Aktuell Südsudan 24. November 2017

Sexualisierte Gewalt in erschreckendem Ausmaß

Eine schwarze Frau sitzt auf einem sandigen Boden, hinter ihr Gepäck

Eine aus dem Südsudan geflüchtete Frau im Norden Ugandas

Seit Ausbruch des bewaffneten Konflikts im Südsudan 2013 grassiert sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Auf diese massiven Menschenrechtsverletzungen macht Amnesty International anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November aufmerksam.

In dem Bericht "Do not remain silent: Survivors of sexual violence in South Sudan call for justice and reparations" dokumentiert Amnesty International in Kooperation mit zehn südsudanesischen Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern die von der Regierungsarmee wie Oppositionsgruppen gleichermaßen verübte Gewalt. Interviewt wurden 168 Betroffene von sexualisierter Gewalt, darunter auch 16 Männer, in unterschiedlichen Regionen des Südsudans sowie in Flüchtlingslagern in Norduganda.

Einer Untersuchung des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zufolge waren 2015 bereits 72 Prozent der in Lagern nahe der Hauptstadt Juba lebenden Frauen vergewaltigt worden. "Es handelt sich hierbei um geplante, massive sexualisierte Gewalt. Frauen wurden von mehreren Männern vergewaltigt, mit Stöcken missbraucht und mit Messern verstümmelt", sagte Muthoni Wanyeki, Leiter des Ostafrika-Programms von Amnesty International.

Eine der Frauen berichtete Amnesty International, dass sie nun HIV positiv sei. Andere Frauen leiden unter Fisteln und Inkontinenz. Einige der vergewaltigten Männer wurden in Folge der Übergriffe impotent. Viele Überlebende leiden unter Albträumen, Erinnerungslücken, Konzentrationsstörungen und Selbstmordgedanken – typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. "Die Betroffenen leiden ein Leben lang unter den körperlichen und psychischen Folgen dieser Menschenrechtsverletzungen. Viele Überlebende wurden zudem von ihren Familien verstoßen und von der Gemeinschaft stigmatisiert", sagte Wanyeki.

Die Übergriffe finden bei Angriffen auf Dörfer, entlang von Straßen, nach Entführungen oder in Haft statt. Betroffen sind auch ältere Frauen, Mädchen und Schwangere. Die Behörden versagen dabei, die Bevölkerung zu schützen, die Gewalt zu untersuchen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Die Gründe hierfür sind fehlende Ressourcen in der Justiz sowie das Fehlen eines klaren politischen Bekenntnisses zur Verfolgung sexualisierter Gewalt.

Die Betroffenen benötigen Hilfe, um ihre körperliche und psychische Gesundheit wiederzuerlangen. Die medizinische Versorgung ist jedoch mangelhaft. Gerade in ländlichen Regionen ist die nächste Gesundheitseinrichtung oft weit entfernt, der Weg dorthin unsicher. Auch das Stigma, von sexualisierter Gewalt betroffen zu sein, hindert die Menschen daran, sich Hilfe zu suchen.

 

 

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