Viele chinesische AktivistInnen nach Freilassung von Ai Weiwei weiter in Haft
Ai Weiwei (rechts) mit seinem Freund Wen Tao
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23. Juni 2011 - Der Künstler Ai Weiwei wurde am 22. Juni von der chinesischen Regierung auf Kaution aus der Haft entlassen. Dieser Umstand darf den internationalen Protest gegen die Festnahme anderer Aktivisten und Aktivistinnen nicht zum Schweigen bringen.
Am 23. Juni wurde auch Ai Weiweis Cousin Zhang Jingsong freigelassen. Zhang Jingsong (alias Xiao Pang) ist als Fahrer für Ai Weiwei tätig und war am 10. April von der Polizei festgenommen worden.
"Die Freilassung von Ai Weiwei ist ein positiver Schritt, aber nur ein kleiner. Die Freilassung erfolgte nur auf Kaution und seine lange Haft ohne Anklage war, selbst nach den chinesischen Gesetzen, illegal," sagte Maja Liebing, Asien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland. "Ai Weiwei muss nun seine vollständige Freiheit zugestanden werden. Er darf nicht unter illegalen Hausarrest gestellt werden - wie so viele andere, die kürzlich aus der willkürlichen Haft entlassen wurden."
"Offenbar will die chinesische Regierung vor dem Besuch des Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Deutschland gut Wetter machen," sagte Maja Liebing weiter. "Neben Ai Weiwei sind seit Februar über 130 Internet-Aktivisten festgenommen worden, die zu Protesten nach dem Vorbild der "Jasmin-Revolution" aufgerufen hatten. Seine Freilassung auf Kaution ändert nichts an der Menschenrechtslage in China."
Sowohl Ai Weiwei als auch Zhang Jingsong sollen direkt nach ihrer Freilassung unter Hausarrest gestellt worden sein. Es ist ihnen bislang nicht möglich gewesen, öffentlich über ihre Haftbedingungen zu sprechen.
Amnesty International fordert weiterhin die sofortige Freilassung der drei weiteren MitarbeiterInnen von Ai Weiwei, die kurz nach seiner Festnahme am 3. April verschwunden sind. Ai Weiweis Freund und Assistent Wen Tao wurde am gleichen Tag in Peking festgenommen. Wen Tao war früher Journalist, musste seinen Arbeitsplatz jedoch aufgeben, nachdem er 2010 einen Artikel über einen Protest gegen den Abriss eines Künstlerdorfes in Peking geschrieben hatte. Die Buchhalterin von Ai Weiwei, Hu Mingfen, wurde am 8. April von der Polizei abgeführt. Seither hat niemand etwas von ihr gehört, vermutlich befindet sie sich ebenfalls in Haft. Am 9. April nahmen PolizeibeamtInnen in Zivil auch Liu Zhenggang mit. Der Designer arbeitet in der Firma von Ai Weiwei. Seine Frau meldete ihn als vermisst.
"Je länger die drei vermisst werden, umso mehr fürchten wir um ihre Sicherheit," sagte Maja Liebing.
Nachtrag vom 27.06.2011: Die drei bislang vermissten MitarbeiterInnen von Ai Weiwei wurden Ende vergangener Woche freigelassen. Weitere Informationen in Kürze.
Weiterlesen auf www.amnesty.org: Chinese government attempts to deflect criticism with Ai Weiwei release
(Aktualisiert am 23. Juni 2011, 17:15)