Aktuell Mexiko 08. April 2009

Marcela Blumenkron Romero: Das Ringen um ein angstfreies Leben

Marcela Blumenkron

Marcela Blumenkron

Ein sicheres und friedliches Leben ist für Marcla Blumenkron Romero, wie für viele andere mexikanische Frauen, keineswegs selbstverständlich. Nachdem sie sich 1993 von ihrem Ehemann scheiden ließ, belästigte und bedrohte er sie permanent. Ihre unzähligen Notrufe an die Polizei blieben jedoch ohne Reaktion. Die Behörden sahen tatenlos zu, wie er Marcela wieder und wieder terrorisierte. Die Begründung: Sie muss die privaten Probleme mit ihrem geschiedenen Mann alleine klären. Nach mehreren Morddrohungen wandte sie sich im August 2005 erneut verzweifelt an die Polizei. Dank ihrer Beharrlichkeit wurde ihr Ex-Mann schließlich verhaftet und einem lokalen Polizeichef vorgeführt. Nach dem Verhör sagte man Marcela, dass keine akute Gefahr von ihm ausgehe. Die Polizei ließ ihren Peiniger frei. Zwei Wochen später brach er in ihr Haus ein und fügte ihr mit einem Messer so schwere Stichverletzungen zu, dass sie monatelang an einer Lähmung litt. Doch weder von ihrem Ex-Mann noch vom Staat erhält sie eine Entschädigung für das Verbrechen. Das Gerichtsurteil zu einer zehnjährigen Haftstrafe – ein Schritt in die richtige Richtung. Unverzeihlich bleibt jedoch, dass diese Tat hätte verhindert werden können, wenn die Polizei Marcelas Angaben ernst genommen hätte. Die 49-jährige Mutter von vier Kindern lebte weiterhin in Angst vor der Rache ihres Ex-Mannes.

Sie wandte sich schließlich an Amnesty International, um Unterstützung zu erhalten. Dank Amnesty wurden zahlreiche Menschen auf ihren Fall aufmerksam. Nicht zuletzt durch diesen gesteigerten öffentlichen Druck erhöhte ein Gericht die Strafe für Marcelas Ex-Mann auf 13 Jahre. Mittlerweile fühlt sie sich sicherer. Sie weiß nun, dass es mit Amnesty eine Anlaufstelle gibt, die sie im Falle erneuter Bedrohungen ernst nimmt.

Ein erster Schritt: Das Gesetz zum Schutz von Frauen vor Gewalt

Marcelas Fall hat ein Bewusstsein für die erschreckende Situation vieler mexikanischer Frauen geschaffen. Er ist gleichzeitig aber auch ein Zeichen dafür, dass sich etwas verändern kann. Bis alle Opfer von Gewalttaten in Sicherheit und Frieden leben können, ist es allerdings noch ein langer Weg. Ein erster wichtiger Schritt wurde in Mexiko im Februar 2007 mit der Erlassung des Allgemeinen Gesetzes für einen Zugang der Frauen zu einem Leben frei von Gewalt getan. Seit dem 20. Januar 2009 liegt es in einer neuen Fassung vor. Drei der 31 mexikanischen Staaten haben das Gesetz jedoch noch immer nicht unterzeichnet. Erst fünf haben konkretere Richtlinien zu dessen Umsetzung entworfen. Amnesty International ruft deshalb alle Staaten Mexikos dazu auf, das Gesetz im Jahr 2009 zu unterzeichnen und durchzusetzen. Zunächst sollen die Behörden der mexikanischen Bundesstaaten Morelos und Sonora zu konkreten Schritten zur Umsetzung des Allgemeinen Gesetzes zum Schutz von Frauen vor Gewalt bewegt werden. Sie sollen als Vorbilder für andere Bundesstaaten dienen.

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