Amnesty Report Italien 14. Mai 2010

Eine Wohnung für die Familie Abaz!

Ismet Abaz und Elpida Abaz, Roma in Italien

Der 34-jährige Ismet Abaz und die 33-jährige Elpida Abaz sind Roma aus Mazedonien. 1991 kamen sie nach Italien, wo beide eine Aufenthaltserlaubnis erhielten. Sie haben vier Kinder. Nachdem sie bereits in etlichen Lagern gelebt hatten und zuletzt aus dem Lager Casilino zwangsgeräumt wurden, wurden sie 2000 von der Polizei in das Lager Tor de Cenci im Südwesten von Rom geschickt. Als Unterkunft teilte man ihnen, wie den anderen Roma dort, ein Container zu. Diese ursprüngliche genehmigte Siedlung wurde mittlerweile neu eingestuft: seitdem gilt sie nur noch als "geduldetes" Lager, das zerstört werden soll.

Nach seiner Ankunft in Italien suchte Ismet jahrelang in vielen Städten Arbeit, oft vergeblich. Wenn er Arbeit fand, dann waren es Jobs, wie etwa in Parma, wo er auf einem Markt beim Entladen von Waren half. Seine erste feste Stelle bekam er in Rom. Drei Stunden pro Tag arbeitet er seitdem als Fahrer bei dem Schulprojekt einer örtlichen Nichtregierungsorganisation für Roma-Kinder. Von dieser Arbeit können er und seine Familie jedoch nicht leben, weshalb Ismet versucht, etwas dazu zu verdienen, wo immer er kann. Er nimmt jede Arbeit an, die sich ihm bietet, verkauft Eisen und arbeitet auch als Mechaniker.

Dennoch verdient er nie genug, um sich eine Mietwohnung leisten zu können oder die erforderliche Punktzahl für das Anrecht auf eine Sozialwohnung zu erwerben. Dabei ist es sein sehnlichster Wunsch, aus dem Lager herauszukommen. Vor allem wegen der Kinder, deren Gesundheit er durch die schlechten Bedingungen gefährdet sieht. Seine Frau und er möchten zudem, dass ihre Kinder wie andere Kinder leben können, ohne Ablehnung und Ausgrenzung – mit einem Lager als Wohnort ist das allerdings kaum möglich. In der Schule, die alle vier Kinder besuchen, versuchen sie zu verheimlichen, wo sie wohnen. Nie laden sie Mitschüler oder Mitschülerinnen zu sich nach Hause ein. Die älteste Tochter gibt sich vor anderen als Brasilianerin aus. Wie ihre Geschwister schämt sie sich, in einem Lager leben zu müssen.

Von dem "Nomaden-Plan" hat die Familie nur gerüchteweise gehört. Eltern und Kinder sind beunruhigt, denn sie möchten keinesfalls in ein Lager umgesiedelt werden, in dem sie mit Gruppen von Roma zusammenleben müssen, mit denen sie sich nicht verstehen. "Lieber gehe ich weg und schlafe auf der Straße", erklärte Ismet den Vertretern von Amnesty International.

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Setzen Sie sich für Ismet Abaz und Elpida Abaz ein. Und für viele weitere Roma in diesem und anderen italienischen Lagern. Fordern Sie den Stopp des "Nomaden-Plans"!
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