USA: Keine lebenslangen Haftstrafen für Kinder
30. November 2011 – In den USA sind unter 18-jährige zu jung, um wählen zu dürfen, zu jung um Alkohol zu trinken oder Zigaretten zu kaufen – auch für die meisten medizinischen Behandlungen brauchen Minderjährige die Zustimmung der Eltern. Aber: In den USA sind unter 18-jährige alt genug, für Taten, die sie als Kinder begangen haben, lebenslang hinter Gitter zu wandern, ohne die Chance entlassen zu werden. "Sie sind dazu verurteilt, im Gefängnis zu sterben," sagt Sumit Bhattacharyya, USA-Experte von Amnesty International. "Wir wollen nicht die Straftaten von Kindern entschuldigen oder die Konsequenzen ihrer Verbrechen herunterspielen. Aber lebenslange Freiheitsstrafen berücksichtigen nicht, dass gerade junge Menschen gute Chancen haben, sich zu verändern und resozialisiert zu werden."
Im Alter von 16 Jahren zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt: Christi Cheramie
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Ein Fall im heute veröffentlichten Amnesty-Bericht ist Christi Cheramie. Sie war 16, als sie gemeinsam mit ihrem Verlobten angeklagt wurde, dessen Großtante ermordet zu haben. Christi bekannte sich schuldig, bevor ihr Prozess vor einem Erwachsenengericht überhaupt begann – aus Angst zum Tode verurteilt zu werden. Ihr Schuldspruch: lebenslänglich. Ein Psychiater attestierte ihr damals, sie sei depressiv, abhängig und verunsichert. In ihrer Kindheit wurde sie sexuell missbraucht, beging Selbstmordversuche. Im Gefängnis erwarb sie ein High-School-Diplom und einen Studienabschluss. Heute ist Christi 33 Jahre alt – und sitzt immer noch hinter Gittern.
Die UN-Kinderrechtskonvention, die vor mehr als 20 Jahren in Kraft getreten ist, verbietet lebenslange Haftstrafen ohne Bewährung für Menschen, die zur Tatzeit unter 18 Jahre alt waren. Außer den USA und Somalia haben alle Staaten diese Konvention ratifiziert. Sogar Kinder, die zur Tatzeit 11 Jahre alt waren, wurden in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt. "Es wird höchste Zeit, dass auch die USA die Kinderrechtskonvention ohne Einschränkungen ratifizieren und sich dem weltweiten Konsens anschließen, dass diese Strafe ein schwerwiegender Verstoß gegen die Rechte von Kindern ist," so Sumit Bhattacharyya.
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