Haftanordnung verlängert
Malek Adly
© Hossam el-Hamalawy
Ein Gericht in Kairo hat die Haftanordnung des gewaltlosen politischen Gefangenen Malek Adly um 15 Tage verlängert. Der Menschenrechtsanwalt befindet sich in einem schlechten Gesundheitszustand, ist misshandelt worden und wurde in Einzelhaft festgehalten. Er gehört zu den Hunderten Menschen, die im Zusammenhang mit Demonstrationen, die am 25. April in Kairo stattgefunden haben, inhaftiert wurden.
Appell an
STAATSANWALT
Nabil Sadek
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
New Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
PRÄSIDENT
Abdel Fattah al-Sisi
Office of the President
Al Ittihadia Palace
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2391 1441
E-Mail: p.spokesman@op.gov.eg
Twitter: @AlsisiOfficial
Sende eine Kopie an
STELLVERTRETENDE ASSISTENTIN DES MINISTERS FÜR ÄUSSERES UND MENSCHENRECHTE
Laila Bahaa El Din
Ministry of Foreign Affairs
Corniche al-Nil
Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 202) 2574 9713
E-Mail: Contact.Us@mfa.gov.eg
Twitter: @MfaEgypt
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S. E. Herrn Badr Ahmed Mohamed Abdelatty
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. Juli 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS, TWITTER-NACHRICHTEN UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Lassen Sie Malek Adly bitte unverzüglich und bedingungslos frei, da es sich bei ihm um einen gewaltlosen politischen Gefangenen handelt, der nur wegen seiner Menschenrechtsarbeit inhaftiert wurde. Lassen Sie bitte zudem alle gegen ihn erhobenen Anklagen fallen.
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Bitte stellen Sie sicher, dass Malek Adly jegliche erforderliche medizinische Versorgung erhält und dass seine Misshandlungsvorwürfe unverzüglich und unabhängig untersucht werden.
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Bitte sorgen Sie dafür, dass andere Personen, die im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom 25. April inhaftiert wurden, freigelassen werden, sofern sie nicht unverzüglich einer anerkannten Straftat angeklagt werden, die nicht die Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit kriminalisiert, und ein Verfahren erhalten, das den internationalen Standards für faire Verfahren entspricht und bei dem nicht auf die Todesstrafe zurückgegriffen wird.
- Bitte heben Sie das Demonstrationsgesetz, das Antiterrorgesetz und alle anderen Gesetze auf, mit denen die Versammlungs- und Meinungsfreiheit willkürlich eingeschränkt werden, oder ändern Sie diese Gesetze im Einklang mit internationalen Standards ab.
Sachlage
Laut einem Brief, den die Ehefrau von Malek Adly am 19. Mai an den Nationalen Menschenrechtsrat geschickt hat, beschrieb der Menschenrechtsanwalt der Staatsanwaltschaft von Shubra al-Khaimah am 18. Mai während seines letzten Gerichtstermins die schlechten Bedingungen, unter denen er seit seiner Festnahme festgehalten wird. Auch der Rechtsbeistand von Malek Adly hat dies gegenüber Amnesty International bestätigt. Malek Adly hat erklärt, er sei wegen seines Bluthochdrucks bereits viermal in das Gefängniskrankenhaus gebracht worden. Er gibt weiterhin an, dass man ihm die Medikamente verweigere, die er normalerweise einnimmt, wodurch sich "sein Gesundheitszustand stark verschlechtert". Malek Adly muss sich eigenen Angaben zufolge ständig übergeben und hat Atembeschwerden. Als es ihm einmal besonders schlecht ging, kamen etwa 17 Beamt_innen in seine Zelle, zwangen ihn, ein unbekanntes Medikament einzunehmen und verabreichten ihm eine Spritze. Man zwingt ihn, auf dem Boden zu schlafen und er erhält keine angemessene Versorgung mit Essen und Wasser. Nach seiner Festnahme musste er 13 Tage lang dieselbe Kleidung tragen. Obwohl das ägyptische Gesetz vorsieht, dass Gefangene bereits nach den ersten elf Tagen in Haft Besuch von ihren Angehörigen empfangen dürfen, erlaubte man ihm erst 19. Mai einen Besuch von seiner Familie. Malek Adly wird im Tora-Gefängnis in Kairo festgehalten.
Das Gericht von Shubra al-Khaimah erlaubte es der Verteidigung nicht, ihre Argumente vollständig vorzutragen und ließ Malek Adly aus dem Gerichtssaal entfernen, bevor die Befragungen abgeschlossen worden waren. Seine Rechtsbeistände verließen daraufhin aus Protest den Saal. Malek Adly ist einer von zahlreichen Anwält_innen, die Klage gegen die Übertragung von zwei Inseln im Roten Meer an Saudi-Arabien eingereicht haben. Sie bezeichnen diese Übertragung als verfassungswidrig.
Hintergrundinformation
Es war bereits ein Haftbefehl gegen Malek Adly erlassen worden, bevor zu Demonstrationen am 25. April, einem Feiertag in Ägypten, aufgerufen worden war. An diesem Tag gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen die Entscheidung der ägyptischen Regierung zu protestieren, zwei Inseln im Roten Meer an Saudi-Arabien zu übertragen.
Malek Adly ist der Leiter der Rechtsabteilung des Ägyptischen Zentrums für Wirtschaftliche und Soziale Rechte, eines der führenden unabhängigen Rechtsinstitute Ägyptens. Ägyptische Sicherheitskräfte nahmen Malek Adly am Abend des 5. Mai fest, als er zu Fuß im Kairoer Stadtteil Maadi unterwegs war. Seine Verteidiger_innen haben erklärt, dass die Sicherheitskräfte ihren Mandanten zur Polizeistation von Maadi brachten und ihn dort verhörten. Sie schlugen ihn mit ihren Waffen, verbanden ihm die Augen und zogen ihm sein Hemd aus. Anschließend brachte man Malek Adly zur Staatsanwaltschaft in Shubra al-Khaimah, wo er mehr als vier Stunden lang verhört wurde. Die Staatsanwaltschaft erließ wegen laufender Ermittlungen eine 15-tägige Haftanordnung gegen ihn. Laut einem seiner Rechtsbeistände wurden gegen ihn konstruierte Anklagen erhoben, unter anderem wegen des "Eintretens in eine Gruppe mit dem Ziel, das Gesetz zu behindern", des "Verbreitens falscher Gerüchte", des "Versuchs, die Regierung zu stürzen", des "Einsatzes von Gewalt gegen Beamt_innen des Geheimdiensts", des "Anstiftens zu Protesten" und des "Anstiftens eines Mobs".
Die Rechtsbeistände von Malek Adly haben bei den Behörden Beschwerde wegen der Misshandlung ihres Mandanten in Haft eingereicht. Sie befürchten, die Staatsanwaltschaft plane zusätzlich, eine konstruierte Anklage wegen Drogendelikten gegen Malek Adly zu erheben. Die Staatsanwaltschaft hat einen Alkohol- und Drogentest angeordnet, obwohl sie ihn direkt nach der Festnahme als vernehmungsfähig erachtet hatten und ihn weder zum Besitz von Drogen oder Alkohol befragt noch in diesem Zusammenhang angeklagt haben.
Am 14. Mai verurteilten zwei ägyptische Gerichte 152 Demonstrierende wegen Verstößen gegen das Demonstrationsgesetz von 2013 zu Haftstrafen zwischen zwei und fünf Jahren. Das repressive Gesetz, dem der ehemalige Präsident Adli Mansur 2013 per Unterschrift Gesetzeskraft verlieh, gibt Sicherheitskräften weitreichende Befugnisse zur Auflösung von Demonstrationen, die nicht von den Behörden genehmigt wurden. Der Fall gegen die 152 Demonstrierenden stand im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom 25. April. Hunderte Personen sind in Verbindung mit den Protesten gegen die Übertragung von zwei Inseln im Roten Meer an Saudi-Arabien festgenommen worden.
Auch weitere Menschenrechtsverteidiger_innen sind im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom 25. April festgenommen, inhaftiert und strafrechtlich verfolgt worden. Die bekannte Jugendaktivistin Sanaa Seif stellte sich am 14. Mai und wird derzeit im Qanater-Frauengefängnis festgehalten. Sie war in Verbindung mit der Festnahme eines ihrer Freunde vor den Protesten am 25. April von der Staatsanwaltschaft zum Verhör vorgeladen worden. Sanaa Seif wurde in Abwesenheit wegen "Beleidigung der Justiz" zu einer sechsmonatiges Haftstrafe verurteilt, weil sie sich einem Verhör verweigert und das gesamte Vorgehen als Heuchelei bezeichnet hatte. Sie hat sich gegen das Einlegen eines Rechtsmittels entschieden. Auch der Arbeitsrechtsanwalt Haytham Mohammedein, der Menschenrechtsverteidiger Ahmed Abdullah und Mina Thabet, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt, sind im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom 25. April festgenommen worden.
Ägypten ist Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, welcher die Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit schützt. Die strafrechtliche Verfolgung friedlicher Demonstrierender, die ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrnehmen, verstößt zudem auch gegen die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker, die Ägypten ratifiziert hat.