Porträt: Asmaa Mafhouz
Von Beginn an beteiligte sich die Ägypterin Asmaa Mafhouz an den Protesten gegen den ehemaligen Präsidenten Mubarak und setzte sich für die Meinungsfreiheit ein. Dafür ehrte das Europäische Parlament die 26-Jährige mit dem "Sacharow-Preis für geistige Freiheit"
Sympathisch, zurückhaltend, bescheiden. Man sieht Asmaa Mafhouz nicht an, dass sie als Mitgründerin der Bewegung "April 6th Movement" die Proteste gegen den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mubarak entscheidend geprägt hat. Für dieses Engagement wurde sie gemeinsam mit vier weiteren Protagonisten der politischen Umbrüche in Syrien, Libyen und Tunesien mit dem "Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2011" des Europäischen Parlaments ausgezeichnet. Ein "leuchtendes Beispiel und Symbol" sei Asmaa Mafhouz, sagte der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, bei der Preisverleihung in Straßburg. Asmaa Mahfouz übt sich in Bescheidenheit: "Ich bin sicher nicht die Mutigste", betont sie. "Es gibt sehr viele Menschen in Ägypten, die demonstriert haben und dafür inhaftiert oder sogar getötet wurden."
Die junge Frau hat an der Universität Kairo studiert und dort einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht. Zur politischen Aktivistin wurde sie im März 2008, als Textilarbeiter in Mahalla al-Kobra, einer Stadt nördlich von Kairo, für den 6. April einen Generalstreik zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ankündigten. Um die Forderungen der Arbeiter zu unterstützen, gründete Asmaa Mafhouz zusammen mit Ahmed Maher und Waleed Rashed die Gruppe "April 6th Movement". Die dazugehörige Facebook-Seite fand innerhalb kürzester Zeit über 60.000 Anhänger. Der Streik wurde damals von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen. "Ich habe Angst gehabt, sehr sogar", sagt Asmaa Mahfouz heute. Woher nimmt sie ihren Mut? Sie sagt, dass der Glaube ihr helfe und dass sie lieber für die Freiheit kämpfe, als untätig zu bleiben.
Ihren Mut bewies sie eindrucksvoll in einer Videobotschaft, die eine Woche vor der großen Demonstration gegen Mubarak am 25. Januar 2011 auf Facebook die Runde machte. Viereinhalb Minuten dauert das Video, in dem Asmaa Mafhouz dazu aufruft, die Demonstration auf dem Tahrir-Platz zu unterstützen. "Ich habe Tausende Anrufe bekommen", sagt sie und beschreibt, wie sie einerseits euphorisch, andererseits verunsichert war: War der Aufruf die richtige Entscheidung? Am 25. Januar strömten schließlich Hunderttausende auf den Tahrir-Platz in Kairo und forderten den Rücktritt Mubaraks. "Ich habe geweint", erinnert sich Asmaa Mafhouz.
Sie und ihre Mitstreiter seien überwältigt gewesen vom Mut der ägyptischen Bevölkerung. Doch die Begeisterung währte nicht lange: In den folgenden Monaten agierte das Militär zunehmend gegen die eigene Bevölkerung, Tausende Zivilisten wurden bis heute vor Militärgerichte gestellt. Im August 2011 musste sich auch Asmaa Mafhouz wegen angeblicher Beleidigung des Militärs vor Gericht verantworten. Zum Militär äußert sich Asmaa Mafhouz vorsichtig, eine Militärherrschaft in Ägypten verurteilt sie jedoch scharf. Und sie belässt es nicht bei Worten: Für die Parlamentswahlen ließ sich Asmaa Mafhouz als Kandidatin aufstellen.
"Einige Personen haben mir Geld geschickt, damit ich Plakate drucken konnte", sagt sie. Ihr Wahlkampf sei "erfolgreich, aber langwierig" gewesen. Weil jedoch bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kurz vor den Wahlen Dutzende Personen starben, zog sie ihre Kandidatur wieder zurück. Sie habe nicht kandidieren wollen, solange das Blut der Menschen noch auf den Straßen vergossen werde, und fügt hinzu, bei den kommenden Wahlen wieder kandidieren zu wollen. "Ich bin jung, eine Frau und Ägypterin", sagt Asmaa Mafhouz selbstbewusst. Ihre Botschaft: Jeder Mensch kann sich politisch beteiligen, wenn er bereit ist, dafür einzustehen.
Text: Ralf Rebmann