Saudi-Arabien: Fast 100 Hinrichtungen seit Jahresbeginn – viele wegen Drogendelikten
Demonstration vor der saudi-arabischen Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta gegen die Todesstrafe (Archivbild).
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Saudi-Arabien hat seit Anfang 2026 fast 100 Menschen hinrichten lassen. Mindestens 61 wurden wegen Drogendelikten exekutiert. Dies steht für einen weltweiten Trend: Inzwischen gehen mehr als 40 Prozent aller bekannten Hinrichtungen auf Drogendelikte zurück. Saudi-Arabien muss ein sofortiges Hinrichtungs-Moratorium verhängen – als ersten Schritt zur vollständigen Abschaffung der Todesstrafe.
Die Zahlen sind alarmierend. Trotz internationaler Kritik verlangsamt sich das Tempo der Vollstreckungen der Todesstrafe in Saudi-Arabien aufgrund von Drogendelikten nicht – im Gegenteil. Saudi-Arabien hat seit Anfang 2026 fast 100 Menschen hinrichten lassen.
"Während weltweit immer mehr Regierungen und internationale Institutionen anerkennen, dass Drogenprobleme mit evidenzbasierten und menschenrechtskonformen Mitteln gelöst werden müssen, hält Saudi-Arabien an Hinrichtungen fest", sagt Dana Ahmed, Nahost-Expertin bei Amnesty International. "Auch für Taten, die nach dem Völkerrecht und internationalen Standards niemals mit dem Tod bestraft werden dürften."
Saudi-Arabien: Wer von der Todesstrafe betroffen ist
- Von den 96 Menschen, die zwischen dem 1. Januar und 22. Juni 2026 in Saudi-Arabien hingerichtet wurden, wurden 61 aufgrund von Drogendelikten getötet.
- 39 von ihnen waren ausländische und 22 saudische Staatsangehörige.
- Die wegen Drogendelikten Hingerichteten kamen unter anderem aus Äthiopien (7), Pakistan (7), dem Sudan (5), Jordanien (4) und Syrien (3).
Besonders oft trifft es also Menschen aus dem Ausland, häufig nach grob unfairen Gerichtsverfahren. Die Sorge um weitere Gefangene wächst. In einer Hafteinrichtung in Khamis Mushait im Südwesten des Landes sitzen mindestens 63 äthiopische Staatsangehörige, und zwar ausschließlich wegen Drogendelikten.
Ihnen droht möglicherweise unmittelbar die Hinrichtung. Anfang des Jahres wurden dort bereits sieben Äthiopier hingerichtet, alle wegen "Haschischschmuggels".
Mehr Hinrichtungen als je zuvor
Saudi-Arabien gehört seit Jahren zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Für 2025 dokumentierte Amnesty International mindestens 356 Hinrichtungen. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2024, als 122 Todesurteile vollstreckt wurden. Zwischen Januar 2014 und Juni 2026 ließ Saudi-Arabien insgesamt 2.084 Menschen hinrichten.
Ausländische Staatsangehörige sind dabei überproportional betroffen. 2024 entfielen 75 Prozent der Hinrichtungen wegen Drogendelikten auf sie, 2025 waren es bereits 78 Prozent.
Hinrichtungen aufgrund von Drogendelikten: ein Problem weit über Saudi-Arabien hinaus
Die Zahl der Hinrichtungen wegen Drogendelikten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Sie macht inzwischen mehr als 40 Prozent aller weltweit erfassten Hinrichtungen aus.
2025 ging fast die Hälfte aller bekannten Hinrichtungen auf Drogendelikte zurück: 1.257 Fälle oder 46 Prozent. Sie fanden in fünf Ländern statt: China, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Singapur.
Nachdem in den Jahren bis 2024 die Zahl derjenigen Staaten, die die Todesstrafe ausübten, stetig abnahm, nimmt diese seit 2025 wieder zu. Algerien, Kuwait und die Malediven arbeiten an Gesetzen, die auch Drogendelikte mit dem Tod bestrafen. Jordanien nahm in dieser Woche nach neun Jahren wieder Hinrichtungen auf und richtete sechs Menschen hin. Zugleich kündigte der Premierminister an, die Todesstrafe auf bestimmte Drogendelikte ausweiten zu wollen.
Was Amnesty International jetzt fordert
Nach internationalem Recht und internationalen Standards darf die Todesstrafe für Drogendelikte nicht verhängt werden. Sie ist rechtswidrig, willkürlich und diskriminierend und muss entschlossen bekämpft werden.
Im Vorfeld des Welt-Antidrogentags 2026 am 26. Juni riefen Amnesty International und 62 weitere Organisationen das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Suchtstoffkommission (CND) sowie deren Mitgliedstaaten dazu auf, die Anwendung der Todesstrafe für Drogendelikte unmissverständlich zu verurteilen. Ein klares Bekenntnis zur Abschaffung der Todesstrafe muss Teil der UNODC-Strategie werden.
Die Forderung an Saudi-Arabien ist ebenso eindeutig. Das Land muss umgehend ein Moratorium für diese grausame und unumkehrbare Strafe verhängen – als ersten Schritt hin zu ihrer vollständigen Abschaffung.