Aktuell Vereinigte Staaten von Amerika 26. September 2025

USA: Die Todesstrafe in Utah ‒ Hintergrund und aktuelle Debatten  

Ein Raum in dessen Mitte ein Stuhl steht vor einem Brett, umringt von Menschen mit Fotokameras, Stift und Notizblock

Journalist*innen fotografieren am 17. Januar 1977 in der Stadt Draper im US-Bundesstaat Utah den Stuhl, in dem Gary Gilmore durch eine Erschiessungskommando hingerichtet wurde. An der Lehne sind noch die Einschusslöcher und die Haube zu sehen, die Gilmore bei der Exekution trug.

Im US-Bundesstaat Utah rückt die Anwendung der Todesstrafe wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit: Nachdem Utah im Jahr 2015 das umstrittene Erschießungskommando wieder für Hinrichtungszwecke aufgestellt hat, fordert die Staatsanwaltschaft nach dem Attentat auf Charlie Kirk nun die Todesstrafe für den Tatverdächtigen Tyler Robinson. Amnesty International lehnt die Anwendung der Todesstrafe grundsätzlich ab. 

Es gibt viele Argumente gegen die Todesstrafe: Sie ist eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe, die ein fundamentale Menschenrecht – das Recht auf Leben ‒ verletzt.  

Während viele Länder diese Praxis abgeschafft haben, halten einige Bundesstaaten in den USA weiterhin daran fest. Einer dieser Staaten ist Utah, der durch seine Hinrichtungsmethoden und aktuelle Fälle immer wieder für Schlagzeilen sorgt. 

Aktuelle Debatte: Der Fall Tyler Robinson und das Attentat auf Charlie Kirk 

Die Debatte um die Todesstrafe in Utah hat durch ein Attentat im September 2025 neue Brisanz erhalten. Der Aktivist Charlie Kirk (31), der in der Vergangenheit rassistische und rechtsextreme Meinungen vertreten hatte, wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung an der Utah Valley University erschossen. Als Hauptverdächtiger wurde der 22-jährige Tyler Robinson verhaftet. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, für Robinson die Todesstrafe zu fordern. 

Der Fall zeigt, wie schnell in den USA die Hinrichtung verlangt wird, und rückt die grundsätzliche Frage nach der Gerechtigkeit und Wirksamkeit dieser Sanktion erneut in den Mittelpunkt. Der aktuelle Amnesty-Bericht über die Todesstrafe zeigt, dass 2024 in den USA insgesamt 25 Menschen hingerichtet wurden, in diesem Jahr sind es bereits 31. 

Utahs kontroverse Rolle in der Geschichte der Todesstrafe in den USA:  

  • Utah war der erste Bundesstaat, der nach der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1976 eine Hinrichtung durchführte: Exekutiert wurde am 17. Januar 1977 Gary Gilmore durch ein Erschießungskommando.
  • Die Erschießungskommandos wurden im Jahr 2004 in Utah wieder abgeschafft und durch die Giftspritze ersetzt. Seit 2015 ist in Utah jedoch erneut die Hinrichtung durch Erschießungstrupps erlaubt. 

Hinrichtungsmethoden in Utah und die Wiedereinführung von Erschießungskommandos 

In den USA ist die Giftspritze die am weitesten verbreitete Hinrichtungsmethode. Doch seit Jahren haben US-Bundesstaaten zunehmend Schwierigkeiten, die benötigten Substanzen zu beschaffen. Viele Pharmaunternehmen weigern sich, ihre Produkte für Exekutionen zur Verfügung zu stellen. 

Daher unterzeichnete der Gouverneur von Utah, Gary Herbert, am 23. März 2015 ein Gesetz, das Hinrichtungen durch Erschießungskommandos als legale Alternative zur tödlichen Injektion gestattet – wenn die geeigneten Chemikalien für eine Giftspritze nicht vorhanden sind. 

Einer der bekanntesten Fälle der jüngeren Vergangenheit ist der von Ronnie Lee Gardner. Er wurde 2010 durch ein Erschießungskommando hingerichtet – eine Entscheidung, die er selbst getroffen hatte. 

Rechtlich war dies möglich, weil er sich bereits vor der Gesetzesänderung im Jahr 2004 dafür entschieden hatte. Seine Exekution löste weltweit Entsetzen und eine intensive Debatte aus. Der Grund: Nach der Salve des Scharfschützenkommandos war er nicht sofort tot, sondern bewegte sich noch.  

Amnesty-Posting auf X(ehemals Twitter):

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Unsere Forderung: Stoppt die Todesstrafe! 

Amnesty International lehnt die Todesstrafe ausnahmslos ab, unabhängig von der Art und Schwere des Verbrechens, der Schuld oder Unschuld des Verurteilten oder der Hinrichtungsmethode. Sie ist kein wirksames Mittel zur Abschreckung und macht den Staat selbst zum Täter. 

Der Fall in Utah zeigt, dass der Kampf gegen die Todesstrafe heute so wichtig ist wie eh und je. Wir müssen unsere Stimmen erheben gegen diese grausame Praxis. 

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