Aktuell 14. April 2011

Tschad: Kein Zuhause, keine Gerechtigkeit, keine Würde

Ruinen zerstörter Häuser in N'Djamena.

Ruinen zerstörter Häuser in N'Djamena.

Mehr als drei Jahre nach den ersten rechtswidrigen Massenzwangsräumungen in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena warten die Betroffenen noch immer auf Gerechtigkeit. Zehntausende Menschen wurden seit Februar 2008 aus ihren Häusern vertrieben, ohne vorher informiert worden zu sein oder eine Entschädigung erhalten zu haben. Tausende Menschen haben durch rechtswidrige Zwangsräumungen ihr Zuhause und ihre Arbeit verloren.

Im Februar 2008 ordnete der tschadische Präsident, Idriss Deby Itno, die Zerstörung von vermeintlich illegal erbauten Gebäuden und Bauwerken in N’Djamena an, obwohl ein Teil der Gebäude mit Baugenehmigung errichtet wurde. Von Januar 2008 bis Juli 2009 wurden 3700 Gebäude zerstört. Die einstweiligen Verfügungen, die mehrere Bewohner vor Gericht gegen die Zwangsräumungen erwirkt hatten, wurden vom Bürgermeister von N’Djamena missachtet.

Ende 2010 und Anfang 2011 wurden in Toukra, einem Stadtteil von N’Djamena, mehrere Häuser zerstört. Die Grundstücke sollen Menschen zugewiesen werden, die Mitte 2010 in Walia, einem anderen Stadtteil von N’Djamena, ihre Häuser im Zuge von rechtswidrigen Zwangsräumungen verloren haben.

Aktuell fürchten mehr als 10.000 Menschen in Ambetta, einem weiteren Stadtteil N’Djamenas, um den Verlust ihrer Häuser. Im Mai 2010 wurde ihnen von den Behörden mitgeteilt, dass auf dem Gelände neue Gebäude entstehen sollen und die Bewohner ihre Häuser daher verlassen müssten.

Amnesty International fordert von der tschadischen Regierung den Stopp aller rechtswidriger Zwangsräumungen und die Inkraftsetzung von Richtlinien für Zwangsräumungen entsprechend internationaler Menschenrechtsstandards.

In dem neuen Bericht "No Homes, No Justice, No Dignity" dokumentiert Amnesty International das Schicksal der Menschen im Tschad, die seit Februar 2008 von den Zwangsräumungen betroffen waren.

Weiterlesen: Bericht "No Homes, No Justice, No Dignity" (PDF)

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