Aktuell 28. Februar 2017

Warum wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten

Warum wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten

Amnesty-Mitglieder bilden während der Jahresversammlung im Mai 2015 in Dresden den Schriftzug "#NoRacism".

Wenn Menschen aufgrund ihrer "Hautfarbe", ihrer angenommenen Herkunft oder anderer Zuschreibungen mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert werden, können sie gar nicht anders, als das persönlich zu nehmen. Sie werden verletzt, ausgegrenzt und diskriminiert. Wer zur weißen Mehrheit in unserer Gesellschaft gehört, hat dagegen das Privileg, sich entscheiden zu können, diese Diskriminierungen zu ignorieren oder aber sich angesprochen zu fühlen, die eigenen Vorurteile zu hinterfragen, und sich einzumischen. Es gibt viele gute Gründe, warum wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten.

Rassismus ist ein Angriff auf uns alle

Mit jeder rassistischen Handlung, mit jeder rassistischen Äußerung – ob gewollt oder ungewollt – werden Menschen abgewertet und ausgegrenzt. Rassismus trennt uns alle in ein „Wir“ und „die anderen“, denen zumeist weniger Rechte zugesprochen werden. Rassismus verneint die Gleichheit aller Menschen, die unter anderem in Artikel 7 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes festgehalten ist, und verletzt die Menschenwürde. Jede rassistische Handlung ist daher auch ein Angriff auf die gesetzliche Grundlage unserer Gesellschaft, die alle vor Diskriminierung schützt.

Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht.

Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes schreiben fest, dass niemand rassistisch diskriminiert werden darf. Kein Mensch darf wegen seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft, seines Glaubens oder seiner politischen Anschauungen benachteiligt werden. Dieses absolute Diskriminierungsverbot ist eine der Lehren der Weltgemeinschaft aus den Erfahrungen zweier Weltkriege, den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kolonialismus. Heute ist es mehr denn je notwendig, daran zu erinnern.

Wer Vielfalt will, muss sich einmischen.

Rassismus ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Im Jahr 2016 verzeichnete die Bundesregierung nach vorläufigen Zahlen ca. 12.500 rechts motivierte Straftaten. Die Täter_innen fühlen sich durch ein gesellschaftliches Klima, in dem rassistische Ressentiments immer offener propagiert werden, ermutigt. Wenn zu rassistischen Taten und Worten geschwiegen wird, empfinden das rassistisch Handelnde als Zustimmung. Wer will, dass sich alle Menschen in unserer vielfältigen Gesellschaft sicher und frei fühlen, muss sich einmischen und gegen Rassismus aktiv werden.

Nicht nur extrem Rechte handeln rassistisch.

Als Rassismus werden fälschlicherweise oft nur die Taten und Worte von extrem Rechten bezeichnet. Doch wir alle handeln oder äußern uns im Alltag oft rassistisch und grenzen Menschen aus, ohne dass wir dies beabsichtigt hätten. Nicht jede_r ist deshalb gleich ein_e Rassist_in. Doch über Generationen wurden in unserer Gesellschaft durch Politik, Traditionen, Massenmedien oder Sprachgebrauch rassistische Vorurteile und Stereotype entwickelt, gefestigt und weitergegeben, die sich vielfach in unserem Handeln ausdrücken. Die Autorin Noah Sow schreibt: "Wir können nichts dafür, dass wir so viel rassistischen Unsinn beigebracht bekommen haben. Wir können ihn jetzt aber loswerden.“

Die Sicht der Betroffenen zählt.

Häufig bekommen Betroffene zu hören, die Benutzung eines rassistischen Wortes sei doch "nicht so gemeint“. Oder hinter der Nachfrage "Woher kommst du wirklich?“ stecke doch nur freundliches Interesse. Entscheidend ist aber nicht, was wir ausdrücken wollten, sondern, wie es bei unserem Gegenüber ankommt. Wer mit solchen Fragen und Klischees ständig konfrontiert wird, bei der oder dem kommt an: Du bist anders, du gehörst nicht dazu. Maßgeblich dafür, ob eine Handlung oder Äußerung rassistisch ist, ist daher die Sicht der Betroffenen. An ihr sollten wir unser Handeln und Sprechen orientieren

Rassismus verhindert die gleichberechtigte Teilhabe aller.

Rassismus verwehrt es Betroffenen in vielen Bereichen des Lebens, an dieser Gesellschaft gleichberechtigt teilzuhaben. Zum Beispiel haben es Schwarze oder türkeistämmige Kinder in der Schule schwerer, weil ihnen manche Lehrer_innen nicht viel zutrauen. People of Color haben oft schlechtere Chancen, einen Job oder eine Wohnung zu finden, weil sie schon allein wegen ihres Namens aussortiert werden. An vielen Orten können sie sich weniger frei bewegen, weil sie Angst haben müssen, in eine verdachtsunabhängige Polizeikontrolle zu geraten. Wer möchte, dass alle die gleichen Möglichkeiten haben, kommt nicht umhin, sich gegen Rassismus einzusetzen.

Weiße profitieren von rassistischer Diskriminierung.

Dass People of Color in vielen Situationen des alltäglichen Lebens strukturelle Nachteile haben, heißt gleichzeitig, dass die Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft davon profitieren. Ob auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheitssystem, in der Schule oder Universität, an der Supermarktkasse oder an der Discotür: Weiße sind gegenüber Schwarzen oder türkeistämmigen Menschen privilegiert, auch wenn sie womöglich auf anderen Ebenen – zum Beispiel als Frauen, Menschen mit Behinderung, Sozialhilfeempfänger_innen oder Homosexuelle – ebenfalls Diskriminierung erfahren. Auch aus dieser Privilegierung erwächst die Verantwortung, sich selbstkritisch mit Rassismus auseinanderzusetzen.

Weitere Informationen zum Thema Rassismus in Deutschland finden Sie auf www.amnesty.de/gegen-rassismus

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Aktuell Diskriminierung

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