Ägypten: Student muss freigelassen werden!

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Der ägyptische Student Oqba Hashad (undatiertes Foto)

Der ägyptische Student Oqba Hashad ist seit fast sieben Jahren willkürlich inhaftiert, um ihn für den Menschenrechtsaktivismus seines Bruders zu bestrafen. Im April 2025 klagte ihn die Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (SSSP) wegen konstruierter Vorwürfe im Zusammenhang mit Terrorismus an. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Erst Ende 2025 bekam er nach drei Jahren eine neue Beinprothese, nachdem seine alte kaputt ging. Die Behörden müssen ihn sofort und bedingungslos freilassen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

der 29-jährige Student Oqba Hashad wurde am 20. Mai 2019 von Sicherheitskräften festgenommen und befindet sich seither willkürlich und rechtswidrig in Untersuchungshaft. Die Dauer seiner Untersuchungshaft überschreitet bei Weitem die nach ägyptischem Recht vorgesehene Frist von zwei Jahren. Am 20. Februar 2024 hatte ein Gericht seine Freilassung angeordnet, da seine Untersuchungshaft in der Rechtssache Nr. 7769/2019 der SSSP die gesetzliche Höchstdauer von zwei Jahren überschritten hatte. Doch statt freigelassen zu werden, fiel er zehn Tage lang dem Verschwindenlassen zum Opfer. Danach wurden in einem neuen Fall (Nr. 3391/2023 der SSSP) Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, die auf ähnlich konstruierten Vorwürfen beruhten. 

Bitte veranlassen Sie die umgehende und bedingungslose Freilassung von Oqba Hashad und lassen Sie alle Anklagen gegen ihn fallen, da er sich ausschließlich wegen des Aktivismus seines Bruders in Haft befindet. Bis zu seiner Freilassung muss ihm umgehend Zugang zu seiner Familie, seinen Rechtsbeiständen und jeder benötigten medizinischen Versorgung – auch Medikamenten – gewährt werden. Seine Haftbedingungen müssen überdies den internationalen Standards zur Behandlung von Gefangenen genügen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Counsellor,

I write to express my grave concern over the ongoing arbitrarily detention of 29-year-old Egyptian student Oqba Hashad, held in 10th of Ramadan prison. Oqba Hashad has been in arbitrary and unlawful pretrial detention since security forces arrested him nearly seven years ago on 20 May 2019. His pretrial detention greatly exceeds the two-year limit stipulated by Egyptian law. On 20 February 2024, a judge ordered Oqba Hashad’s release after his pretrial detention in Case No. 7769/2019 of the SSSP exceeded the legal limit. Instead of releasing him, security forces forcibly disappeared him for 10 days and then opened investigations against him in a new case (Case No. 3391/2023 of the SSSP) on similar bogus charges. 

I urge you to ensure that Oqba Hashad is immediately and unconditionally released and all charges against him dropped as he is detained solely as a punishment for his brother’s activism. Pending his release, he must be regular access to his family, lawyers and adequate healthcare including medication, and held in conditions that comply with international standards for the treatment of prisoners.

Yours sincerely,

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Appell an

General Prosecutor 
Mohamed Shawky Ayyad
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
ÄGYPTEN 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
S. E. Herrn Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri
Stauffenbergstraße 6–7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Amnesty fordert:

  • Bitte veranlassen Sie die umgehende und bedingungslose Freilassung von Oqba Hashad und lassen Sie alle Anklagen gegen ihn fallen, da er sich ausschließlich wegen des Aktivismus seines Bruders in Haft befindet.
  • Bis zu seiner Freilassung muss ihm umgehend Zugang zu seiner Familie, seinen Rechtsbeiständen und jeder benötigten medizinischen Versorgung – auch Medikamenten – gewährt werden. Seine Haftbedingungen müssen überdies den internationalen Standards zur Behandlung von Gefangenen genügen.

Sachlage

Der 29-jährige Student Oqba Hashad wurde am 20. Mai 2019 von Sicherheitskräften festgenommen und befindet sich seither willkürlich und rechtswidrig in Untersuchungshaft. Die Dauer seiner Untersuchungshaft überschreitet bei Weitem die nach ägyptischem Recht vorgesehene Frist von zwei Jahren. Am 20. Februar 2024 hatte ein Gericht seine Freilassung angeordnet, da seine Untersuchungshaft in der Rechtssache Nr. 7769/2019 der SSSP die gesetzliche Höchstdauer von zwei Jahren überschritten hatte. Doch statt freigelassen zu werden, fiel er zehn Tage lang dem Verschwindenlassen zum Opfer. Danach wurden in einem neuen Fall (Nr. 3391/2023 der SSSP) Ermittlungen gegen ihn eingeleitet, die auf ähnlich konstruierten Vorwürfen beruhten. Diese Praxis wird gemeinhin als "Rotation" bezeichnet und von den Behörden eingesetzt, um Menschen auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft zu halten.

Im April 2025 wurde Oqba Hashad gemeinsam mit 75 weiteren Personen wegen fabrizierter terrorismusbezogener Vorwürfe angeklagt. Laut der von Amnesty International geprüften Anklageschrift wird ihm "Beitritt zu einer terroristischen Vereinigung in Kenntnis ihrer Ziele" und "Verabredung zur Störung der öffentlichen Ordnung und zur Begehung terroristischer Straftaten" vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Amnesty International hält die Vorwürfe gegen Oqba Hashad für unbegründet. Die Staatsanwaltschaft hat keinerlei Beweise dafür vorgelegt, dass der Student sich an Handlungen beteiligt hat, die als kriminelles Verhalten gedeutet werden könnten. Vielmehr ist Amnesty International der Ansicht, dass Oqba Hashad für den Aktivismus seines Bruders Amr Hashad bestraft wird.

Seit seiner Inhaftierung werden die Menschenrechte von Oqba Hashad verletzt, u. a. durch willkürliche Inhaftierung, Folter und andere Misshandlungen sowie die Verweigerung medizinischer Versorgung. Im August 2022 ging seine Beinprothese kaputt, doch erst im November 2025 gewährte ihm die Gefängnisverwaltung einen Ersatz. Im November 2025 konnte er auch zum ersten Mal seit Jahren wieder seine Mutter in die Arme schließen. Allerdings behindern die Behörden nach wie vor seinen Zugang zu wichtigen Medikamenten und unterziehen seine Familienangehörigen bei jedem Besuch Leibesvisitationen. Nach einem Gefängnisbesuch am 15. Januar 2026 wurde einer der Brüder von Oqba Hashad von den Behörden schikaniert. Der Bruder wurde stundenlang dazu befragt, wie Menschenrechtsorganisationen und andere Unterstützer*innen Informationen über die Haftbedingungen von Oqba Hashad erhalten. Nach Angaben seiner Familie ist Oqba Hashad nach sieben Jahren ungerechtfertigter Inhaftierung körperlich und geistig erschöpft. Das anstehende Gerichtsverfahren löst in ihm Angstzustände aus, da er befürchtet, Jahrzehntelang inhaftiert zu werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Oqba Hashad ist seit fast sieben Jahren willkürlich und ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, und zwar ausschließlich wegen des Menschenrechtsengagements seines Bruders Amr Hashad, eines Menschenrechtsaktivisten, der Ägypten 2019 verlassen hat. Die Gefängnisbehörden hatten Oqba Hashad mehrfach, zuletzt im Oktober 2023, über die Menschenrechtsarbeit seines Bruders und dessen Kontakt zu seiner Familie in Ägypten verhört. Sie fragten ihn auch, ob er seinem Bruder Informationen über seine Haftbedingungen gegeben habe. Sein Bruder Amr Hashad war 2014 im Zusammenhang mit seinem Engagement in der Studierendenvereinigung der Universität Assiut festgenommen worden. Anschließend verurteilte ein Gericht Amr Hashad zu drei Jahren Gefängnis, nachdem es ihn der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des versuchten Umsturzes der Regierung und der Anstiftung zu Protesten schuldig gesprochen hatte. Aus dem Exil heraus dokumentierte Amr Hashad weiterhin Menschenrechtsverletzungen in Ägypten, einschließlich Fällen von Verschwindenlassen und grausame und unmenschliche Haftbedingungen. Auch Oqba Hashads Mutter wurde bei einem Besuch des Gefängnisses Shebin Al-Kom, in dem Oqba Hashad damals inhaftiert war, neun Stunden lang festgehalten und verhört. Dabei ging es um einen Facebook-Post, in dem Amr Hashad im Dezember 2020 thematisiert hatte, dass seinem Bruder der Zugang zu seiner Beinprothese verwehrt wurde und die Familie wiederholt Unrecht erlitt. 

Die Gefängnisbehörden verweigern Oqba Hashad seit August 2022 unter Verletzung des absoluten Verbots von Folter und anderen Misshandlungen den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Mehr als drei Jahre lang wurde ihm der Zugang zu einer Beinprothese verwehrt, was ihm schwere körperliche und psychische Schmerzen und Leiden verursacht, unter anderem, weil er dadurch bei seinen grundlegendsten Bedürfnissen auf die Hilfe anderer Gefangener angewiesen ist. Am 9. Januar 2024 wurde Oqba Hashad ohne Rollstuhl und auf einem Bein hüpfend zum Gericht gebracht und musste vor dem Richter auf den Boden sitzen. Die Gefängnisbehörden weigern sich außerdem, ihm eine fachärztliche Versorgung zu gewähren, die im Gefängnis nicht zur Verfügung steht, was nach Angaben unabhängiger Ärzt*innen, die von seinen Angehörigen konsultiert wurden, dauerhafte und irreversible Schädigungen seiner Wirbelsäule befürchten lässt. 

Am 7. August 2022 riefen Verwandte von Oqba Hashads Zellengenossen, die an diesem Tag das Gefängnis von Wadi al-Natroun besucht hatten, die Familie von Oqba Hashad an, um sie zu informieren, dass seine Beinprothese gebrochen sei. Seine Familie eilte zum Gefängnis, um die gebrochene Beinprothese abzuholen und sie zur Reparatur in eine Spezialklinik zu bringen, wo ein Arzt und ein Techniker ihnen mitteilten, dass eine Ersatzprothese erforderlich sei. Die Familie hatte nicht die finanziellen Mittel, um diese zu ersetzen, und wollte sie daher reparieren lassen. Als seine Verwandten am 9. August 2022 mit der Beinprothese in das Gefängnis zurückkehrten, bestanden die Gefängnisbehörden auf einer gründlichen Inspektion, versuchten, die Prothese zu zerlegen, und teilten der Familie mit, dass sie weiteren Inspektionen unterzogen würde. Oqba Hashad leidet unter starken Rückenschmerzen, da er im Gefängnis von Wadi al-Natroun gezwungen war, auf dem Boden zu schlafen. Im März 2024 wurde er, nachdem er zu einem Verhör in einem neuen Fall Nr. 3391/2023 der SSSP musste, in das Gefängnis Madinat al-Aschir min Ramadan (10th of Ramadan) (Trakt 2) verlegt, wo er bis heute inhaftiert ist. Als seine Familie ihn besuchte, sagte er ihnen, dass die Bedingungen dort besser seien als die in Wadi al-Natroun, ohne Einzelheiten zu nennen. Amnesty International hat die grausamen und unmenschlichen Haftbedingungen im Gefängnis Madinat al-Aschir min Ramadan dokumentiert (Trakt 6). Nach Angaben von Anwält*innen und Angehörigen wird allen Gefangenen das Sonnenlicht vorenthalten, und sie dürfen sich nur in geschlossenen Räumen sportlich betätigen. 

Im Mai 2019 stürmten Angehörige der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) das Studentenwohnheim von Oqba Hashad an der Universität von Sadat City (USC) im Gouvernement Menoufia und nahmen alle Personen ohne Haftbefehl fest. Mit Ausnahme von Oqba Hashad wurden alle Studierenden innerhalb weniger Tage freigelassen. Nach seiner willkürlichen Festnahme ließen die Sicherheitskräfte Oqba Hashad 77 Tage lang verschwinden und setzten ihn Folter und anderen Misshandlungen aus, darunter das Aufhängen an den Armen an der Decke und Elektroschocks an seinen Genitalien und seinem Beinstumpf. Am 1. August 2019 ordnete ein Staatsanwalt seine Untersuchungshaft an, bis die Ermittlungen wegen "Mitgliedschaft in einer gegen die Rechtsstaatlichkeit gerichteten Gruppe" und "Teilnahme an Demonstrationen zum Sturz des Regimes" abgeschlossen sind. Seitdem wurde seine Untersuchungshaft, die die nach ägyptischem Recht zulässige Höchstdauer von zwei Jahren längst überschritten hat, immer wieder verlängert. 

Als Vertragsstaat des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen muss Ägypten seinen Verpflichtungen nachkommen und sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen, wenn ihnen die Freiheit entzogen wird, gleichberechtigt mit anderen Inhaftierten Anspruch auf Garantien im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsnormen haben und ihnen speziell aufgrund ihrer Behinderungen angemessene Unterkünfte und Gesundheitsdienste zur Verfügung gestellt werden.