Türkei 03. Juni 2013

Türkei: Übermäßige Polizeigewalt überschattet friedliche Proteste

Wir respektieren deine Privatsphäre und stellen deshalb ohne dein Einverständnis keine Verbindung zu YouTube her. Hier kannst du deine Einstellungen verwalten um eine Verbindung zu den Social Media-Kanälen herzustellen.
Datenschutz Einstellungen Verwalten

4. Juni 2013 - Über 2000 Verletzte und weit über 1000 Festnahmen – dies ist die Bilanz der von übermäßiger Polizeigewalt überschatteten zumeist friedlichen Proteste in der Türkei. Amnesty fordert die türkischen Behörden auf, unverzüglich eine unparteiische Untersuchung einzuleiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Begonnen hatten die Demonstrationen Anfang vergangener Woche in Istanbul, als einige Dutzend Umweltaktivisten gegen das Fällen von Bäumen im Gezi-Park, im Zentrum der türkischen Stadt, protestierten. Sie richteten sich gegen Pläne, nach denen der einzige Park im Zentrum Istanbuls in ein Einkaufszentrum mit Luxuswohnungen umgewandelt werden soll. Als die Polizei begann, gegen die friedlichen Demonstranten einzuschreiten, wuchs die Zahl der Protestierenden.

Am Donnerstag setzte die Polizei massive Gewalt, darunter Wasserwerfer, Tränengas und Knüppel, gegen die Demonstranten ein. Es gab erste Verletzte, woraufhin sich Tausende Istanbuler Bürger wegen der Gewalt empörten und mit den Demonstranten solidarisierten und zum Taksim-Platz strömten. Am Freitag nahm die Gewalt weiter zu, die Polizei griff exzessiv die zumeist friedlichen Demonstranten an.

Amnesty erhielt Berichte, dass mehr als 2000 Menschen verletzt und weit über 1000 Personen festgenommen worden seien. Zwei Menschen sollen zu Tode gekommen sein. Es soll auch zu ernsthaften Misshandlungen in Haft gekommen sein. Nach Auskunft der türkischen Ärztekammer seien viele Bürger in Krankenhäusern behandelt worden. Insbesondere der unangemessene Einsatz von Tränengas durch die Polizei habe bei vielen Demonstranten zu gesundheitlichen Schäden geführt. Es wurden Augenverletzungen sowie Verletzungen am Kopf und anderen Körperteilen durch Tränengas-Geschosse gemeldet. 20 Personen befänden sich in einem kritischen Zustand.

Die Proteste sprangen in der Folge in andere Stadtteile von Istanbul und in zahlreiche Städte der Türkei über. Von dort wurden ebenfalls Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei und exzessive Polizeigewalt gemeldet. Nach nationalen und internationalen Protesten gegen die brutale Polizeigewalt wurde am Samstagnachmittag die Polizei vom Taksim-Platz zurückgezogen und die Demonstranten konnten ihren friedlichen Protest gegen die Regierung fortsetzen. Seit einigen Stunden wird von keinem der vielen Demonstrationsorte in der Türkei mehr Gewalt gemeldet.

Amnesty fordert die türkischen Behörden auf, die exzessive Polizeigewalt unverzüglich unparteiisch und wirksam zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In Zukunft müssen friedliche Proteste zugelassen werden und es darf keine Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten angewendet werden.

Werden Sie aktiv!

Werden Sie aktiv und beteiligen Sie sich jetzt an unserer Online-Aktion! Schreiben Sie eine E-Mail an den türkischen Premierminister und fordern Sie ein Ende der exzessiven Gewalt gegen friedliche Demonstrierende und eine umgehende unabhängige Untersuchung der Berichte über unverhältnismäßige Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte.

Senden Sie Ihre Appelle auch als Nachricht auf der Facebook-Seite der Botschaft: Zur Facebook-Seite

Schicken Sie auch Nachrichten an die Twitter-Adresse siehe: Zum Twitter-Feed der Botschaft

Senden Sie z.B. folgenden Tweet:

.@TC_BerlinBE Die exzessive #Polizeigewalt gegen Demonstranten in der Türkei muss unverzüglich untersucht werden! #OccupyGezi

.@RT_Erdogan Protests in #Taksim Square have been peaceful. Stop the use of tear gas and water cannons on peaceful protestors. @aforgutu

Türkçe konuşan destekleyenler için / Für unsere türkischsprachigen UnterstützerInnen:

Uluslararasi Af Örgütü Türk yetkililerindan derhal ve tarafsiz bir şekilde aşırı polis şiddetini soruşturmaya ve sorumlulardan hesap sorulmasini talep etmektedir. Gelecekte barısçıl gösterilere izin verilmelidir. Bu göstericilere karşı hiçbir zaman polis şiddeti uygulanmamalıdır.

(Anm. der Redaktion: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 3. Juni veröffentlicht und am 4. Juni mit aktuell vorliegenden Zahlen aktualisiert.)

Mehr dazu

Amnesty Journal 06/07 2017 Kasachstan

Unerwünschte Berichte

Die fünf früheren zentralasiatischen Sowjetrepubliken stehen auf der Liste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen seit Jahren ganz weit unten. Finanzieller und juristischer Druck von oben sollen eine kritische Berichterstattung zum Erliegen bringen.

Amnesty Journal 06/07 2017 China

Zermürbt von den Zensoren

China ist das Land mit den meisten Zeitungen weltweit. Doch politische Zensur und wirtschaftlicher Druck machen Journalisten das Leben schwer.

Amnesty Journal 06/07 2017 Ägypten

Unterdrücktes Lachen

In der arabischen Welt hat sich seit dem Aufstandsjahr 2011 Satire als Form politischer und gesellschaftlicher Kritik fest etabliert - sehr zum Missfallen der verspotteten Machthaber.

Amnesty Journal 06/07 2017 Aserbaidschan

Immer auf die Presse

Weltweit wird die Meinungs- und Pressefreiheit infrage gestellt - von Mexiko bis Bangladesch. Staatliche Autoritäten, Paramilitärs und konservative Kleriker gehen gegen kritische Journalisten vor.

Amnesty Report Timor-Leste

Timor-Leste 2017

Die Opfer der schweren Menschenrechtsverletzungen während der indonesischen Besatzung von 1975 bis 1999 forderten weiterhin Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Angehörigen der Sicherheitskräfte wurden rechtswidrige Tötungen, Folter und andere Misshandlungen sowie willkürliche Festnahmen und Einschränkungen der Rechte auf Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung vorgeworfen.

Amnesty Report Thailand

Thailand 2017

Berichtszeitraum: 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2016

**Amtliche Bezeichnung:** Königreich Thailand
**Staatsoberhaupt:** König Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun (folgte im Dezember 2016 auf König Bhumibol Adulyadej)
**Regierungschef:** Prayuth Chan-ocha

[INDEX]

Amnesty Report Tansania

Tansania 2017

Die Rechte auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung wurden eingeschränkt. Die staatlichen Stellen trafen keine Maßnahmen gegen Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung.

Amnesty Report Swasiland

Swasiland 2017

Gesetze wurden in Swasiland 2016 weiterhin dazu benutzt, abweichende Meinungen zu unterdrücken. Das Hohe Gericht entschied, dass zwei Sicherheitsgesetze die in der Verfassung geschützten Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit verletzten. Die Untersuchungsergebnisse über einen Todesfall in Polizeigewahrsam wurden nicht veröffentlicht. Der Schutz vor Folter und anderen Misshand...

Amnesty Report Südsudan

Südsudan 2017

Trotz des 2015 vereinbarten Abkommens über die Beilegung des Konflikts in der Republik Südsudan gingen die bewaffneten Kämpfe zwischen Einheiten der Regierung und der Opposition und die damit verbundenen Verstöße gegen internationale Menschenrechtsnormen und das humanitäre Völkerrecht im Jahr 2016 weiter. Im April wurde eine Übergangsregierung der nationalen Einheit gebildet, die aber nach heftige...