Tod vor griechischer Küste: Warum mussten die Flüchtlinge sterben?
Amnesty-Aktion "SOS Europa" im Juli 2013 vor der Küste von Lesbos
© Amnesty International (Photo: Giorgos Moutafis)
28. Januar 2014 - Am frühen Morgen des 20. Januar 2014 starben vor der griechischen Insel Farmakonisi mehrere Menschen, als ihr Fischerboot kenterte und kurze Zeit später sank. Insgesamt befanden sich 25 afghanische und drei syrische Flüchtlinge auf dem kleinen Fischerboot. Drei Frauen und drei Kinder konnten nur noch tot geborgen werden. Sechs Kinder werden noch immer vermisst.
Die genauen Umstände des Unglücks sind bislang ungeklärt. Nach Angaben der griechischen Küstenwache war das Fischerboot ohne Licht unterwegs und bewegte sich kaum mehr vorwärts. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen hatte die griechische Küstenwache beschlossen, das Boot zur nächstgelegenen Insel Farmakonisi zu schleppen, dabei sei das Boot plötzlich gekentert. Die überlebenden Zeugen berichten jedoch davon, dass ihr Boot von der griechischen Küstenwache mit großer Geschwindigkeit zurück zur türkischen Grenze gezogen wurde.
Derartige Pushback-Operationen der griechischen Küstenwache verletzen Völker- und Europarecht. Griechenland verweigert den Fliehenden, in Europa Schutz zu suchen. Amnesty International hat die griechische Regierung wiederholt aufgerufen, "Pushbacks" zu unterlassen. In dem Bericht "Frontier Europe: Human Rights Abuses on Greece’s border with Turkey" vom Juli 2013 hat Amnesty International etliche dieser Menschenrechtsverletzungen dokumentiert.
Nichtsdestotrotz berichten überlebende Flüchtlinge weiterhin, dass die griechische Küstenwache Flüchtlingsboote manövrierunfähig macht und Flüchtlinge auf offener See zurücklässt.
Amnesty International fordert die griechische Regierung auf, das Geschehen vom 20.Januar 2014 umfassend und unverzüglich aufzuklären und die Rettung von Menschenleben über den Schutz der nationalen Grenzen zu stellen.