Iran: Narges Mohammadi in Lebensgefahr
Die prominente iranische Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi (undatiertes Foto)
© CC
Die Behörden der Islamischen Republik Iran setzen das Leben der inhaftierten Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi aufs Spiel. Sie verweigern ihr die Behörden die dringend nötige fachärztliche Behandlung in einem Krankenhaus in Teheran. Dieses Verhalten kommt der Folter gleich. Narges Mohammadi erlitt am 24. März 2026 im Gefängnis von Zanjan einen Herzinfarkt. Schon seit ihrer ungerechtfertigten Inhaftierung im Dezember 2025 leidet sie unter Brustschmerzen, Blutdruckschwankungen, starken Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Doppeltsehen.
Setzt euch für Narges Mohammadi ein!
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Appell an
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Gholamhossein Mohseni Ejei
c/o Embassy of Iran to the United Nations in Geneva
Chemin du Petit-Saconnex 28
CH-1209 Geneva
SCHWEIZ
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Majid Nili Ahmadabadi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–843 53 133
E-Mail: info@iranbotschaft.de
Amnesty fordert:
- Lassen Sie Narges Mohammadi bitte sofort und bedingungslos frei, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist und sich nur wegen ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit in Haft befindet. Heben sie alle ihre unrechten Schuldsprüche auf.
- Bis zu ihrer Freilassung muss die Menschenrechtlerin Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung erhalten, falls nötig außerhalb des Gefängnisses, und vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt werden.
- Leiten Sie bitte umgehend eine unabhängige, zielführende und unparteiische Untersuchung ihrer Folter- und Misshandlungsvorwürfe ein und stellen Sie die Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht.
Sachlage
Das Leben der Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsverteidigerin Narges Mohammadi ist akut bedroht. Die Behörden, einschließlich der Staatsanwaltschaft, setzen sie im Gefängnis von Zanjan in der Provinz Zanjan Folter und anderen Formen der Misshandlung aus, indem sie ihr absichtlich eine sofortige und angemessene medizinische Versorgung für ihr schweres Herzleiden verweigern. Informierten Quellen zufolge erlitt Narges Mohammadi am 24. März 2026 im Gefängnis einen Herzinfarkt. Man fand sie bewusstlos in ihrer Zelle. Ihre Gliedmaßen waren kalt, die Augen zurückgerollt und ihr Körper war taub. Ihre Zellengenossinnen brachten sie in die Krankenstation, wo ihr Medikamente verabreicht wurden, aber die Behörden weigerten sich, sie in ein Krankenhaus zu verlegen. Am 30. März wurde Narges Mohammadi von einem*r Kardiologen*in außerhalb des Gefängnisses untersucht. Er*Sie stellte fest, dass die vom Arzt des Gefängnisses von Zanjan verschriebenen Medikamente zu dem Herzinfarkt beigetragen hatten und warnte vor dem Risiko eines erneuten Herzinfarkts. Seitdem hat sich Narges Mohammadis Gesundheitszustand rapide verschlechtert. Ihre Familie und ihre Anwält*innen besuchten sie am 28. April 2026 im Gefängnis und berichteten, dass sie ständig Schmerzen in der Brust habe und sich sehr unwohl fühle. Narges Mohammadi hat seit ihrer erneuten Inhaftierung am 12. Dezember 2025 insgesamt 20 kg abgenommen. Eine informierte Quelle berichtete, dass sich der Gewichtsverlust in den letzten zwei Monaten beschleunigt habe. Der Amtsarzt in Zanjan sprach sich am 13. April 2026 für die vorübergehende Aussetzung ihrer Strafe aus medizinischen Gründen für einen Monat aus, aber die Staatsanwaltschaft weigerte sich, sie freizulassen und verweigerte sogar die Genehmigung, sie zur Behandlung vorübergehend nach Teheran zu überstellen. Nach Angaben der Anwält*innen von Narges Mohammadi und ihrer Familie bestätigen die Ärzt*innen in Zanjan, dass die inhaftierte Menschenrechtlerin durch das Fehlen einer spezialisierten und kontinuierlichen medizinischen Versorgung, die nur in Teheran verfügbar ist, in Lebensgefahr ist.
Nach Narges Mohammads willkürlicher Festnahme am 12. Dezember 2025 in Mashhad, Provinz Razavi Khorasan, wurde sie von Geheimdienstmitarbeiter*innen gefoltert oder anderweitig misshandelt, u.a. mit schweren Schlägen auf den ganzen Körper und den Kopf, die ärztlich hätten versorgt werden müssen, so eine informierte Quelle. Anschließend wurde sie bis zum 10. Februar 2026 in einem Haftzentrum des Geheimdienstministeriums in Mashhad festgehalten. Dann verlegten die Behörden sie plötzlich und ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Familie oder ihrer Anwält*innen in das Gefängnis von Zanjan. Dort wird sie nach wie vor in einer Abteilung mit Gefangenen festgehalten wird, die wegen Gewaltdelikten verurteilt wurden. Seit Mai 2021 haben die iranischen Behörden Narges Mohammadi in acht verschiedenen Fällen zu Unrecht zu über 20 Jahren Gefängnis, 154 Peitschenhieben und anderen Repressionen verurteilt. Die Strafverfahren sind allein auf ihren Einsatz für die Menschenrechte zurückzuführen.
Hintergrundinformation
Am 6. Oktober 2023 wurde Narges Mohammadi für ihren "Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und für die Förderung der Menschenrechte und Freiheit aller" mit dem Friedensnobelpreis 2023 ausgezeichnet.
Vor ihrem Herzinfarkt am 24. März 2026 verweigerte die Gefängnisbehörde von Zanjan Narges Mohammadi eine angemessene medizinische Versorgung, unter anderem für die anhaltenden Schmerzen in der Brust und Blutdruckschwankungen sowie für die starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Doppeltsehen, die nach der Folter oder anderen Misshandlungen, denen sie nach ihrer Verhaftung am 12. Dezember 2025 ausgesetzt war, einsetzten. Sie wurde festgenommen, als sie während der Gedenkfeier für den Rechtsanwalt Khosrow Alikordi in Mashhad friedlich ihre Menschenrechte wahrnahm. Als Narges Mohammadi nach ihrer Festnahme in einem Haftzentrum des Geheimdienstministeriums festgehalten wurde, fühlte sie sich mehrmals sehr unwohl, ihr wurde schwindlig, sie verlor das Bewusstsein und stürzte zu Boden – der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung wurde ihr dennoch verwehrt. Informierten Quellen zufolge wurde Narges Mohammadi während der Verhöre in der Haftanstalt von den Behörden unter Druck gesetzt, schriftliche öffentliche Erklärungen abzugeben, in denen sie den am 28. Dezember 2025 begonnenen landesweiten Aufstand im Iran verurteilt. Narges Mohammadi lehnte dies ab.
Die iranischen Behörden haben Narges Mohammadi wiederholt den Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung im Gefängnis verzögert und/oder verweigert und damit ihr Leben in große Gefahr gebracht. So erlitt Narges Mohammadi am 16. Februar 2022 eine Reihe von Herzinfarkten und musste sich einer Notoperation am Herzen unterziehen, wurde aber am 19. Februar 2022 gegen ärztlichen Rat wieder ins Gefängnis gebracht. Am 11. November 2023 blockierten die Behörden erneut ihre Verlegung in ein Krankenhaus und machten dies von der Einhaltung der Verschleierungspflicht abhängig, obwohl die Ärzte Flüssigkeit um ihr Herz herum und eine bis zu 80%ige Verstopfung zweier Arterien festgestellt hatten, die eine Angioplastie erforderte. Am 16. November kam sie endlich ohne Kopftuch ins Krankenhaus, um eine Angioplastie zu erhalten, wurde aber noch am selben Tag gegen ärztlichen Rat ins Gefängnis zurückgebracht. Nach Angaben ihrer Familie wies die Krankenakte von Narges Mohammadi im Juli 2024 und September 2024 auf eine Verschlechterung ihres Zustands hin, einschließlich der Tatsache, dass ein Stent, der während einer Notoperation am Herzen im Februar 2022 in ihre Arterie eingesetzt wurde, aufgrund einer Verstopfung ersetzt werden musste, was schließlich Ende Oktober 2024 geschah. Am 3. November 2024 teilte der Rechtsbeistand von Narges Mohammadi auf X mit, dass ihre Ärzt*innen betont haben, dass sie an mehreren Krankheiten leide, die eine ständige medizinische Betreuung erforderten. Am 4. Dezember 2024 wurde die Vollstreckung der Haftstrafe gegen Narges Mohammadi vorübergehend ausgesetzt und sie kam vorübergehend aus der Haft frei. Am 12. Dezember 2025 wurde sie in Mashhad erneut willkürlich inhaftiert. Seitdem ist sie im Gefängnis.
Narges Mohammadi wird seit über 25 Jahren wegen ihrer Menschenrechtsarbeit von den Behörden der Islamischen Republik Iran ins Visier genommen und wurde schon zu zahlreichen ungerechtfertigten Gefängnisstrafen verurteilt. Ihre jüngsten Fälle von gerichtlichen Schikanen gehen auf eine Verurteilung im Mai 2021 und eine Verurteilung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis zurück, die sich auf ihre friedliche Teilnahme an einem Sitzstreik mit anderen Gefangenen in der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses während einer früheren Inhaftierung im Dezember 2019 bezieht. Die Frauen protestierten gegen die rechtswidrige Tötung von Demonstrant*innen und Passant*innen während der landesweiten Proteste im November 2019. Am 16. November 2021 wurde Narges Mohammadi festgenommen, um ihre Haftstrafe anzutreten. In der Folge wurde sie in sieben weiteren Fällen verurteilt, die alle im Zusammenhang mit ihrem friedlichen Aktivismus stehen. Dazu gehören eine Verurteilung durch das Revolutionsgericht wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit sowie Gefängnisstrafen und andere Sanktionen, einschließlich Auspeitschungen, und ein Strafverfahren, in dem sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Am 8. Februar 2026 teilte Narges Mohammadi einem ihrer Rechtsbeistände mit, dass die Abteilung 1 des Revolutionsgerichts in Mashhad sie wegen Straftaten im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis und anderen Sanktionen verurteilt habe.
Die Menschen im Iran, einschließlich der Gefangenen, sind zwischen rechtswidrigen Angriffen der USA und Israels und tödlicher Unterdrückung im eigenen Land gefangen. Zwischen dem 28. Februar und dem 7. April 2026 haben die USA und Israel Zehntausende von Luftangriffen auf Ziele in ganz Iran durchgeführt und dabei die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen. Während der Angriffe berichteten Familienangehörige von Gefangenen und Menschenrechtsaktivist*innen Amnesty International, dass es in einer Reihe von Gefängnissen und Einrichtungen, in denen Gefangene untergebracht sind, zu Explosionen kam, auch in der Nähe des Gefängnisses von Zanjan. Sowohl während der Angriffe als auch seit der brüchigen Waffenruhe, die am 7. April 2026 verkündet wurde, berichten Familienangehörige von Gefangenen und Menschenrechtsverteidiger*innen, dass es in den Gefängnissen an Lebensmitteln, Trinkwasser und Hygieneartikeln mangelt. Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe in Iran fanden statt, als die Bevölkerung noch immer von den beispiellosen Massakern der iranischen Behörden an Tausenden von Demonstrant*innen und Passant*innen im Zuge der Niederschlagung der Proteste im Januar 2026 erschüttert war. Vor diesem Hintergrund hat sich die Gefahr von Gräueltaten gegen Menschen in Iran vervielfacht, die von den Behörden im Land selbst und durch Angriffe von Seiten der US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte verübt werden.