Aktuell Syrien 28. Februar 2018

Artillerieangriffe auf Wohngebiete bedrohen Hunderte Zivilpersonen

Drei Soldaten stehen auf einem Panzer, der auf erdigem Gelände steht

Ein Panzer der türkischen Armee in der nordsyrischen Region Afrin am 22. Januar 2018

Bei Gefechten im türkisch-syrischen Grenzgebiet beschießen die türkische Armee und in geringerem Umfang die kurdische YPG-Miliz die Städte Afrin und Azaz. Dabei werden auch Wohngebiete und zivile Einrichtungen mit unterschiedslos wirkenden Waffen angegriffen. Von Amnesty verifizierte Augenzeugenberichte dokumentieren zahlreiche getötete Zivilpersonen.

Amnesty International hat Interviews mit 15 Personen geführt, die in den von den Kämpfen betroffenen Ortschaften Afrin und Azaz leben oder kürzlich von dort geflohen sind. Die meisten dieser Augenzeugenberichte über den wahllosen Beschuss von Wohngebieten konnten mittels Videoanalysen durch Expertinnen und Experten von Amnesty verifiziert werden.

Die Verwendung von Artillerie und anderen unpräzisen Waffen in dicht besiedelten Gebieten verletzt das in den Genfer Konventionen verankerte Gebot der Unterscheidung militärischer und ziviler Ziele und ist daher völkerrechtlich verboten. Amnesty ruft die Konfliktparteien auf, solche Angriffe umgehend einzustellen.

Türkische Angriffe

Nach Angaben des Kurdischen Roten Kreuzes hat die am 20. Januar gestartete türkische Militäroperation "Olivenzweig" bisher 93 Zivilpersonen das Leben gekostet, darunter 24 Kinder. 313 Zivilistinnen und Zivilisten wurden verletzt, unter ihnen 51 Kinder. Menschen aus den Dörfern Jenderess, Rajo und Maabatli in der Region Afrin beschrieben gegenüber Amnesty, wie sie völlig unvorbereitet stundenlangem Artilleriebeschuss ausgesetzt waren, selbst nachdem die türkische Armee versichert hatte, den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen.
 
Angriffe der YPG
 
Demgegenüber berichteten Einwohnerinnen und Einwohner von Azaz von  Raketenangriffen durch die kurdische YPG-Miliz, die auch Wohn- und Krankenhäuser trafen. Dabei wurden mutmaßlich vier Menschen getötet, darunter ein neunjähriges Mädchen.  

Zudem wurden auch Wohngebiete auf der türkischen Seite der Grenze beschossen. Laut türkischen Angaben wurden dabei sieben Zivilpersonen getötet und über 100 verletzt.
 
Das türkische Militär startete die Offensive in einer Region, die bisher von Kampfhandlungen wenig betroffen war und in der zahllose Vertriebene Zuflucht gefunden haben. Die USA, Russland und andere Staaten müssen ihren Einfluss auf die Kriegsparteien geltend machen, damit diese völkerrechtswidrigen Angriffe beendet werden und die Zivilbevölkerung nicht länger gefährdet wird.

Hier findest du die englischsprachige Meldung mit den Augenzeugenberichten der betroffenen Zivilpersonen

 

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