Kein Preis wie jeder andere
Abel Barrera
© Ricardo Ramírez Arriola
Elf Menschen, umringt von Fotograf*innen sowie zahlreichen Zuschauer*innen, stehen vor den großen Rundbogenfenstern der Frankfurter Paulskirche und halten ihre Auszeichnung in den Händen – den ersten Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von Amnesty International. Die Preisträger*innen kommen aus der ganzen Welt. Sie erhalten die Auszeichnung für ihr Engagement für die Menschenrechte und ihr "Eintreten für die, die Angst haben, und für die, die sich nicht wehren können oder dürfen", wie es in der Laudatio von Amnesty heißt.
Diese erste Preisverleihung fand im Dezember 1998 statt. Mit der Auszeichnung ehrt die deutsche Amnesty-Sektion Persönlichkeiten, die sich unter schwierigen Bedingungen vorbildhaft für die Menschenrechte einsetzen. Dabei soll der Preis nicht nur den Blick der Öffentlichkeit auf die Probleme lenken, gegen die die Preisträger*innen ankämpfen. Die Öffentlichkeit soll die Preisträger*innen und deren Mitarbeiter*innen auch schützen. Denn all zu oft werden diejenigen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, selbst Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Immer wieder werden Menschenrechtler*innen getötet, inhaftiert, gefoltert oder "verschwinden". Auszeichnungen wie der Amnesty-Menschenrechtspreis machen Menschenrechtsverteidiger*innen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Regierungen und Behörden überlegen es sich fortan zwei Mal, ob sie gegen sie vorgehen. Denn sie wissen, dass sie nun beobachtet werden.
Dass der Einsatz für die Menschenrechte häufig mit Schikanen einhergeht, zeigt sich auch bei der Verleihung des ersten Menschenrechtspreises im Dezember 1998 in Frankfurt. Denn eigentlich hätten nicht elf, sondern zwölf Menschenrechtsverteidiger*innen ihre Auszeichnung entgegen nehmen sollen. Doch Akin Birdal,der Vorsitzende des Türkischen Menschenrechtsvereins, kann nicht an der Zeremonie teilnehmen. Seine Regierung hatte ihm die Ausreise verweigert.
Ebenfalls aus der Türkei stammt die Anwältin Eren Keskin, die 2001 mit dem 2. Menschenrechtspreis ausgezeichnet wurde. Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und Kurd*innen ein und wurde deswegen zahllose Male bedroht, eingeschüchtert und verhört. Die öffentliche Wirkung des Menschenrechtspreises schützt sie bei ihrer Arbeit, so Keskin in ihrer Dankesrede: "Dieser Preis ist der wichtigste in meinem Leben".
Zwei Jahre nach Keskin wurde die russische Menschenrechtsverteidigerin Swetlana Gannuschkina ausgezeichnet. Sie hatte eine der ersten NGOs mitgegründet, die sich in Russland für Flüchtlinge und Vertriebene einsetzten. 2005 ehrte Amnesty die Arbeit von Monira Rahman, deren Organisation ASF die Opfer von Säureattentaten in Bangladesch unterstützt. Jenni Williams ist Mitgründerin der Organisation Women and Men of Zimbabwe Arise (WOZA). Die Organisation bekam den Menschenrechtspreis im Jahr 2008. Williams ist überzeugt: "Ich bin heute noch am Leben, weil die internationale Gemeinschaft durch Amnesty International und die Medien von unserer Arbeit erfahren hat."
Die internationale Gemeinschaft wird auch von der Arbeit von Abel Barrera Hernández erfahren. In Guerrero, einem der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos, setzt er sich für die Rechte von Landarbeiter*innen sowie von Indigenen ein. Deshalb erhält er im Mai 2011 den 6. Menschenrechtspreis von Amnesty.