Aktuell Afghanistan 01. Juni 2016

Afghanistan: Die vergessenen Opfer des Krieges

Afghanistan: Die vergessenen Opfer des Krieges

Ein Kind im Lager für Binnenvertriebene von Chaman-e-babrak in der afghanischen Hauptstadt Kabul

31. Mai 2016 - Über eine Million Menschen sind innerhalb Afghanistans auf der Flucht vor Gewalt und kämpfen ums nackte Überleben. Die afghanische Regierung hat bislang versagt, die internationale Öffentlichkeit schaut weg.

Amnesty International dokumentiert in dem Bericht "'My Children Will Die This Winter’: Afghanistan’s Broken Promise to the Displaced" das traurige Schicksal der 1,2 Millionen Afghaninnen und Afghanen, die in ihrem eigenem Land auf der Flucht sind. Sie mussten ihre Häuser und Wohnungen oft von einer Sekunde auf die andere verlassen und versuchen nun, unter schwierigsten Bedingungen zu überleben.

Die Zahl der Binnenvertriebenen hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund der erneut zunehmenden Gewalt mehr als verdoppelt. Der Bericht zeigt auf, dass viele Binnenvertriebene entgegen wiederholter Versprechen der afghanischen Regierung weder ein Dach über dem Kopf haben, noch ausreichend Nahrung, Zugang zu sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung oder zu Arbeit und Schuldbildung. Nach mehreren Jahrzehnten Krieg und Gewalt sind mehr als zweieinhalb Millionen Afghanen aus dem Land geflohen – eine der weltweit größten Fluchtbewegungen überhaupt.

Von der Weltöffentlichkeit vergessen

Die afghanische Regierung hat bereits 2014 einen Aktionsplan für Binnenvertriebene verabschiedet und versprochen, deren Rechte zu wahren. Die Umsetzung ist jedoch aufgrund fehlender Kapazitäten in der Verwaltung und wegen Korruptionsvorwürfen gescheitert. In den vergangenen Jahren ist die katastrophale Situation in Afghanistan zudem weitgehend aus dem Blickwinkel der internationalen Öffentlichkeit verschwunden, die internationale Unterstützung hat stetig abgenommen.

Zwangsräumungen, Gewalt gegen Binnenvertriebene und Kinderarbeit

Amnesty International hat dokumentiert, dass es zu rechtswidrigen Zwangsräumungen durch private Akteure und die Behörden kommt. Aufgrund der mangelnden Versorgung ernähren sich viele Menschen von verdorbenen Essenszeiten von lokalen Märkten oder müssen sich verschulden, wenn sie auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Immer mehr Kinder müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen, sei es als Autowäscher, Plastiksammlerin oder Schuhputzer.

Amnesty fordert Schutz der Rechte von Binnenvertriebenen

Amnesty International fordert die afghanische Regierung auf, den 2014 verabschiedeten Aktionsplan endlich umzusetzen und dem Schutz der Binnenvertriebenen Priorität einzuräumen. Auch die internationale Gemeinschaft steht in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Vertriebenen ihr Rechte auf Nahrung, angemessene Unterkunft, medizinische Versorgung und Schulbildung wahrnehmen können.

Hier können Sie den vollständigen englischsprachigen Bericht "'My Children Will Die This Winter’: Afghanistan’s Broken Promise to the Displaced" als PDF herunterladen.

Weitere Artikel