Amnesty Journal 22. Januar 2016

Die Welt retten - warum eigentlich?

Zeichnung von zwei winkenden Figuren. Eine Person hält ein Schild hoch.

Hinter positiven Veränderungen stehen Personen, die sich einsetzen – Amnesty hat fünf Mutige gefragt, was sie antreibt.

Rachid Mesli

Rachid Mesli

Rachid Mesli

"Ich bin Anwalt – und deswegen ist es meine Pflicht, die Menschenrechte zu verteidigen. Ein Anwalt muss ein moralischer Fels in der Brandung bleiben, auch in Krisensituationen und selbst, wenn sein Leben in Gefahr ist. Nach meiner Flucht aus ­Algerien in die Schweiz war es für mich unvorstellbar, mich nicht mehr für andere einzusetzen; ich selbst war ja jetzt in Sicherheit. Der Kampf für die Menschenrechte ist lang und mühsam, aber wir müssen solidarisch bleiben und unseren Optimismus ­bewahren."

Der algerische Rechtsanwalt Rachid Mesli musste schon vor Jahren aus seiner Heimat fliehen, weil er sich für politisch Verfolgte einsetzt. Er erhielt in der Schweiz Asyl und lebt heute in Genf.

Ensaf Haidar

Ensaf Haidar

Ensaf Haidar

"Als Ehefrau ist es natürlich meine Aufgabe, für meinen Mann zu kämpfen. Ich vermisse Raif und will ihn wieder in meinem Leben haben – und unsere drei Kinder wollen das auch. Aber ich kämpfe auch für Raif, weil ich von seiner Sache überzeugt bin. Dass uns so viele Menschen auf der ganzen Welt unterstützen, gibt meinem Mann enorme Kraft, die Strapazen der Haft durchzustehen. Und die internationale Solidarität bestärkt auch mich, weiter für seine Freiheit zu einzutreten."

Ensaf Haidar ist die Ehefrau von Raif Badawi und lebt im kanadischen Exil. Ihr Mann sitzt in einem saudi-arabischen Gefängnis, weil er im Internet ­Frauenrechte und Meinungsfreiheit forderte. Das Urteil: 1.000 Stockschläge und zehn Jahre Haft.

Mohammad Kazkij

Mohammad Kazkij

Mohammad Kazkij

"Auf der Flucht übers Mittelmeer habe ich um mein Leben ­gefürchtet, doch der Gedanke an meine Familie gab mir Kraft. Meine Mutter hätte die Nachricht von meinem Tod nicht ertragen. Mein Freund Yahea ist bei der Überfahrt ertrunken. Immer wenn ich aufs Meer sehe, muss ich an ihn denken. Ich hatte Glück. Ich landete auf Malta und fand schnell einen Job. Heute wissen auf Malta alle: Ich bin der beste Elektriker der Welt."

Mohammad Kazkij ist aus Syrien geflohen. Das Boot, mit dem er im Oktober 2013 das Mittelmeer überqueren wollte, kenterte. Sein bester Freund starb, er selbst konnte gerettet werden.

Carsten Stormer

Carsten Stormer

Carsten Stormer "Warum mache ich meinen Job? An der schlechten Bezahlung liegt es sicherlich nicht. Ich will dabei sein, wie Geschichte geschrieben wird. Weshalb kämpfen die Menschen in Syrien? Was erleben die ­Jesiden im Nordirak? Ich will verstehen, was da vor sich geht. Mich berühren die Schicksale der Menschen zutiefst. Die Naivität, etwas mit ­Berichterstattung zu verändern, habe ich vor langer Zeit abgelegt. Aber Berichterstattung schafft Wissen. Wir können uns nicht mehr herausreden, von all den Grausamkeiten, die während unserer ­Lebenszeit geschehen, nichts gewusst zu haben."

Der Reporter Carsten Stormer lebt in Manila. Seit Jahren berichtet er aus Kriegsgebieten wie Syrien, Libyen, Afghanistan oder dem Irak.

Boban Stojanovic

Boban Stojanovic

Boban Stojanovic "Jede Form von Aktivismus ist ein wenig egoistisch – davon bin ich fest überzeugt. Ich habe ein Interesse und trage es möglichst wirksam in die Gesellschaft. In Serbien gibt es die Homophoben, die ­Extremisten, die Hooligans, die uns in Angst versetzen wollen. Das lasse ich nicht zu. Ich will frei leben – ohne Angst, ohne Scham, ohne Minderwertigkeitsgefühl. Beim 'Pride' zeigt sich, wie weit ­unsere Gesellschaft ist. Dieses Jahr warf uns eine Frau erstmals ­Blumen vom Balkon."

Boban Stojanovic tritt auch nach Übergriffen so offen auf wie kaum eine ­andere Person aus der serbischen Community von Lesben, Schwulen, Trans- und Intersexuellen. Seit 2009 organisiert er die jährliche Pride-Parade mit.

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