Aktuell Sudan 22. Januar 2018

"Die junge Generation will Veränderung"

Interview mit Bushra Hussein
Porträt von Bushra Hussein

Der sudanesische Menschenrechtsaktivist Bushra Hussein 2017 in Berlin

Bushra Gamar Hussein Rahma ist ein Menschenrechtsaktivist aus dem Sudan. Er wurde vom sudanesischen Geheimdienst schon mehrfach inhaftiert und gefoltert. Amnesty hat sich erfolgreich für seine Freilassung eingesetzt, die Amnesty-Gruppe in Hannover hat dazu beigetragen, dass er im Mai 2013 in Deutschland medizinisch behandelt werden konnte. Vier Jahre danach spricht er nun erneut über die Menschenrechtslage in seinem Heimatland und seine Organisation.

Interview: Vera Dudik

Sudan ist aufgrund der desolaten Menschenrechtslage ein Schwerpunkt der Arbeit von Amnesty. Zwischen Oktober 2016 und April 2017 wurden laut Amnesty mindestens 77 Menschen im Sudan inhaftiert, nur weil sie ihre Meinung gesagt haben. Doch der bekannte Aktivist Dr. Mudawi Ibrahim Adam wurde inzwischen freigelassen. Lässt das auf einen Strategiewechsel der sudanesischen Regierung schließen?

Die eigentliche Zahl der Arreste ist viel höher. Die Regierung  hat sich nicht geändert, nur ihre Strategie, wie sie andere unterdrückt: Sie greifen Zeitungen an, sperren Geistliche ein. Einfach jeder kann ins Visier geraten.  Zwar wurde Mudawi freigelassen – aber viele bleiben im Gefängnis.  Ich sage Ihnen, es ist nur ein scheinbarer Politikwechsel, dieselben furchtbaren Verbrechen werden tagaus, tagein weiter begangen. 

Aufgrund des aktuellen Konfliktes im Südsudan sind viele nach Uganda geflohen. Wie ist die Situation für Geflüchtete dort? 

Die Menschen in Uganda sind sehr gastfreundlich. Das Wenige, was man hat, wird einfach mit allen geteilt. Das Bidi-Bidi-Camp ist ein gutes Beispiel. Es wurde auf Gemeindeland errichtet. Die meisten der geflüchteten Menschen kommen aus dem Südsudan. Tatsächlich mussten viele davon bereits zweimal fliehen: zuerst vor dem Konflikt im Sudan in den Südsudan, dann vom Südsudan nach Uganda. Die Bedingungen sind sehr schwierig. Nur mit der Hilfe lokaler NGOs konnte dort ein Ausbruch der Cholera verhindert werden. Die Organisationen leisten wirklich großartige Arbeit. 

Kommen wir auf die Arbeit Ihrer eigenen Organisation HUDO (Human Rights and Development Organisation) zu sprechen.

Wir legen den Fokus auf die Beobachtung der Menschenrechtslage in Südkordofan und Blue Nile. Wir arbeiten auch zu Binnenvertriebenen aus den beiden Gebieten. Da wir unser Büro in Kampala in Uganda haben, beobachten wir zunächst aus der Ferne. Im Büro selbst sind wir etwa zu fünft, aber wir stehen auch in engem Kontakt mit unseren Beobachterinnen und Beobachtern im Sudan. Was sie uns an Informationen liefern, wird von uns sorgfältig geprüft und fließt dann in unsere Berichte ein. 

Versucht die Regierung Sudans, die Arbeit zu beeinflussen? Welche Herausforderungen gibt es?

Unsere Beobachterinnen und Beobachter können sich im Sudan nur eingeschränkt bewegen und werden streng überwacht. Das CISA (Ausschuss für Nachrichten- und Sicherheitsdienste in Afrika der Afrikanischen Union) hat in einem seiner jüngsten Berichte NGOs, die "negativen Einfluss auf die Sicherheit haben", als eine der größten Gefahren für Afrikas Stabilität bezeichnet. Wir müssen jederzeit damit rechnen, geschlossen zu werden. Aber wenn wir in Uganda aufhören müssen, dann gehen wir nach Tansania oder Kenia. Aufgeben werden wir nicht. 

Wie sind Ihre Aussichten  für die Zukunft? 

Wir wollen uns vergrößern und nationale und internationale Koalitionen bilden. Amnesty in Deutschland spielt dabei auch eine wichtige Rolle, zum Beispiel wenn es darum geht, mit neuen Förderinnen und Förderern bekannt gemacht zu werden.

Insgesamt bin ich sehr optimistisch. Warum? Weil ich an die jungen Menschen glaube. Die junge Generation will Veränderung. Veränderung kann manchmal Jahrzehnte dauern, aber sie ist möglich. Damit anzufangen ist unsere Verantwortung.

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