Aktuell Mexiko 27. Juni 2016

Zahlen und Fakten zu sexualisierter Folter gegen Frauen in Mexiko

Rückblick auf die Kampagne "Stop Folter"

Protest-Aktion vor dem Berliner Hauptbahnhof anlässlich des Deutschland-Besuches von Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto am 12. April 2016

Inhaftierte Frauen

Fast 7 % der Gefängnisinsassen in Mexiko sind Frauen (Comisión Nacional de Seguridad, 2016)

Die meisten in Bundesgefängnissen inhaftierten Frauen sind Ersttäterinnen, die sich wegen Drogendelikten in Haft befinden.

Es liegen Hinweise darauf vor, dass Folter und andere Formen der Misshandlung regelmäßig gegen Personen eingesetzt werden, denen Straftaten vorgeworfen werden, die gemäß der Sicherheitsstrategie Mexikos im Zusammenhang mit dem "Kampf gegen Drogen" stehen. Amnesty International hat mit 100 Frauen gesprochen. 33 % von ihnen wurden beschuldigt, Teil einer organisierten kriminellen Gruppierung zu sein; 23 % wurden Drogendelikte vorgeworfen; 22 % wurden der Entführung verdächtigt; und 14 % wurden wegen mutmaßlichen illegalen Waffenbesitzes angeklagt.

Die meisten Gefängnisinsassen kommen aus Haushalten mit niedrigem Einkommen. Entsprechende Statistiken zeigen, dass 60 % der inhaftierten Frauen keinen höheren Bildungsabschluss haben. (CIDE, 2012)

In den für diesen Bericht dokumentierten Fällen verdienten die meisten Frauen zwischen 1.000 und 5.000 Mexikanischen Peso im Monat (etwa 40-240 Euro). Bei manchen lag das Einkommen sogar noch um einiges niedriger.

Folterung von Frauen

Amnesty International hat mit 100 in Bundesgefängnissen inhaftierten Frauen über die Folterungen oder anderen Misshandlungen gesprochen, denen sie bei der Festnahme und während des Verhörs durch die Polizei bzw. die Streitkräfte ausgesetzt waren. Alle 100 gaben an, bei ihrer Festnahme oder in den darauffolgenden Stunden sexuell belästigt oder psychisch misshandelt worden zu sein.

97 der Frauen sagten, sie seien bei der Festnahme oder in den darauffolgenden Stunden körperlich misshandelt worden.

79 gaben an, gegen den Kopf geschlagen worden zu sein; 62 erhielten Schläge gegen den Magen oder den Brustkorb; 61 wurden gegen die Beine und 28 auf die Ohren geschlagen. Schläge ins Gesicht wurden offenbar gezielt vermieden, um direkt sichtbare Verletzungen zu verhindern.

33 Frauen berichteten, von Angehörigen der Armee, der Marine oder der kommunalen, bundesstaatlichen oder Bundespolizei vergewaltigt worden zu sein. Bei Festnahmen durch kommunale und bundesstaatliche Polizeikräfte und Armeeangehörige berichteten die Frauen in mindestens 50 % der Fälle von Vergewaltigung. Zehn der Frauen, deren Fälle in diesem Bericht dokumentiert wurden, wurden von Angehörigen der Marine festgenommen. Acht von ihnen berichteten, bei der Festnahme vergewaltigt worden zu sein.

66 Frauen gaben an, die Misshandlungen bei den Behörden angezeigt zu haben, doch wurden in nur 22 Fällen Untersuchungen eingeleitet. Amnesty International ist kein Fall bekannt, in dem diese Untersuchungen zu einer Anklage geführt hätten.

Folter und andere Misshandlung in Mexiko

  • 2.403 - Anzahl der 2014 bei der Generalstaatsanwaltschaft wegen Folter eingegangenen Strafanzeigen

  • 0- Anzahl der Anklageerhebungen, die die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft gegenüber Amnesty International für 2014 und 2015 bestätigen konnte

  • 0 - Anzahl der Armeeangehörigen, die zwischen 2010 und 2015 während einer gegen sie laufenden Ermittlung wegen Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauchs vom Dienst suspendiert wurden

  • 12.110 - Anzahl der Berichte über Folter und andere Misshandlungen, die allein im Jahr 2013 bei den lokalen und nationalen Menschenrechtsstellen eingingen

  • 15 - Anzahl der wegen Foltervorwürfen auf nationaler Ebene ergangenen Schuldsprüche seit 1991 (Interamerikanischer Gerichtshof für Menschenrechte, 2015)

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