Verfolgt, diskriminiert und vergessen
Roma
Seit der Erweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 stellen die Roma die größte ethnische Minderheit in der EU dar. Viele der rund sieben bis neun Millionen Menschen leiden auch heute noch unter Diskriminierung. In der Slowakei erhalten Roma-Kinder eine schlechtere Bildung, indem sie auf Schulen für Lernbehinderte geschickt werden oder in Einrichtungen, in denen nur Roma unterrichtet werden.
Im vergangenen Jahr kamen in Ungarn Roma durch tätliche Übergriffe ums Leben. In Bulgarien ist die medizinische Versorgung für Roma schwierig. In Slowenien wurden nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1992 über 18.000 Menschen, darunter viele Roma, aus den Einwohnerregistern gestrichen. Diese "gelöschten" Menschen haben bis heute große Probleme auf dem Arbeitsmarkt, viele verloren ihren Anspruch auf Gesundheitsfürsorge und Rentenzahlungen.
Die meisten neuen EU-Mitgliedstaaten versuchen durch Aktionspläne Diskriminierung zu unterbinden und haben sich deshalb 2005 in der "Roma Dekade" zusammengeschlossen. Die Umsetzung dieser Initiativen ist bislang nicht zufriedenstellend. Westeuropäische Mitgliedstaaten haben sich dieser Initiative nicht angeschlossen, doch auch dort werden Roma ausgegrenzt. Im Mai vergangenen Jahres ging ein Mob mit Molotow-Cocktails gegen eine Roma-Siedlung am Rande Neapels vor. Hunderte Menschen wurden vertrieben.