jähriger Gambier, und nimmt ihm eine Flasche ab. »Der einzige Italiener in Rosarno, der uns hilft«, sagt der hagere Fatty und tätschelt Pugliese den Oberarm. Die Hilfe wird nicht überall gern gesehen. Seit den Ereignissen vom Januar traut sich Pugliese nicht mehr zu Fuß durch die Straßen seiner Heimatstadt.

Er glaubt nicht, die Mafia habe die Schüsse auf die Afrikaner veranlasst und so die Revolte provoziert, wie manche Medien vermuten. »Die Mafia will Ruhe.« Aber da er keine Ruhe gibt und den Afrikanern hilft, ist er zur Zielscheibe geworden. »Das Schlimme ist, dass die Drohungen in netten Mails von vermeintlichen Freunden versteckt werden«, sagt Pugliese, dessen Vater durch Kugeln der ’Ndrangheta starb.

Die Mails beginnen mit »Lieber Pepé« und enden mit »Ein Kuss«. Dazwischen steht etwas von »vorsichtig sein«, »respektieren« und »besser so lassen, wie es ist«. Pugliese versucht, vorsichtig zu sein, trifft sich mit seinen Freunden wie ein Geheimagent auf Autobahnraststätten. Aber er macht weiter. Deshalb redet in Rosarno niemand mehr mit ihm. »Poor Pepé! You are half African!«, lacht Fatty und zieht Pugliese aus dem Rauch des Feuers, auf dem er gerade einen Topf Wasser zum Duschen aufheizt.

Nach der Freiluftdusche bei sechs Grad, die Sonne ist in den Orangenhainen versunken, trocknet sich Fatty im Qualm. Gewaschen und geräuchert neigt er sich auf einem Pappkarton in der Gebetskammer gen Osten, flüstert Koransuren. Nebenan im Wohn-, Schlaf- und Kochraum dampfen der Reis­topf und das »Benachin«, das Rindfleisch in Erdnusssoße. Im flackernden Schein einer Kerze rührt Fatty in den Töpfen.

»In Afrika habe ich nie«, sagt er und macht eine kurze Pause, »nie Kerzen abgebrannt. Da hatte ich immer Strom!« In Gambia lehrte Fatty Hydara Kindern das Schreiben, bis sein Bruder wegen des Schreibens ermordet wurde. Der Bruder Deyda Hydara, Herausgeber der Zeitung »The Point« und AFP-Korrespondent, wurde 2004 mit drei Kopfschüssen getötet. Fatty fühlte sich nicht mehr sicher und floh. »Aber auch hier werde ich sterben«, flüstert er. »Aus Frust!«

Nur wenn sie im Kreis um die große Schüssel hocken, sich eine Hand voll Reis mit Soße greifen, ein Bällchen kneten und es in ihre Münder rollen lassen, flackert neben der Kerze, auch Freude in ihren Gesichtern. »Ich kann keine Pasta mehr sehen«, sagt Fatty. In den Monaten im Auffanglager hatte er wegen der Nudeln ständig Bauchweh.

Nach dem Hauptgang nascht Fatty eine Mandarine und raucht eine Selbstgedrehte. In voller Montur legt er sich auf das Bettenlager unter seine Wolldecke. Sein Freund neben ihm behält zum Schlafen sogar den Schlapphut auf dem Kopf. Immer wieder zieht sich einer den Rotz hoch, ein anderer schnarcht.

Der Himmel ist noch schwarz, als Fatty Tee und Kaffee kocht und ein neuer Tag der Tagelöhner beginnt. Aus einem Joghurtbecher gießt Fatty den Tee in eine rosa Plastiktasse, zurück in den Jo­ghurtbecher, zurück in die Plastiktasse, um den Zucker aufzulösen. Mit dem pappsüßen Schwarztee spült er ein Stück Weißbrot runter. Er setzt sich auf einen weißen Gartenstuhl mit faustgroßem Loch in der Sitzfläche, hält kurz seine feuchten Socken über die Glut, zieht sie an, stülpt sich Plastiktüten über die Füße und schlüpft in seine brüchigen Gummistiefel. Mit einem Zehn-Liter-Kanister läuft er trotz schneller Schritte eine halbe Stunde zur Straße, lässt auf dem Weg den Behälter an der Wasserstelle stehen, stellt sich zu seinen wartenden Kollegen und hofft, dass ein Bauer kommt, der ihn schuften lässt.

Aber die Bauern haben Angst. Arbeit hätten sie genug. Die Orangen bedecken wie ein dicker Teppich den Boden unter den Bäumen. Doch seit Europas Medien über Rosarno berichten, kontrollieren Polizisten in Zivil erstmals regelmäßig, ob die Orangenpflücker Arbeitsverträge haben. Die Verträge würden verbieten, bei Regen zu pflücken und gebieten, krankheitsbedingte Fehltage zu bezahlen. Vor allem aber müssten die Bauern Steuern zahlen. Aber Steuern kommen nicht vor in ihrer knappen Kalkulation, nur der »Pizzo«, die Zwangsabgabe an die Mafia. Vor dem 7. Januar standen noch Hunderte an den Straßen, die meisten bekamen Arbeit. Heute warten sie in kleinen Grüppchen, den ganzen Vormittag – vergebens.

Auf dem Sammelplatz der Kooperative »Raffala« stochert ­Giuseppe Lamanna mit einem Bambusrohr in einem swimmingpoolgroßen Betonbecken nach den Orangen, damit alle auf das Förderband purzeln. »Ich bin ruiniert«, sagt der 62-Jährige, der wie viele der Bauern zehn Jahre älter aussieht, als er ist. 14.000 Euro Strafe muss er für vier schwarz beschäftigte Pflücker bezahlen. »Völlig übertrieben«, wie er findet. Der Staat solle sich lieber darum kümmern, dass die Preise für die Orangen wieder steigen. 700 Euro für einen Laster voll mit 14 Tonnen Orangen. Hundert Euro kostet der Transport zum Großhandel. »So können wir gerade die Arbeiter bezahlen«, jammert Lamanna. Seine Orangen – zu Konzentrat gepresst – verkaufen sich als Grundlage für Limonade in ganz Europa. Nur den Gewinn machen andere. »Uns bleiben auch kaum mehr als fünfundzwanzig Euro am Tag! Da lassen wir sie doch lieber vergammeln.«

Dass die Afrikaner gegen Rassismus protestieren und bes­sere Lebensbedingungen fordern, können die Bauern nicht verstehen. »Die wollen doch so leben! Hausen wie die Tiere!«, sagt Lamanna. »Zwanzig Jahre arbeiten und leben die hier. Und wegen zehn verletzten Negern sind wir jetzt alle Rassisten?«, sprudelt es aus ihm heraus. »Wir geben ihnen Arbeit und werden bestraft. Die randalieren und werden belohnt!«

Die Belohnung, die der Bauer meint, nennt der italienische Staat einen »Akt der Humanität«. Zwar erklärte Innenminister Roberto Maroni von der Lega Nord die Eskalation in Rosarno mit der »grenzenlosen Toleranz gegenüber illegaler Einwanderung« und versprach, »hart durchzugreifen«. Aber in der Provinzhauptstadt Reggio Calabria verlieh ein Polizeioffizier in Maronis Auftrag medienwirksam Aufenthaltsgenehmigungen für jeweils drei Jahre an fünf der verletzten Afrikaner.

»Das ist doch ein schönes Happy End!«, sagt der Polizist, zupft an seiner Uniform, schüttelt den gequält lächelnden Afrikanern die Hände und grinst in die Kamera. Saikou Foroyaa, der verhinderte Fischer, hat am dritten Tag nach seiner Rückkehr Arbeit gefunden. Von sieben Uhr morgens bis halb vier nachmittags pflückt er im Regen Mandarinen. Danach sagt der Bauer zu ihm: »Das war nur ein halber Tag! Keine neun Stunden.« Und die zwölf Euro fünfzig bekomme er erst nach vierzehn vollen Arbeitstagen. Seitdem hat der Bauer ihn nicht mehr beschäftigt.

Aus der »Ein-Raum-Wohnung« in der Stadt ist Saikou deshalb ausgezogen und wohnt jetzt in einem Ein-Raum-Steinhaus auf einer Plantage. Die erste Nacht liegt er dort wach – bei drei Grad im kältesten kalabresischen Winter seit Jahren. An der Tür hängt nur eine dünne Decke. Während er am nächsten Morgen müde, und wieder vergeblich, an der Straße wartet, scheißen Katzen auf sein Nachtlager.

Am Abend macht er ein Feuer in der zugigen Hütte. »Ich bräuchte nur ein bisschen Geld«, sagt er und reibt sich die brennenden Augen. »Damit könnte ich die Häfen abklappern und Arbeit als Fischer suchen.«

Es wird nicht einfach werden. Täglich kommen mehr Migranten zurück in die Stadt, aus der sie erst vor wenigen Wochen verjagt wurden und hoffen auf Arbeit. Auch Saikou Foroyaa hofft. Saikou heißt nicht Foroyaa. Den Nachnamen hat er sich für diese Geschichte ausgesucht. Foroyaa heißt in seiner Landessprache Mandinka »freier Mann«.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in München.

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