Menschenrechtlerin angeklagt
Die gewaltlose politische Gefangene Ebtisam al-Saegh
© privat
Am 18. Juli wurde die bahrainische Menschenrechtlerin Ebtisam al-Saegh von der Staatsanwaltschaft für Terrorstraftaten angeklagt. Man wirft ihr vor, ihre Menschenrechtsarbeit als Deckmantel zu nutzen, um die NGO Alkarama Foundation mit Informationen und "Fake News" über die Situation in Bahrain zu versorgen. Ebtisam al‑Saegh soll bis zum Abschluss der Ermittlungen weitere sechs Monate in Haft bleiben. Sie ist eine gewaltlose politische Gefangene.
Setzt euch für Ebtisam al-Saegh in Bahrain ein!
Appell an
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama
BAHRAIN
Sende eine Kopie an
Minister für Justiz und islamische Angelegenheiten
Shaikh Khalid bin Ali Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450
al-Manama
BAHRAIN
Botschaft des Königreichs Bahrain
Herr Ahmed Mohamed Ahmed Almuharraqi
I. Sekretär (Geschäftsträger a.i.)
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de
Amnesty fordert:
- Bitte lassen Sie Ebtisam al-Saegh unverzüglich und bedingungslos frei, da sie eine gewaltlose politische Gefangene ist, die nur aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit und ihrer Menschenrechtsarbeit festgehalten wird.
- Stellen Sie bitte sicher, dass Ebtisam al-Saegh nicht Opfer von Folter und anderweitiger Misshandlung wird und umgehend Zugang zu einem Rechtsbeistand, ihrer Familie und jeglicher nötigen medizinischen Versorgung erhält.
- Bitte leiten Sie umgehend eine unparteiische, unabhängige und wirksame Untersuchung der von Ebtisam al‑Saegh nach ihrer Inhaftierung im Mai erhobenen Foltervorwürfe ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse der Untersuchung und stellen Sie die Verantwortlichen in Verfahren vor Gericht, die den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprechen.
Sachlage
Am 18. Juli wurde die bahrainische Menschenrechtlerin Ebtisam al-Saegh in Anwesenheit eines Rechtsbeistandes von der Staatsanwaltschaft für Terrorstraftaten angeklagt. Man wirft ihr vor, "die Menschenrechtsarbeit als Deckmantel zu nutzen, um mit der Alkarama Foundation zu kommunizieren und zu kooperieren und sie mit Informationen und 'Fake News' über die Situation in Bahrain zu versorgen, um dem Ansehen des Landes zu schaden". Die in der Schweiz ansässige Nichtregierungsorganisation Alkarama Foundation setzt sich für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in der arabischen Welt ein. Ebtisam al‑Saegh muss weitere sechs Monate in Gewahrsam bleiben, um den Abschluss der laufenden Ermittlungen abzuwarten.
Der bekannte Menschenrechtsverteidiger und gewaltlose politische Gefangene Nabeel Rajab erzählte seiner Familie am 15. Juli, dass er Ebtisam al‑Saegh im Krankenhaus des Innenministeriums in al‑Qalaa in der Hauptstadt Manama auf einer Krankentrage gesehen habe. Er fragte, ob sie einen Autounfall gehabt habe; er wusste nichts von ihrer Festnahme. Am nächsten Tag erhielt der Ehemann von Ebtisam al‑Saegh einen Anruf von der Haftanstalt in Madinat Isa mit der Bitte, dass er saubere Kleidung für sie bringen möge. Er durfte sie für einige Minuten besuchen. Man hatte sie in einen Rollstuhl gesetzt.
Am 3. Juli war Ebtisam al‑Saegh festgenommen worden, nachdem sie auf Twitter einen Beitrag über den Missbrauch der Insassinnen in der Frauenhaftanstalt in Madinat Isa veröffentlicht hatte. Seitdem ist sie aus Protest gegen ihre Festnahme und den mangelnden Zugang zu ihrer Familie und rechtlicher Vertretung in den Hungerstreik getreten. Ihrem Rechtsbeistand wurde trotz ihrer wiederholten Bitten die Teilnahme an den Verhören nicht gestattet, welche an einem unbekannten Ort außerhalb der Haftanstalt stattfinden. Nach den Verhören wird sie wieder in ihre Einzelzelle in der Frauenhaftanstalt in Madinat Isa gebracht. Im Mai wurde Ebtisam al‑Saegh gefoltert und sexuell missbraucht. Amnesty International ist der Ansicht, dass ihre Festnahme in Zusammenhang mit ihrer Arbeit als Menschenrechtlerin steht.
Hintergrundinformation
Ebtisam al-Saegh ist eine 48-järige bahrainische Menschenrechtsverteidigerin und arbeitet mit der bahrainischen Nichtregierungsorganisation Salam for Democracy and Human Rights (SALAM DHR) zusammen. Am 3. Juli um 23.45 Uhr wurde sie festgenommen, nachdem etwa 25 in Zivil gekleidete und maskierte Angehörige der Kriminalpolizei ihr Haus in Jid Ali, südlich der Hauptstadt Manama, gestürmt hatten. Die Beamt_innen legten keinen Haftbefehl vor, konfiszierten das Mobiltelefon von Ebtisam al‑Saegh und ihren Personalausweis und führten sie ab. Man gestattete ihr, ihre Medikamente mitzunehmen. Früher an diesem Tag hatte Ebtisam al‑Saegh auf Twitter einen Beitrag über die Misshandlung von Frauen durch den bahrainischen Geheimdienst und den Missbrauch weiblicher Häftlinge in einer Frauenhaftanstalt in Madinat Isa veröffentlicht. Für diese Taten von Angehörigen des Geheimdienstes hatte sie den König von Bahrain verantwortlich gemacht.
Am Abend des 10. Juli verschlechterte sich während eines Verhörs der Gesundheitszustand von Ebtisam al-Saegh drastisch. Die Symptome waren Herzrhythmusstörungen, ein Taubheitsgefühl in der linken Hand, niedriger Blutzuckerspiegel, niedriger Blutdruck und ein angeschwollener Magen infolge ihres Reizdarmsyndroms. Man brachte sie zur Behandlung ins Krankenhaus des Innenministeriums in al‑Qalaa, wo das medizinische Personal ein EKG (Elektrokardiogramm) durchführte und ihr eine glukosehaltige Infusion legte, um den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Dann wurde sie wieder entlassen und zur Fortsetzung ihres Verhörs gebracht. Berichten zufolge wird sie regelmäßig von mutmaßlichen Angehörigen des Geheimdienstes zwischen 12 und 13 Stunden am Tag an einem unbekannten Ort verhört und später in ihre Einzelzelle in der Frauenhaftanstalt in Madinat Isa zurückgebracht.
Ebtisam al-Saegh war bereits einige Wochen zuvor, am 26. Mai, festgenommen und in einer Dienststelle des Geheimdienstes in al‑Muharraq verhört worden. Wie sie Amnesty International berichtete, wurden ihr unmittelbar nach ihrer Ankunft die Augen verbunden und in den darauffolgenden Stunden wurde sie sexuell missbraucht, am ganzen Körper geschlagen und in den Magen getreten. Während des siebenstündigen Verhörs musste sie die meiste Zeit stehen. Man befragte sie zu anderen, ihr bekannten Menschenrechtler_innen und zu den Protesten von Duraz: Dort hatten Sicherheitskräfte am 23. Mai bei einem Angriff auf Protestierende fünf Personen getötet. Außerdem wurde Ebtisam al-Saegh zu ihrer Teilnahme am Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen im März in Genf verhört, wo sie über Menschenrechtsverletzungen in Bahrain berichtet hatte. Man sagte ihr, sie solle ihre Menschenrechtsarbeit einstellen, andernfalls würde man sie weiterhin im Visier behalten. Der Geheimdienst entließ Ebtisam al‑Saegh gegen 23 Uhr. Sie stand zu dem Zeitpunkt unter Schock und wurde mit Nervenzusammenbruch im Krankenhaus behandelt. Weitere Informationen finden Sie in der englischsprachigen Stellungnahme von Amnesty International vom 31. Mai 2017: Woman Human Rights Defender tortured and sexually assaulted as Bahrain renews campaign to silence peaceful critics (https://www.amnesty.org/en/documents/mde11/6392/2017/en/).
Seit Juni 2016 haben die bahrainischen Behörden ihr hartes Vorgehen gegen mutmaßliche Regierungskritiker_innen noch intensiviert. Dutzende Menschenrechtsverteidiger_innen und politische Aktivist_innen wurden von den bahrainischen Behörden daran gehindert, nach Genf in die Schweiz zu reisen, um an den Sitzungen des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen teilzunehmen. Erst kürzlich, Ende April 2017, im Vorfeld der regelmäßigen Überprüfung der bahrainischen Menschenrechtslage durch den UN-Menschenrechtsrat am 1. Mai, wurden mindestens 32 mutmaßliche Regierungskritiker_innen zum Verhör bei der Staatsanwaltschaft vorgeladen und den meisten wurde "illegale Versammlung in Duraz" vorgeworfen.
Alkarama Foundation ist eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in der Schweiz, die sich für den Schutz von Opfern von Menschenrechtsverletzungen in der arabischen Welt einsetzt. Im November 2014 veröffentlichten die Vereinigten Arabischen Emirate eine Liste mit Organisationen und Gruppierungen, die als 'terroristisch' eingestuft werden; unter ihnen die Alkarama Foundation.