Was ist Folter? Definition, Methoden und weltweite Lage
Folter ist eine der grausamsten Formen der Misshandlung und eine schwere Menschenrechtsverletzung. Folter ist verboten – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Dennoch zeigen aktuelle Berichte von Amnesty International, dass diese Grenze weltweit immer wieder überschritten wird.
Weltweiter Protest: Amnesty International fordert in der US-Stadt Chicago Gerechtigkeit und das Ende von Folter (Archivbild).
© Amnesty International
Was ist Folter?
Laut der UN-Antifolterkonvention versteht man unter Folter jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen zugefügt werden. Dies geschieht meist durch staatliche Amtsträger*innen oder mit deren Duldung, um:
- Informationen oder "Geständnisse" zu erzwingen,
- Menschen für eine tatsächliche oder mutmaßliche Tat zu bestrafen,
- Personen einzuschüchtern oder zu nötigen.
Wo fängt Folter an?
Die UN-Antifolterkonvention unterscheidet zwischen Folter und "grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung".
Der Unterschied liegt meist in der Intensität des Leidens und der Absicht:
- Folter: Setzt voraus, dass große Schmerzen vorsätzlich zugefügt werden, um einen bestimmten Zweck zu erreichen – zum Beispiel ein "Geständnis" zu erzwingen.
- Grausame/Unmenschliche Behandlung: Hier fehlen oft Merkmale wie die gezielte Absicht oder die extreme Intensität der Schmerzen – dennoch ist auch diese Behandlung absolut verboten und verletzt die Menschenwürde.
Folter ist immer und überall verboten!
Ein entscheidendes Merkmal des Folterverbots ist seine absolute Geltung. In der Fachsprache nennt man dies "ius cogens" (zwingendes Völkerrecht). Das bedeutet, dass es keine Rechtfertigung für Folter gibt - weder in bewaffneten Konflikten, noch bei Gefahr für die Sicherheit oder nationalem Notstand.
Heute ist das Folterverbot in wichtigen internationalen Abkommen verankert:
💡 Erfahre hier mehr über das Internationale Schutzsystem gegen Folter und weitere Hintergründe zum Thema.
Welche Foltermethoden gibt es?
Folter zielt darauf ab, den Willen eines Menschen zu brechen. Sie wird vorsätzlich begangen, dient einem bestimmten Ziel und verursacht große körperliche oder auch psychische Schmerzen. Die Foltermethoden unterscheiden sich weltweit, häufig angewandt werden beispielsweise:
1. Physische Folter
2. Psychische Folter ("Weiße Folter")
Psychische Folter oder "weiße Folter" bezeichnet Foltermethoden, bei denen der Körper nicht direkt berührt wird. Dazu gehören:
- Isolationshaft: Lang andauernde Isolation ohne menschlichen Kontakt zerstört die psychische Stabilität.
- Sensorische Deprivation: Reizabschirmung zum Beispiel durch dunkle oder komplett weiße, schalldichte Zellen. Dies kann zu Halluzinationen und Angstzuständen führen.
- Scheinexekutionen: Die Inszenierung einer Hinrichtung, um das Opfer in Todesangst zu versetzen.
3. Sexualisierte Gewalt als Foltermethode
Auch Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung werden weltweit und systematisch eingesetzt, um Menschen zu foltern und zu demütigen.
Amnesty International hat in einem Bericht im April 2025 dokumentiert, wie die bewaffnete Gruppierung RSF im sudanesischen Bürgerkrieg systematisch sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen verübt. Ein weiteres Beispiel ist sexualisierte Gewalt gegen Protestierende in Iran.
Argumente gegen Folter
Folter bricht Menschen körperlich und seelisch. Sie ist die schwerste Form von Misshandlung. Häufig geschieht sie im Verborgenen: Inhaftierte haben keinen Kontakt zur Außenwelt und sind ihren Peinigerinnen und Peinigern schutzlos ausgeliefert.
Hilflosigkeit und Brutalität hinterlassen bei den Überlebenden neben körperlichen Folgen auch schwere psychische Verletzungen. Diese begleiten die Betroffenen meist ihr Leben lang und können eine Rückkehr in ein normales Leben erschweren.
Durch Folter lassen sich Straftaten weder aufklären noch verhindern. Folter wird eingesetzt, um eine Person einzuschüchtern, sie zu bestrafen oder um Geständnisse und Informationen zu erpressen.
Doch Menschen, die gefoltert werden, sagen alles aus, um ihr Leiden zu beenden. Informationen, die unter Folter erzwungen wurden, sind daher wertlos. Dies hat mittlerweile auch die US-Regierung in Bezug auf das CIA-Folterprogramm eingeräumt, das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestartet worden war.
Folter führt zu einer Eskalation der Gewalt. Wenn ein Schlag einen Inhaftierten nicht zum Reden bringt, wird ein zweites Mal zugeschlagen. Wenn Schläge nichts bewirken, werden dem Opfer stärkere Schmerzen zugefügt.
Folter führt zum Verlust moralischer Maßstäbe. Sie sät Hass bei den Opfern und ihren Angehörigen und brutalisiert die Täter*innen. Die Geschichte zeigt: Wenn das Tabu gebrochen und Folter in Ausnahmefällen zugelassen wird, wird sie schnell zur Regel.
Folter ist niemals gerechtfertigt, auch nicht im Umgang mit Personen, die sich strafbar gemacht haben. Die meisten Folterüberlebenden weltweit sind keine Straftäter*innen, sondern mittellose und ausgegrenzte Menschen, denen Straftaten vorgeworfen wurden.
Auch Oppositionelle, Medienschaffende und Menschenrechtsverteidiger*innen sind häufig betroffen. Viele Menschen, die Opfer von Folter geworden sind, waren schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort.
Folter ist weltweit verboten – immer und überall. 160 Staaten haben die UN-Antifolterkonvention ratifiziert. Das absolute Folterverbot ist in allen zentralen Menschenrechtsverträgen verankert.
Das Verbot ist von so hoher Bedeutung, dass man es als "zwingendes Völkerrecht" ansieht: Das heißt, es gilt auch für Staaten, in denen keine Gesetze gegen Folter existieren. Von dem absoluten Folterverbot darf nicht abgewichen werden. Selbst in Notsituationen darf es nicht gelockert werden.
Folter muss absolut und ohne Ausnahme verboten sein. Staatliche Behörden dürfen kein Ermessen haben zu entscheiden, wie viel Folter gerade noch in Ordnung ist. Denn ein solcher Spielraum öffnet dem Machtmissbrauch Tür und Tor.
Ein Staat, der foltert – und sei es nur "in Ausnahmefällen" – verliert seine moralische Autorität. Wenn der Staat die ihm anvertrauten Personen misshandelt, anstatt ihnen ein rechtsstaatliches Verfahren zu garantieren, missbraucht er sein Gewaltmonopol und damit das Vertrauen der Bürger*innen.
Wer das Foltern von "besonders schlimmen" Verbrecher*innen rechtfertigt, setzt grundlegende rechtsstaatliche Errungenschaften aufs Spiel: den Schutz des Individuums und der Menschenwürde.
Denn wenn man zulässt, dass ein Mensch zum vermeintlichen Schutz der Gesellschaft oder zu Abschreckungszwecken gefoltert wird, nimmt man den Verlust der garantierten Menschenrechte jeder einzelnen Person in Kauf.
Aktuelle Beispiele: Wo wird gefoltert?
Obwohl Folter weltweit geächtet ist, dokumentierte Amnesty International in den vergangenen Jahren Folter in über 140 Ländern.
Schwerpunkt Folter in Syrien: Das Gefängnis Saydnaya
Ein besonders grausames Symbol für Folter war das syrische Militärgefängnis Saydnaya nördlich von Damaskus – unter dem inzwischen gestürzten syrischen Machthaber Baschar al-Assad:
- Die Opfer werden von Militärtribunalen anhand von durch Folter erzwungenen "Geständnissen" in wenigen Minuten abgeurteilt.
- Die Inhaftierten werden mitten in der Nacht aus ihren Zellen geholt, schwer misshandelt und dann gehängt.
- Ihre Leichen werden in geheimen Massengräbern verscharrt.
- Ehemalige Insassen berichten von unmenschlichen Haftbedingungen, Folter und außergerichtlichen Massenhinrichtungen durch den Strang.
- Tausende Menschen sind dort qualvoll gestorben.
Folter in Saydnaya – eine Rekonstruktion: Auf dieser interaktiven Website erfährst du mehr über das syrische Militärgefängnis Saydnaya und die Berichte von Überlebenden (in englischer Sprache).
Blick in einen Zellentrakt des syrischen Militärgefängnisses Saydnaya nach dessen Räumung (9. Dezember 2024)
© IMAGO / ABACAPRESS
Folter in Deutschland
In Deutschland ist in den vergangenen Jahren kein Fall von Folter bekannt geworden. Eine Ausnahme bildete 2002 der Fall Magnus Gäfgen, der Jakob von Metzler entführt hatte. Ihm drohte die Polizei Schmerzen an, was der Europäische Gerichtshof später als unmenschliche Behandlung verurteilte.
Deutschland trägt eine wichtige Verantwortung als sicherer Hafen für Menschen, die in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Opfer von Folter geworden sind. Für diese Menschen ist es entscheidend, nicht nur rechtlichen Schutz zu erhalten, sondern auch medizinische und psychologische Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten.
Eine zentrale Rolle spielen dabei spezialisierte Behandlungszentren für Folteropfer, die es in mehreren deutschen Städten gibt. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Heilung körperlicher und seelischer Wunden.
Was unternimmt Amnesty International gegen Folter? Und was kannst du tun?
Amnesty International kämpft seit ihrer Gründung gegen Folter. Wir decken Fälle auf, machen sie öffentlich und üben Druck auf Regierungen aus.
1972 startete Amnesty die erste Kampagne zur Abschaffung von Folter. Ein Jahr später konnte den UN eine
Antifolterpetition mit über einer Million Unterschriften übergeben werden.
Eine der wichtigsten Aktionen war die weltweite "Stop Folter"-Kampagne (Stop Torture) von 2014 bis 2016. Mit dieser Kampagne hat Amnesty International über Jahre hinweg mobilisiert, um Schutzgesetze zu verschärfen, den Handel mit Folterwerkzeugen zu verbieten und Verantwortliche vor Gericht zu bringen.
Diese Arbeit geht bis heute weiter. So hat Amnesty zusammen mit 30 weiteren Organisationen ein Abkommen gefordert, um den Handel mit solchen Werkzeugen zu kontrollieren. Der Verkauf von Schlagstöcken, Gummigeschossen oder Pfefferspray soll auf diese Weise eingeschränkt werden.
Einsatz mit Erfolg
Auch andere Erfolge zeigen, dass unser Einsatz wirkt:
- Moses Akatugba (Nigeria): Er wurde als Minderjähriger gefoltert und zum Tode verurteilt. Nach 800.000 Briefen von Amnesty-Unterstützer*innen wurde er begnadigt.
- Yasaman Aryani (Iran): Die Aktivistin wurde lange in Einzelhaft gehalten. Sie kam durch internationalen Druck vorzeitig frei.
Werde aktiv!
Wir sind nicht machtlos. Auch du kannst gegen Folter weltweit eintreten – so geht’s:
- Urgent Actions: Wenn jemand akut von Folter bedroht ist, mobilisiert Amnesty Tausende Menschen. Beteilige dich!
- Briefmarathon: Jedes Jahr im Dezember schreiben Millionen Menschen weltweit Briefe für Menschen in Gefahr. Mach mit!
- Petitionen: Unterstütze aktuelle Kampagnen gegen den Handel mit Folterwerkzeugen oder für die Freilassung von Gefangenen. Unterschreibe jetzt!
- Spenden: Werde Förderer*in und unterstütze unsere Arbeit gegen Folter mit deiner Spende!