Aktuell 10. Juli 2013

Türkei: Friedliche Demonstranten vom Taksim-Platz müssen freigelassen werden

Die türkische Polizei räumte den Gezi-Park mit Tränengas und Wasserwerfern

Die türkische Polizei räumte den Gezi-Park mit Tränengas und Wasserwerfern

9. Juli 2013 - Die türkischen Behörden müssen die am 8. Juli auf dem Taksim-Platz festgenommenen friedlichen Demonstranten unverzüglich freilassen. Außerdem müssen sie den Vorwürfen über einen übermäßigen Einsatz von Polizeigewalt nachgehen. Die Beamten waren mit Tränengas und Wasserwerfern vorgegangen, um den Platz und den benachbarten Gezi-Park zu räumen.

"Die türkischen Behörden sind in der Pflicht, sicherzustellen, dass sich Menschen friedlich versammeln und ihre Meinung frei äußern können", sagte John Dalhuisen, stellvertretender Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International.
"Es ist zwingend notwendig, dass eine unparteiische Untersuchung der Vorwürfe über Misshandlungen durch die Polizei so bald wie möglich durchgeführt wird, und jene, die Verbrechen begangen haben, vor Gericht gestellt werden."

Laut der Istanbuler Ärztevereinigung wurden gestern mindestens 30 Menschen verletzt. Darunter ist ein 17-jähriger Mann, der sich in einem kritischen Zustand befindet, nachdem er von einer Gasflasche am Kopf getroffen wurde.

Der Gezi-Park wurde am 8. Juli nach einem dreiwöchigen Zutrittsverbot kurz für den öffentlichen Zugang geöffnet. Gegen 15 Uhr eröffnete der Gouverneur von Istanbul Hüseyin Avni Mutlu den Park. Nach und nach füllte sich der Park mit AktivistInnen und anderen Teilen der Öffentlichkeit. Die Protestgruppe "Taksim Solidarity" hatte zuvor zu einer öffentlichen Versammlung um 19 Uhr im Park aufgerufen. Allerdings teilte die Polizei den Menschen im Park schon um 18 Uhr mit, dass sie den Platz verlassen müssten. Kurz darauf eröffneten sie das Feuer mit Tränengas und Gummigeschossen. Die Polizei weitete Ihre Präsenz in die umliegenden Gebiete aus, unter anderem auch in die belebte Einkaufsstraße Istiklal und blieb bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz.

"Das Verhalten der Polizei in und um den Taksim-Platz herum ist eine traurige Rückkehr zum Vorgehen, welche die jüngste Welle von Protesten in der Türkei provoziert hatte. Es scheint, dass die türkischen Behörden entschlossener denn je sind, Menschen mit abweichenden Meinungen daran zu hindern, sich am Taksim-Platz zu versammeln. ", sagte John Dalhuisen.

Unter den Festgenommenen sind Vertreter der "Taksim Solidarity", wie zum Beispiel Generalsekretär der Istanbuler Ärztevereinigung, Ali Çerkezoğlu, und der Generalsekretär der Kammer der Architekten, Mücella Yapici.

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