Syrien: Behörden lassen immer mehr Menschen "verschwinden"
Demonstration in Aleppo im Juli 2012 für die Freilassung von Mohamed Bashir Arab, der im November 2011 verschleppt wurde
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30. August 2013 - Seit Beginn der Unruhen in Syrien vor zwei Jahren, die sich mittlerweile zu einem bewaffneten Konflikt ausgewachsen haben, haben die dortigen Behörden immer stärker von der Praxis des Verschwindenlassens Gebrauch gemacht, um Oppositionelle zum Schweigen zu bringen und ihre Freunde und Verwandten einzuschüchtern.
Tausende Personen sind festgenommen worden, und viele von ihnen werden ohne Kontakt zur Außenwelt an unbekannten Orten festgehalten, wo Folter und andere Misshandlungen an der Tagesordnung sein sollen. Bereits in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren "verschwanden" in Syrien etwa 17.000 Menschen, die meisten von ihnen Islamisten.
Der Fall des Menschenrechtsanwalts Khalil Ma’touq
Der syrische Menschenrechtsanwalt Khalil Ma’touq machte sich am 2. Oktober 2012 mit seinem Freund und Assistenten Mohammad Thatha auf den Weg in sein Büro, aber die beiden Männer kamen nie dort an. Man geht davon aus, dass sie an einem Kontrollpunkt der syrischen Regierung festgenommen wurden.
Im Februar 2013 stellte eine Gruppe Rechtsanwälte einen Antrag auf Informationsfreigabe, woraufhin ein Staatsanwalt in Damaskus die Inhaftierung von Khalil Ma’touq bestritt. Allerdings berichteten andere ehemalige Inhaftierte, die etwa zur selben Zeit aus der Abteilung 285 der Staatssicherheit im Stadtteil Kafr Soussa von Damaskus frei kamen, ihn dort gesehen zu haben.
Im April teilte der Rechtsbeistand von Khalil Ma’touq Amnesty International mit, er habe von einem Staatssicherheitsbeamten erfahren, dass sein Mandant Ende März in eine Einrichtung des Luftwaffengeheimdienstes verlegt worden war.
Den beiden Männern nahestehende Personen haben eine Reihe inoffizieller Hinweise erhalten, die darauf hindeuten, dass Khalil Ma’touq bei sehr schlechter Gesundheit ist – er soll an einer fortgeschrittenen Lungenerkrankung leiden und starke Atemprobleme haben. Er muss regelmäßig Medikamente einnehmen und daher ständig medizinisch überwacht werden.
Khalil Ma’touq hat über die Jahre vielen syrischen Opfern von Menschenrechtsverletzungen rechtlichen Beistand geleistet. Er hat hunderte politische Häftlinge, Journalisten und gewaltlose politische Gefangene verteidigt, u. a. vor dem Obersten Staatssicherheitsgericht, dessen Verfahren den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren bei Weitem nicht entsprachen und das 2011 abgeschafft wurde.
Fotostrecke
Amnesty International hat in dieser Slide-Show Informationen gesammelt zu Personen, die in Syrien verschleppt worden waren oder die nach wie vor "verschwunden" sind:
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Online-Aktion von Amnesty International
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