Amnesty Journal Deutschland 03. Juni 2014

Starke Worte

Nachdem Alice Nkom in Berlin den Amnesty-Menschenrechtspreis entgegengenommen hatte, reiste die kamerunische Rechtsanwältin durch Deutschland. In fünf Städten berichtete sie von ihrem Kampf für die Rechte sexueller Minderheiten in Kamerun. Zu den Veranstaltungen hatten lokale Amnesty-Gruppen eingeladen.

Von Jana Pittelkow

»Es ist schon immer mein Traum gewesen, einmal nach Deutschland zu reisen«, sagte Alice Nkom. Doch blieb der 69-Jährigen neben den zahlreichen politischen Terminen und Interviews kaum eine freie Minute, um Deutschland touristisch zu erkunden. Denn nachdem sie den Amnesty-Menschenrechtspreis in Berlin entgegengenommen hatte, brach sie auch schon zu einer Vortragsreise nach Hamburg, Köln, Leipzig, Frankfurt am Main und Mannheim auf.

Der Andrang bei den Veranstaltungen war teilweise so groß, dass Besucher stehen oder auf dem Boden Platz nehmen mussten oder – wie in Köln – aus Sicherheitsgründen nicht mehr in den überfüllten Saal hineingelassen werden konnten.

Nkom, die stets in traditioneller kamerunischer Robe auftritt, berichtete über ihren unermüdlichen Kampf für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Kamerun. Sie erläuterte die Entwicklung der Rechtsgrundlagen in ihrem Land, die Bedeutung der Kirchen, den Einfluss der Massenmedien und die Rolle des langjährigen Präsidenten Paul Biya. Sie schilderte auch konkrete Schicksale ihrer Mandanten, die deutlich machten, dass die den Menschenrechten widersprechenden Gesetze in der Praxis sogar noch schärfer gehandhabt werden als im Gesetzestext vorgesehen.

In einigen Städten wurde zusätzlich der Film »Born This Way« gezeigt. Die Dokumentation von Shaun Kadlec und Deb Tullmann entstand ohne offizielle Genehmigung und veranschaulicht auf dramatische Weise, wie sexuelle Minderheiten in Kamerun diskriminiert und verfolgt werden.

Mit ihrer herzlichen Art und ihren starken Worten fesselte Alice Nkom allerorts das Publikum. Gudula Dinkelbach, Amnesty-Bezirkssprecherin Rhein-Neckar, brachte es auf den Punkt: »Sie kennenzulernen, war ein Erlebnis!« Nkom selbst war überrascht von den zahlreichen Besuchern und dem großen Interesse an der kamerunischen Situation, das sich auch in den Diskussionen widerspiegelte. Sie sei bewegt von der familiären Herzlichkeit, mit der sie in Deutschland aufgenommen worden sei, sagte die Rechtsanwältin, und versicherte, dadurch einen starken Rückhalt für ihre Arbeit erhalten zu haben. Sie äußerte den Wunsch, eine Befreiungsbewegung in Gang setzen zu können, wie dies einst Rosa Parks in den USA mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gelungen sei. Alice Nkom appellierte an die Menschen in Europa und anderen westlichen Ländern, sich für die Menschenrechte und insbesondere für die Rechte Homosexueller einzusetzen, denn in Afrika sei eine Vernetzung der Aktivisten derzeit sehr schwierig.

Alice Nkom und ihre Arbeit sind faszinierend. Die außergewöhnliche Frau scheut keine Anstrengung, um die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen zu verteidigen. Nach ihrem ereignisreichen Deutschlandaufenthalt führte sie ihre Reise weiter nach Österreich, um dort bei weiteren Amnesty-Veranstaltungen von ihrem Kampf für die Menschenrechte zu berichten.

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