Monika Lüke - Generalsekretärin der deutschen Sektion
Monika Lüke - Generalsekretärin von Amnesty Deutschland
© Amnesty International
Seit dem 1. Juli 2009 hat Monika Lüke die Leitung des Sekretariats der viertgrößten Amnesty-Sektion inne. Gegen den Teufelskreis von Armut und Menschenrechtsverletzungen vorzugehen, ist einer ihrer Schwerpunkte.
Sie hat für sauberes Trinkwasser im größten Slum Kenias gesorgt, den Afrikanischen Menschengerichtshof juristisch unterstützt, Politikberatung in Brüssel betrieben und Frauenrechte in Kambodscha gestärkt. So unterschiedlich die Arbeitsgebiete und Einsatzorte von Monika Lüke in den letzten zwölf Jahren erscheinen, es gibt einen roten Faden, der sie verbindet: die Menschenrechte – politische und bürgerliche ebenso wie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte.
Ihre aktive Menschenrechtsarbeit begann während ihres Jurastudiums in Bonn. Die damals 21-jährige Studentin engagierte sich ehrenamtlich als Asylberaterin für Amnesty International. Nach einem Studienaufenthalt in Großbritannien und ihrer Promotion an der Berliner Humboldt-Universität über "Immunität staatlicher Funktionsträger bei schweren Menschenrechtsverletzungen" ging Monika Lüke nach London. Zwei Jahre beriet sie als Projektleiterin eines Forschungsinstitutes unter anderem das britische Außenministerium bei der Umsetzung des Statuts für den Internationalen Strafgerichtshof. Es folgten fünf Jahre in Brüssel und Berlin. Als Politikberaterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stritt Monika Lüke dann bis 2005 vor allem für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten in der Europäischen Union (EU). Eine der Herausforderungen war es, gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen eine einheitliche und dadurch stärkere Position gegen die EU-Abschottungspolitik zu finden. Diese Herausforderung bleibt Monika Lüke auf ihrer Stelle als Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland erhalten.
"Menschenrechte durchzusetzen bedeutet auch, Menschen überhaupt erst Zugang zum Recht zu verschaffen. Viele können sich keinen Anwalt leisten. Gerichte sind für sie unerreichbar. Und gerade wer nicht lesen und schreiben kann, kennt seine Rechte oft gar nicht und kann sie nicht wahrnehmen. Das zu ändern, ist in der Praxis schwierig." Wie schwierig, hat Monika Lüke unter anderem als Projektleiterin der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Kenia und Kambodscha erlebt. In Kibera bei Nairobi, einem der größten Slums Afrikas, leben zwischen einer und drei Millionen Menschen. In Kibera fehlt es an allem: An Nahrung, Medizin, an Trinkwasser – und an Bildung. "Und das, obwohl es in Kenia das Recht auf kostenlose Schulbildung gibt. Aber es gibt auch die Pflicht, Schuluniformen zu tragen, und die können sich viele Familien wiederum nicht leisten," sagt Monika Lüke. "Armut an sich ist noch keine Menschenrechtsverletzung," so die Generalsekretärin von Amnesty in Deutschland. "Aber Armut führt häufig zu Menschenrechtsverletzungen. Und umgekehrt führen Menschenrechtsverletzungen häufig in die Armut und halten Menschen darin gefangen. Dagegen vorzugehen, wird einer unserer Schwerpunkte in den nächsten Jahren sein."
Im Januar 2008 wechselte Monika Lüke von Kenia nach Kambodscha, um dort für die GTZ ein Projekt zur Stärkung der Frauenrechte zu leiten. Gleichzeitig arbeitete sie als Koordinatorin für das Auswärtige Amt, um die Opferrechte bei den Verfahren des Khmer-Rouge-Tribunals zu stärken. Auf den Killing Fields hat eine ganze Generation seine Eltern verloren. Erstmals dürfen die Opfer des Pol-Pot-Regimes Nebenklage erheben.
Ihre internationalen und politischen Erfahrungen, ihr Fachwissen und ihr strategisches Geschick, vor allem aber ihre Kenntnisse aus der praktischen Arbeit will Monika Lüke in ihrem neuen Amt gewinnbringend einsetzen. Die Juristin weiß: "Die Diskussion um Menschenrechte ist falsch verstanden, wenn man sie nur als juristische Debatte sieht. Alle Menschen können sich für die Menschenrechte einsetzen, und zwar ganz gleich, welche Herkunft sie haben, welchen Job sie machen oder gerade verloren haben. Dafür steht Amnesty International als Bewegung, und dafür werde ich mich einsetzen."