Aktuell Frankreich 31. Oktober 2018

"Human Rights Defenders World Summit" in Paris

Menschen stehen auf einem Platz vor dem Eiffeltum und halten Schilder mit Porträts von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern

Abschlusskundgebung auf dem "Human Rights Defenders World Summit 2018" am 31. Oktober 2018 in Paris


Anlässlich des 20. Jahrestags der UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger_innen und der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren trafen sich vom 29. bis 31. Oktober über 150 Menschenrechtsverteidiger_innen aus aller Welt in Paris.

Auf dem "Human Rights Defenders World Summit 2018" diskutierten sie über Strategien in ihrem Kampf gegen Repression, Diskriminierung und Rassismus und für die Menschenrechte in den kommenden 20 Jahren. 

Das Treffen findet in einer Zeit statt, in der fast täglich eine Menschenrechtlerin oder ein Menschenrechtler getötet wird. Zudem sind Menschenrechtsverteidiger_innen immer wieder in Gefahr, aufgund ihres Engagements kriminalisiert und diffamiert zu werden. Gleichzeitig halten zahlreiche Regierungen weltweit ihre 1998 gegebene Zusage, Menschenrechtler_innen zu respektieren und zu schützen, nicht ein.

Auf dem Pariser Treffen kam eine Gruppe von über 150 Menschenrechtsverteidiger_innen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, die sich für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichstellung einsetzen. Ihr Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Strategien zum Umgang mit Hindernissen und Herausforderungen im Kampf gegen Repression, Rassismus, Diskriminierung, Verschwindenlassen und Tötungen.

An dem Treffen nahmen unter anderem folgende Menschenrechtsverteidiger_innen teil: Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Journalist Matthew Caruana Galizia, der Sohn der vor einem Jahr auf Malta ermordeten Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia; Anielle Franco, die Schwester der brasilianischen Aktivistin und Politikerin Marielle Franco, die vor sieben Monaten in ihrem Auto erschossen wurde; und die Anwältin Hina Jilani, die Gründerin der Menschenrechtskommission von Pakistan, die gegen Korruption im pakistanischen Rechtssystem vorgeht.

Vor genau 20 Jahren fand das erste Treffen dieser Art an genau demselben Ort statt, dem Palais de Chaillot in Paris. Damals verabschiedete die Staatengemeinschaft die UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger_innen, um die bedeutende Rolle von Menschenrechtsverteidiger_innen zu würdigen.

Die Staaten verpflichteten sich in dieser Erklärung, all diejenigen zu schützen, die sich für die Menschenrechte einsetzen – und zwar weltweit. Doch 20 Jahre später gibt es, trotz einiger Fortschritte, nach wie vor Regierungen, die ihren Verpflichtungen zum Schutz von Menschenrechtsverteiger_innen nicht nachkommen. So wurden im Jahr 2017 mindestens 312 Menschenrechtsverteidiger_innen ermordet – doppelt so viele wie 2015. Fast ausnahmslos gingen die Verantwortlichen dieser Taten straffrei aus.

Das Treffen wurde von Amnesty International gemeinsam mit folgenden internationalen Organisationen organisiert:

Association for Women's Rights in Development (AWID)
International Federation for Human Rights (FIDH)
Front Line Defenders
Reporter ohne Grenzen
ProtectDefenders.eu
The Observatory for the Protection of Human Rights Defenders (OMCT)
International Service for Human Rights (ISHR)

Am Ende der Konferenz starteten die 150 Menschenrechtsverteidiger_innen zusammen mit den Organisationen einen Aufruf, der von Regierungen weltweit einen besseren Schutz für Menschenrechtsverteidiger_innen fordert.

Unterstütze auch du diese Forderung!

Hier findest du die deutsche Übersetzung des Aufrufs:

Mach mit beim weltweiten Aufruf zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen!

Menschenrechtsverteidiger_innen setzen sich für Gerechtigkeit und Menschenwürde ein – für uns alle. Sie decken Korruptionsfälle auf und fordern, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Sie setzen sich für eine Grundversorgung in den Bereichen Gesundheit, Bildung oder Wohnen ein, die alle erreicht. Oder sie verteidigen das Recht aller, gemäß ihrer selbstbestimmten Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung leben zu können.

Menschenrechtlerinnen kämpfen für das Recht aller Frauen, ihr Leben frei gestalten zu können, ohne dazu gezwungen zu werden, zu heiraten oder Kinder zu bekommen.

Zu Menschenrechtsverteidiger_innen gehören auch Landarbeiter_innen und Dorfgemeinschaften, die versuchen, ihr Land vor Umweltverschmutzung zu schützen, und gegen eine Unternehmenspolitik kämpfen, die wertvolle Ressourcen wie Wasser oder Wälder ausbeutet.

Menschenrechtsverteidiger_innen sind mutige und gleichzeitig ganz gewöhnliche Menschen. Und sie werden immer wieder angegriffen.

Regierungen oder Großunternehmen versuchen, Menschenrechtsverteidiger_innen zum Schweigen zu bringen. Sie brandmarken sie als Kriminelle, Terrorist_innen oder "ausländische Agent_innen".

Menschenrechtsverteidiger_innen  werden eingesperrt, weil sie Missstände anprangern. Sie werden bedroht, angegriffen und sogar ermordet – die Zahlen sind alarmierend.

Es reicht! Menschenrechtsverteidiger_innen brauchen unsere Solidarität. Lasst uns so viele werden, dass uns die Regierungen nicht ignorieren können.

Vor 20 Jahren haben Regierungsvertretungen aus aller Welt in der "UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger" versprochen, Menschenrechtsverteidiger_innen zu schützen. Diese Regierungsvertretungen kommen im Dezember zu einer UN-Sondersitzung zusammen, um die aktuelle Lage zu besprechen.

Mit eurer Unterstützung können wir ihnen zeigen, dass die Welt gespannt auf die Sitzungsergebnisse blickt. Eine Gruppe von Menschenrechtsverteidiger_innen wird eure gesammelten Unterschriften übergeben und wirklichen Schutz fordern. Schluss mit den bloßen Lippenbekenntnissen!

Unterschreibt jetzt und fordert von den Regierungsvertretungen:

  • Feiern und schützen Sie Menschenrechtsverteidiger_innen, insbesondere diejenigen, die im Abseits stehen und wegen ihrer Geschlechtsidentität, sexuellen Orientierung, ethnischen, religiösen oder Klassenzugehörigkeit, ihres Status, ihres Lebensalters oder einer Behinderung angegangen werden.
  • Hören Sie auf, diejenigen anzugreifen, in den Schmutz zu ziehen und zu stigmatisieren, die sich dafür einsetzen, dass die Menschenrechte für alle und weltweit gelten.

Für diesen weltweiten Aufruf müssen wir unsere Kräfte bündeln. Gemeinsam und mit eurer Unterstützung werden unsere Stimmen so laut werden wie noch nie.

Jetzt mitmachen auf www.amnesty.org

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