Amnesty-Bericht zu Ägypten und Sudan: Flüchtlinge werden Opfer von Entführungen, Menschenhandel und schweren Missbrauch
3. April 2013 - Ägypten und der Sudan müssen dringend eine gemeinschaftliche Lösung finden, die gewaltsamen Entführungen eritreischer und äthiopischer Asylsuchender aus den sudanesischen Flüchtlingscamps zu verhindern, fordert Amnesty International.
Seit nun zwei Jahren werden Flüchtlinge aus dem Flüchtlingslager Shagarab in der Nähe der eritreischen Grenze in die Sinai-Wüste verschleppt und dort von beduinischen kriminellen Banden gefangen gehalten, während von ihren Familien Lösegeld gefordert wird.
Den durch Amnesty International gesammelten Berichten zufolge werden die Opfer grausamen Gewalttaten, Vergewaltigungen, Verbrennungen und Folter ausgesetzt. Des Weiteren zwingen die Kidnapper die Angehörigen dazu, den Gewalttaten telefonisch beizuwohnen, um Summen von bis zu 40.000 Dollar von ihnen zu erpressen.
Sind die Familien nicht in der Lage, das Lösegeld zu zahlen, werden die Flüchtlinge brutal ermordet. Andere wiederum erliegen ihren Verletzungen oder sterben an den extrem harten Bedingungen der Geiselhaft. Ein Jugendlicher erlebte während der acht Monate seiner Gefangenschaft den Tod sieben anderer Opfer.
Zeugenaussagen zufolge durchleiden die Geiseln die unterschiedlichsten Formen der unmenschlichen Misshandlung und Folter, darunter auch Vergewaltigungen und andere Arten des sexuellen Missbrauchs, Schläge mit Eisenstangen und Ketten, Elektroschocks, Verbrennungen durch geschmolzenen Kunststoff oder Metall, Übergießen mit Benzin und Inbrandsetzung.
Ein eritreischer Überlebender beschreibt, wie an einem Flüchtling, dessen Familie nicht zahlen konnte, ein Exempel statuiert wurde: "Er blutete am ganzen Körper. Nach weiteren Schlägen und sexuellem Missbrauch übergossen sie ihn mit Benzin und setzten ihn in Brand. Die Leiche ließen sie bei uns im Raum liegen bis sie verweste, und zwangen uns der Reihe nach, sie zu umarmen."
Die Situation wird durch unzureichende Sicherheitsmaßnahmen im Shagarab Flüchtlingscamp und dessen Umgebung noch weiter verschlimmert. Angaben der Flüchtlinge zufolge geschehen diese Entführungen unter der Mitschuld der sudanesischen Sicherheitskräfte, welche die Präsenz der kriminellen Banden dulden, die Verschleppungen geflissentlich übersehen und auch bei der Übergabe der Geiseln an der ägyptischen Grenze teilhaben.
Amnesty appelliert an die sudanesische Regierung, diese berichteten gravierenden Menschenrechts-verletzungen durch die eigenen Sicherheitskräfte zu untersuchen und, falls ausreichende Beweise gefunden werden, alle involvierten Personen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die ägyptischen Sicherheitskräfte werden ebenfalls aufgefordert, die Anschuldigungen, dass Flüchtlinge in Lagern im Nordosten der Sinai-Wüste gefangen gehalten werden, zu untersuchen und den Missbrauchsopfern medizinische Fürsorge und Zugang zu fairen Asylverfahren zu gewährleisten.
Die Mehrheit der freigelassenen Verschleppungsopfer befindet sich nun in Israel, während eine kleinere Anzahl in Ägypten bleibt oder nach Äthiopien zurückkehrt. Aufnahmeländer wie Israel müssen Systeme zur spezifischen Identifizierung von Opfern dieser Menschenrechtsverletzungen etablieren und den Flüchtlingen Zugang zu medizinischen, psychologischen und rehabilitativen Behandlungsmaßnahmen gewähren.