Sudan: Auf der Flucht vor Bomben und Hunger
Flüchtlinge suchen Schutz in den Höhlen bei Luba in Süd-Kordofan, August 2011
© Carsten Stormer
7. Juni 2012 - Die Zivilpersonen in den beiden Grenzgebieten Südkordofan und Blue Nile bleiben weiter die Hauptleidtragenden der Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee (SFA) und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee-Nord (SPLA-N). Zu diesem Schluss kommt Amnesty International in einem aktuellen Bericht "We can run away from bombs, but not from hunger: Sudan’s refugees in South Sudan".
Seit dem Ausbruch der gewaltsamen Konflikte zwischen den beiden Staaten Südsudan und Sudan in den Grenzregionen Südkordofan und Blue Nile vor einem Jahr, wurden mehr als 500.000 Menschen durch die andauernden Bombardierungen durch die SFA sowie Nahrungsmittelknappheit vertrieben. Seitdem befinden sie sich sowohl im Inland als auch in den Nachbarländern auf der Flucht. Verschärft wird diese Situation noch dadurch, dass die sudanesische Regierung internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zu den betroffenen Regionen verweigert.
Zuflucht finden die Menschen in notdürftig aufgebauten Flüchtlingslagern entlang der sudanesischen Grenze im Südsudan. Dort sind sie jedoch der Gefahr weiterer Menschenrechtsverstöße ausgesetzt. Amnesty International besuchte im März und April diesen Jahres acht Flüchtlingslager im Südsudan. Es mangelt an Wasser, Nahrung, Sanitäreinrichtungen und medizinischer Versorgung. Zudem hat Amnesty International Berichte von Zwangsrekrutierungen durch die SPLM-N, sexuellen Übergriffen und willkürlichen Verhaftungen in den Lagern erhalten.
Allein in den vergangenen sechs Wochen sind über 50.000 Flüchtlinge in den Lagern im Südsudan eingetroffen.
"Die Situation ist dramatisch. Durch die bevorstehende sechsmonatige Regenzeit droht sich die Lage der Flüchtlinge noch zu verschlechtern, wenn Materialien für die Versorgung der Flüchtlinge wegen Überschwemmungen nicht mehr zu den Lagern gebracht werden können," sagt sagt Alfred Buss, Sprecher der Sudan-Ländergruppe der deutschen Amnesty-Sektion.
Die humanitären Herausforderungen, vor denen die Vereinten Nationen und internationale NGOs stehen, um diese wachsende Anzahl an Flüchtlingen angemessen versorgen zu können, sind immens und das Fehlen von grundlegender Infrastruktur in den abgelegenen Gebieten, in die die Menschen flüchten, erschwert die Versorgung zusätzlich.
Amnesty International fordert die Vereinten Nationen auf, die Anstrengungen für die Versorgung der Flüchtlinge und den Schutz, insbesondere von Frauen und Mädchen, zu erhöhen.
"Seit über einem Jahr sieht der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu, wie die Gewalt zwischen dem Sudan und Südsudan eskaliert und sich eine Flüchtlingskatastrophe entwickelt. Der Sicherheitsrat muss endlich handeln und eine weitere Zuspitzung der Krise verhindern. Insbesondere Russland und China sind aufgefordert, eine eindeutige Positionierung des Sicherheitsrates zu unterstützen", so Alfred Buss.
Unterschreiben Sie die Petition und fordern Sie den UN-Sicherheitsrat auf, die sudanesische Zivilbevölkerung zu schützen!