Aktuell 31. Oktober 2016

Einsatz mit Erfolg: Folter gestoppt

Moses Akatugba aus Nigeria nach seiner Freilassung im Juni 2015

Moses Akatugba aus Nigeria nach seiner Freilassung im Juni 2015

Im Rahmen der Kampagne "Stop-Folter" erreichten Amnesty verschiedene Erfolgsnachrichten: Folteropfern widerfuhr Gerechtigkeit.

Der Einsatz so vieler Unterstützerinnen und Unterstützer zeigte Wirkung, zum Beispiel im Fall von Moses Akatugba aus Nigeria. Er hatte nach monatelanger Folter zwei Geständnisse unterschrieben und war daraufhin zum Tode verurteilt worden, obwohl er zum vermeintlichen Tatzeitpunkt minderjährig war. Allein in Deutschland sammelte Amnesty insgesamt über 141.000 Unterschriften und Appelle für Moses Akatugba. Aufgrund des weltweiten öffentlichen Drucks wurde er im Mai 2015 begnadigt.

Er bedankte sich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern für ihren Einsatz: "In meinen Augen sind die Mitglieder von Amnesty International Helden und Heldinnen. Ich verspreche, dass auch ich mich für die Menschenrechte einsetzen und anderen helfen werde." Er erhält Unterstützung von Amnesty International für die Fortsetzung seiner Ausbildung, die durch seine Haft unterbrochen wurde. Seine Foltervorwürfe wurden bisher nicht untersucht.

Mexiko: Gerechtigkeit für Yecenia Armenta und Claudia Medina Tamariz Aus Mexiko erreichten Amnesty zwei Erfolgsnachrichten. Im Juni 2016 wurde Yecenia Armenta freigelassen! Sie war fast vier Jahre in einem mexikanischen Gefängnis inhaftiert gewesen, weil sie am Mord ihres Ehemanns beteiligt gewesen sein soll. Die Anklage stützte sich auf ein unter brutaler Folter und durch Vergewaltigung erpresstes "Geständnis". Der Einsatz für Yecenia leistete laut lokalen Menschenrechtsverteidigern einen wichtigen Beitrag zu ihrer Freilassung.

Yecenia Armenta ist endlich frei!

Yecenia Armenta ist endlich frei!

Die zweifache Mutter äußerte sich Amnesty International gegenüber tief gerührt: "Ich möchte allen Menschen, die mich begleitet haben, von ganzem Herzen danken. Ohne ihre Unterstützung wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ich freigelassen werde. Ich möchte mich bei denen bedanken, die weiter kämpfen, die mit dieser wichtigen Arbeit, dem Kampf für die Rechte anderer Menschen, weitermachen. Manchmal braucht die Gerechtigkeit länger - aber sie kommt."

Claudia Medina Tamariz ist mittlerweile zu einer Wortführerin gegen Folter geworden. Sie arbeitet zusammen mit anderen Frauen, die Folter überlebt haben, an einer Kampagne gegen die Folter von Frauen. Im August 2012 brachen Marinesoldaten um 3 Uhr nachts in das Haus von Claudia Medina Tamariz in Veracruz ein. Gefesselt und mit verbundenen Augen wurde sie in einem Lieferwagen zu einem Marinestützpunkt gebracht, wo sie brutal gefoltert wurde. Anschließend wurde sie gezwungen, ein "Geständnis" zu unterschreiben, das sie sich nicht durchlesen durfte.

Die Mexikanerin Claudia Medina wurde im August 2012 verhaftet, gefoltert und zu einem "Geständnis" gezwungen

Die Mexikanerin Claudia Medina wurde im August 2012 verhaftet, gefoltert und zu einem "Geständnis" gezwungen

Zusammen mit anderen Häftlingen wurde sie den Medien als Angehörige einer gefährlichen kriminellen Bande präsentiert. Vor Gericht zog sie ihr unter Folter erpresstes Geständnis zurück und sagte über die Folter durch die Sicherheitskräfte aus. Daraufhin wurde sie in allen Anklagepunkten außer dem illegalen Waffenbesitz freigesprochen.

Philippinen: Gerichtsurteile für Polizisten Im März erhielten die zuständigen philippinischen Behörden mehr als 70.000 Appellschreiben, in denen die Freilassung von Jerryme Corre gefordert wurde. Der inhaftierte Busfahrer wurde unter Folter zu einem falschen Geständnis gezwungen. Kurz danach kam es zu internen Ermittlungen zu seinem Fall. Die Polizei bestätigte, dass die Briefe von Amnesty, die unter anderem über die philippinische Botschaft in Berlin eingingen, zur Einleitung der Untersuchungen führten. Im April 2016 wurde schließlich einer der Polizisten, die Jerryme Corre gefoltert hatten, verurteilt. Es war das erste Mal, dass ein philippinisches Gericht auf Grundlage des nationalen Anti-Folter-Gesetzes einen Polizisten verurteilte.

Folteropfer Jerryme Corre wurde am 16. Februar von Amnesty-Mitgliedern während seiner Haft auf den Philippinen besucht

Folteropfer Jerryme Corre wurde am 16. Februar von Amnesty-Mitgliedern während seiner Haft auf den Philippinen besucht

Auch gegen die Peiniger von Alfreda Disbarro wurde eine verwaltungsinterne Untersuchung der Foltervorwürfe eingeleitet. Die 32-jährige alleinerziehende Mutter wurde im Oktober 2013 festgenommen, weil sie mit illegalen Drogen gehandelt haben soll. Sie stritt dies vehement ab, wurde aber nach eigenen Angaben unter Folter gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben.

Im August 2015 wurden zwei von Alfreda Disbarro identifizierte Polizeibeamte für schuldig befunden und um einen Dienstgrad degradiert. Das Ermittlungsverfahren gegen Alfreda Disbarro wurde jedoch nicht eingestellt. Genau wie Jerryme Corre ist sie nach wie vor im Gefängnis. Sowohl Amnesty Philippinen als auch das Philippinen-Team des Internationalen Sekretariats werden weiter zu diesen Fällen arbeiten.

Ägypten: Gefoltert wegen seinem T-Shirt Der 18-jährige Mahmoud Mohamed Ahmed Hussein wurde am 25. Januar 2014 in Kairo festgenommen, als er nach der Teilnahme an einer Demonstration gegen die Muslimbruderschaft und die Militärherrschaft auf dem Weg nach Hause war. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter" und einen Schal mit dem Logo der "Revolution des 25. Januar". Die bittere Ironie ist, dass Mahmoud Hussein, der sich für eine Nation ohne Folter einsetzt, in der Haft gefoltert und misshandelt wurde. Er wurde mit Stromschlägen an Händen, Rücken und Hoden gefoltert, bis er ein "Geständnis" ablegte.

Mahmoud Hussein trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter", wurde festgenommen und gefoltert

Mahmoud Hussein trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Nation ohne Folter", wurde festgenommen und gefoltert

Im November 2015 hat Amnesty eine Petition mit fast 145.000 Unterschriften – darunter rund 23.800 aus Deutschland – an die Staatsanwaltschaft mit der Forderung nach Freilassung von Mahmoud Hussein übergeben. Im März 2016 wurde der Student gegen eine Kaution freigelassen. Die Anklage gegen ihn wurde jedoch nicht fallengelassen.

Mahmouds Bruder Tarek Tito dankte Amnesty bereits im Februar 2016 für den Einsatz für die Freilassung seines Bruders: "Ich möchte meine Wertschätzung darüber ausdrücken, dass Amnesty weltweit für die Menschenrechte und für Freiheit, für Frieden und Gerechtigkeit eintritt. Eure Unterstützung stärkt Mahmoud und durch eure Unterstützung können wir weiter von einer Nation ohne Folter träumen."

Trotz dieser wichtigen Erfolge gibt es jedoch noch immer viel zu tun, denn zahlreichen Menschen widerfährt nach wie vor Folter. Amnesty wird ihre Fälle weiterhin dokumentieren und sich mit Aktionen und Appellschreiben für sie einsetzen - für eine Welt ohne Folter.

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