Aktuell Kolumbien 26. November 2021

Kolumbien: Demonstrierende erblinden nach brutaler Polizeigewalt

Das Bild zeigt einen Polizisten in schwerer Ausrüstung, der eine Waffe abfeuert

Bei regierungskritischen Protesten in der kolumbianischen Stadt Medellín am 28. Mai 2021 feuert ein Polizist eine Tränengaskartusche ab.

Eine neue Recherche von Amnesty International gemeinsam mit der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation Temblores und dem "Programa de Acción por la Igualdad y la Inclusión Social" (PAIIS) der Universidad de los Andes dokumentiert, dass staatliche Sicherheitskräfte gezielt die Augen von Menschen bei Demonstrationen im vergangenen Jahr in Bogotá, Popayán, Florencia, Medellín und Manizales verletzt haben.
 
"In unserem Bericht belegen wir glasklar, dass Polizeikräfte in zahlreichen Fällen friedlichen Protestierenden mit potenziell tödlichen Waffen absichtlich ins Gesicht geschossen und dabei schwere Augenverletzungen billigend in Kauf genommen haben", sagt Matthias Schreiber, Amerikas-Experte bei Amnesty International in Deutschland.

"Dies spiegelt deutlich ein Muster wider: Diese Handlungen dienten nicht dazu, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, sondern es ging einzig und allein darum, Menschen, die ihr Recht auf friedlichen Protest ausüben, dafür zu bestrafen."
 
Das Digitial Verification Corps von Amnesty International hat mehr als 300 unterschiedliche Videoausschnitte aus der Zeit von April bis Oktober analysiert und eindeutige Hinweise auf die vollkommen unangemessene Polizeigewalt gefunden.

Amnesty-Video zu Polizeigewalt in Kolumbien:

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"Wir fordern die Behörden in Kolumbien auf, den Betroffenen von Polizeigewalt jede Unterstützung, die sie benötigen, zur Verfügung stellen, Wiedergutmachung zu leisten und sicherzustellen, dass Menschenrechtsverletzungen durch Polizeikräfte vollständig aufgearbeitet werden", sagt Schreiber.
 
"Es ist dringend notwendig, die kolumbianische Polizei grundlegend zu reformieren. Polizeiliches Handeln muss zivilen Grundsätzen folgen und es bedarf unabhängiger Kontrollmechanismen um mögliche Menschenrechtsverstöße durch Polizeieinheiten wirksam zu untersuchen."

Die Unterzeichnung des Friedensvertrages in Kolumbien jährte sich am 24. November 2021 zum fünften Mal. Aus diesem Anlass veröffentlichten mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen eine gemeinsame Erklärung zur Menschenrechtssituation im Land.

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