Aktuell Libyen 02. September 2011

Libyen: 18 Gefangene in Containern erstickt

Nur einer von 10 Gefangenen überlebte im kleineren Container auf einer Fläche von 2x6 Metern

Nur einer von 10 Gefangenen überlebte im kleineren Container auf einer Fläche von 2x6 Metern

1. September 2011 – Ermittlungen von Amnesty International deckten auf, dass 18 Gefangene, die von Pro-Gaddafi Einheiten festgenommen und in zwei Metallcontainern tagelang in der Gluthitze eingeschlossen wurden, Anfang Juni qualvoll ersticken mussten. Ein weiterer Gefangener starb später an Nierenversagen.

Drei Überlebende schilderten, dass Anhänger von al-Gaddafi sie zuerst folterten und sie dann mit 26 weiteren Personen in zwei überfüllte Container sperrten. Der Vorfall ereignete sich am 6. Juni auf einer Baustelle in al-Khums im Nordwesten Libyens, 120 km von Tripolis entfernt.

Bei Temperaturen von über 40 Grad mussten die Eingesperrten ihren eigenen Schweiß und Urin trinken, als der begrenzte Wasservorrat aufgebraucht war. Ihre Bewacher ignorierten ihre Hilferufe.

Bislang gab es keine Berichte über dieses schreckliche Geschehen, weil unabhängige Untersuchungen in al-Khums erst möglich wurden, nachdem der Nationale Übergangsrat am 21. August die Kontrolle über das Gebiet gewonnen hatte. "Das ist ganz offensichtlich eine grausame und inhumane Behandlung von mehrheitlich Zivilpersonen", sagte Diana Eltahawy, Libyen-Expertin von Amnesty International, die zur Zeit für die Organisation in Libyen ermittelt. Die Tötung oder Folter von Gefangenen stellt für jede kriegführende Partei ein Kriegsverbrechen dar.

Das Team von Amnesty International hat die beiden betreffenden Metallcontainer untersucht und festgestellt, dass es keine Luftzufuhr gab, sobald die Türen geschlossen waren, außer durch Schusslöcher in den Wänden. Im größeren der beiden Container überlebten 10 der 19 Gefangenen, in dem kleineren, 2m x 6m großen Container konnte nur einer von 10 Gefangenen lebend entkommen. Einige der Eingeschlossenen waren dort dem 20. Mai gefangen gewesen.

Am späten Nachmittag des 6. Juni öffneten die Bewacher schließlich die Türen und die 11 Überlebenden wurden in Haftzentren in Tripolis gebracht. Von den überlebenden Gefangenen, die am 21. August in Tripolis befreit wurden, starb einer später an Nierenversagen. Amnesty International ist nicht bekannt, was mit den Leichen der erstickten Gefangenen geschah.

Einer der Überlebenden ist der Lehrer und Vater von acht Kindern, Mohamed Ahmed Ali. Er berichtete den Amnesty Ermittlern, dass bewaffnete Männer ihn am 20. Mai in seinem Haus festgenommen hatten, nachdem er an regierungsfeindlichen Protesten in al-Khums teilgenommen hatte.

Er wurde von Gaddafi Anhängern gezwungen, sich nieder zu knien, dann versetzen sie ihm elektrische Stromstöße und schlugen ihn mit Kabeln auf Rücken und Kopf. Anschließend brachte man ihn in den größeren Container.

Den Angaben von Mohamed Ahmed Ali zufolge, wurde einigen Gefangenen am 6. Juni das Atmen schwer, sie schlugen gegen die Türen und schrieen nach Luft und Wasser. "Die Leute sanken erschöpft zu Boden, die Kleider waren von Schweiß getränkt, und viele begannen, das islamische Glaubensbekenntnis herzusagen … in völliger Entkräftung wurde ich bewusstlos."

Ein weiterer Überlebender, Faraj Omar Al-Ganin, 27, berichtete, dass die Gefangenen beiden Containern stundenlang um Hilfe geschrieen hatten, bis schließlich eine gespenstische Stille eintrat. "Sie sind alle tot," rief al-Ganin, woraufhin die Wächter endlich die Türen öffneten, und die Körper an den Füssen herauszogen.

Abdel Rahman Moftah Ali, 24, war der einzige Überlebende aus dem kleineren Container; er sah seine Mitgefangenen um ihn herum sterben."Keiner von uns konnte noch aufrecht stehen, manche hatten Schaum vor dem Mund …. Ich stieß mich beim Fallen am Kopf … als ich wieder zu Bewusstsein kam, war ich voller Blut … es war ein Tag in der Hölle."

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