Amnesty-Menschenrechtspreis 2016 für Henri Tiphagne
Die Verleihung des 8. Amnesty-Menschenrechtspreises am 25. April 2016 im Maxim-Gorki-Theater in Berlin mit Preisträger Henri Tiphagne (Bildmitte). Am Ende der Veranstaltung standen alle Mitwirkenden auf der Bühne.
© Amnesty International / Photo: HC Plambeck
Der indische Anwalt und Menschenrechtsverteidiger Henri Tiphagne erhielt im April 2016 den 8. Menschenrechtspreis der deutschen Amnesty-Sektion, die damit sein jahrzehntelanges Engagement würdigte.
Der indische Anwalt und Menschenrechtsverteidiger Henri Tiphagne erhielt im April 2016 den 8. Menschenrechtspreis der deutschen Amnesty-Sektion, die damit sein jahrzehntelanges Engagement würdigte.
Henri Tiphagne hat eine Vision, der er sein ganzes Leben widmet: Ein gerechteres Indien. Daher setzt er sich seit seiner Jugend für diejenigen ein, deren Rechte verletzt werden. Mittlerweile gehört der Gründer von "People’s Watch" zu den bekanntesten Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern des Landes. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Cynthia hat er die Organisation zu einer der bedeutendsten Indiens gemacht. "People’s Watch" hat unzählige Menschenrechtsverstöße dokumentiert, Tausende Opfer von Polizeigewalt und Folter betreut, Aktivistinnen und Aktivisten vor Gericht verteidigt und Korruption aufgedeckt.
Doch in Indien geraten Aktivistinnen und Aktivisten immer stärker unter Druck: Sie werden als Staatsfeinde beschimpft. Ihre Arbeit wird kriminalisiert, indem haltlose Anklagen gegen sie erhoben werden. Auch Tiphagne ist davon betroffen. Seit 2012 wurden die Konten von "People’s Watch" wiederholt eingefroren, Angestellte mussten entlassen und Programme eingestellt werden.
Um Henri Tiphagne in seinem Kampf zu unterstützen, verlieh ihm die deutsche Amnesty-Sektion 2016 den 8. Menschenrechtspreis. Seit 1998 zeichnet sie mit dem Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich unter schwierigen Bedingungen für die Menschenrechte stark machen.
"Wir danken Amnesty für diese Auszeichnung, die uns daran erinnert, dass wir im Kampf für die Menschenrechte nicht allein sind. Indien hat eine lebendige Zivilgesellschaft: Ich nehme diesen Preis stellvertretend für all die mutigen Männer und Frauen entgegen, die sich für Menschenrechte in Indien einsetzen", sagte Tiphagne bei der festlichen Preisverleihung am 25. April 2016 im Berliner Maxim-Gorki-Theater. Amnesty sammelte zudem 31.228 Unterschriften für eine Petition, die Indiens Behörden aufforderte, die Drangsalierung der Zivilgesellschaft zu beenden.
Tiphagne ist ein entschlossener Mann, der bei der Preisverleihung und seiner Vortragsreise durch Deutschland auch mit seinem Humor und seiner Bescheidenheit beeindruckte. Selbst gesundheitliche Probleme brachten ihn nicht von seinem Weg ab: "Die Ärzte sagen, dass ich mich schonen muss. Ich kann aber nicht Nein sagen, wenn jemand meine Hilfe braucht." Auf die Unterstützung von Amnesty kann er sich dabei stets verlassen.
www.amnesty.de/menschenrechtspreis
Mit dem Menschenrechtspreis zeichnet die deutsche Amnesty-Sektion alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich unter schwierigen Bedingungen für die Menschenrechte einsetzen. Ziel des Preises ist es, das Engagement dieser Menschen zu würdigen, sie zu unterstützen und ihre Arbeit in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Unterstützt wird der Preis von der Stiftung Menschenrechte – Förderstiftung Amnesty International. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger sind unter anderem: Alice Nkom aus Kamerun (2014) und Abel Barrera aus Mexiko (2011).