Aktuell China 03. Juni 2009

Gegen das Verschweigen der Toten und Verletzten vom 4. Juni 1989

Die Tiananmenmütter
Tiananmen-Mütter in Beijing, 2007.

Tiananmen-Mütter in Beijing, 2007.

3. Juni 2009 - Die Gruppe der Tiananmen-Mütter wurde von der früheren Universitätsprofessorin Ding Zilin gegründet und besteht heute aus etwa 130 Menschenrechtlern, überwiegend Frauen. Ihre Kinder und andere nahe Verwandte wurden bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 getötet oder verletzt. Damals hatten Tausende auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) friedlich für eine politische Öffnung des Landes demonstriert.

Immer wieder fordern die Frauen die chinesische Regierung auf, die Familien der Opfer öffentlich trauern zu lassen. Außerdem verlangen sie von den Behörden, alle Menschen aus der Haft zu entlassen, die wegen 1989 noch im Gefängnis sitzen sowie eine umfassende und offene Untersuchung der damaligen Ereignisse durchzuführen. Aufgrund dieser Aktivitäten werden die Tiananmen-Mütter immer wieder eingeschüchtert, diskriminiert und willkürlich festgenommen.

An jedem Jahrestag werden viele der Tiananmen-Mütter von der Polizei streng überwacht und manchmal unter Hausarrest gestellt. Zwar gab es in den vergangenen Jahren Anzeichen dafür, dass die chinesischen Behörden diese Kontrollen lockern: Im Juni 2007 durften Ding Zilin und ihr Mann an der Stelle, an der ihr damals 17-jähriger Sohn von Soldaten erschossen worden sein soll, Kerzen vor dem Bild ihres Kindes anzünden. Weitere Tiananmen-Mütter konnten an den Gräbern ihrer Angehörigen auf dem Pekinger Friedhof Wan’an trauern und wurden dabei offenbar weniger streng überwacht als in den Vorjahren. In diesem Jahr wurden die Tiananmen-Mütter jedoch wieder daran gehindert, öffentlich zu trauern.

Amnesty International drängt die Behörden, hinsichtlich der Ereignisse vom 4. Juni 1989 eine offene Diskussion in der Gesellschaft zuzulassen. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um den Opfern und ihren Familien Anerkennung und Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

Weitere Artikel