Panorama: Indien und Russland
Indien: Raffinerie bedroht Indigene
Die Aluminiumoxid-Raffinerie einer Tochtergesellschaft des britischen Unternehmens Vedanta Resources bedroht die Existenz der indigenen Gemeinschaft der Dongria Kondh. Dies dokumentiert ein Anfang Februar veröffentlichter Amnesty-Bericht. Seit Jahrhunderten lebt die Gemeinschaft am Fuße der Niyamgiri-Hills.
Die Dongria Kondh betrachten das Gebirge im ostindischen Bundesstaat Orissa als heilig und sind auf die Berge zum Überleben angewiesen: Sie sind Quelle für Nahrung und Wasser. "Die Menschen leben im Schatten einer riesigen Raffinerie, atmen verschmutzte Luft und haben Angst, Wasser aus dem Fluss zu trinken, der eine der wichtigsten Quellen für die Wasserversorgung ist", sagte ein Amnesty-Experte. Trotz der Umweltverschmutzung überlegt die indische Regierung, einem Antrag stattzugeben, der eine Versechsfachung der Raffinerie-Kapazität bedeuten würde. Außerdem ist der Bau einer Bauxit-Mine in der Nähe der Niyamgiri-Hills geplant. Amnesty fordert von der Regierung und Vedanta Resources ernsthafte Konsultationen mit den betroffenen Menschen sowie die Garantie, die Raffinerie-Ausweitung und die Bergbaupläne zu stoppen. Weitere Informationen auf www.amnesty.de
Russland: Proteste gegen Polizeiwillkür
Hunderte Menschen haben am 6. März in Moskau gegen Polizeiwillkür protestiert und eine Reform der Sicherheitskräfte gefordert. Die 83-jährige Aktivistin Lyudmila Alexeyeva hatte Tage zuvor auf einer Wache Handzettel verteilt und die Polizisten aufgefordert, auch an den Protesten teilzunehmen. "Ungewöhnlicherweise", schrieb die "Moscow Times", "ließ die Polizei sie nicht nur herein, sondern ließ sie auch wieder gehen." In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Fälle von Polizeiübergriffen bekannt geworden. Zudem schützt die Polizei Menschenrechtsverteidiger nicht ausreichend. Am 27. Februar wurde Vadim Karastelev, der sich in der russischen Schwarzmeerstadt Novorossisk für eine Polizeireform einsetzt, von Unbekannten brutal zusammengeschlagen. Amnesty International hat die russischen Behörden aufgefordert, die Verantwortlichen schnell zur Rechenschaft zu ziehen. Karastelev unterstützt den Polizeibeamten Aleksei Dymovskii. Dieser hatte im November 2009 in einem auf dem Videoportal YouTube veröffentlichten Appell von Premierminister Putin gefordert, in der Polizei "aufzuräumen". Er wurde daraufhin entlassen und später wegen Betrugs angeklagt. Weitere Informationen auf www.amnesty.de