Pressemitteilung Aktuell 13. Oktober 2026

Palästinensischer Kinderrechtsanwalt Khaled Quzmar erhält Amnesty-Menschenrechtspreis 2026

Porträtfoto von Khaled Quzmar

Der palästinensische Rechtsanwalt und Kinderrechtsexperte Khaled Quzmar (Aufnahme vom Juli 2026)

Der diesjährige Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland geht an den palästinensischen Rechtsanwalt Khaled Quzmar. Er erhält die Auszeichnung für seinen langjährigen Einsatz für die Rechte von Kindern im illegal besetzten Palästinensischen Gebiet. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. 

Als international anerkannter Kinderrechtsexperte hat Quzmar entscheidend dazu beigetragen, die strukturellen und systematischen Menschenrechtsverletzungen an palästinensischen Kindern offenzulegen und Forderungen nach Aufarbeitung und Rechenschaftspflicht ins Zentrum der Debatte zu rücken. Er hat Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland, in Gaza und in Ostjerusalem für UN-Gremien und internationale Gerichte dokumentiert und zahllosen Kindern und ihren Familien Rechtsbeistand und psychosoziale Unterstützung ermöglicht. 

Wegen seiner Arbeit ist der in Ramallah ansässige Quzmar massivem Druck, Repressionen und Diffamierungen durch israelische Behörden ausgesetzt. Unter anderem wurde er vom israelischen Geheimdienst vorgeladen und mit einer langen Haftstrafe bedroht. In seiner Rolle als langjähriger Generaldirektor von Defense For Children International - Palestine (DCI-P) sah er sich aufgrund der anhaltenden Schikanen gegen die Organisation dazu gezwungen, diese im Frühjahr 2026 nach über 35 Jahren aufzulösen. Seit Juni 2026 ist er als Geschäftsführender Direktor der Organisation Palestinian Center for Child Rights tätig. 

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, betont: "Khaled Quzmar gibt seit fast 40 Jahren unermüdlich und allen Widerständen zum Trotz der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppe Palästinas eine Stimme: den Kindern. Ihre erschütternde Lebenssituation ist die direkte Folge systematischer Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung, die sich in den letzten Jahren noch einmal deutlich verschärft hat. Eine Realität, durch die gerade ganze Generationen ihre Zukunft verlieren. Zu dieser Realität haben auch Verbündete der israelischen Regierung wie die USA und Deutschland beigetragen, die nicht nur die Augen vor den schweren Menschenrechtsverletzungen an Palästinenser*innen verschließen, sondern diese durch direkte Unterstützung wie Waffenlieferungen ermöglichen. Damit muss Schluss sein. Palästinensische Kinder brauchen sofort umfassenden Schutz!" 

Strukturelle Menschenrechtsverletzungen und systematische Diskriminierung 

Palästinensische Kinder sind seit Jahrzehnten schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen durch Besatzung, Blockade und Apartheid ausgesetzt. Seit der massiven Eskalation der Gewalt ab Oktober 2023 und dem Beginn des Genozids in Gaza hat sich die Lage für sie nochmals dramatisch verschärft. 

"Was oft als 'humanitäre Krise' dargestellt wird, ist die Folge politischer Entscheidungen der israelischen Regierung, die das Leben dieser Kinder systematisch zerstören. Es geht nicht nur um fehlende humanitäre Hilfe für Kinder in Gaza, Ostjerusalem und der Westbank. Es geht um ihr Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf Freiheit und Sicherheit, auf Bildung, auf Gesundheit und auf Wohnen – und darum, ob diese Menschenrechte auch für palästinensische Kinder tatsächlich gelten", so Julia Duchrow. 

In Gaza hat die israelische Armee seit Oktober 2023 mindestens 20.000 Kinder getötet, mehr als 17.000 haben ihre Familien verloren. Zehntausende Kinder leiden unter schweren Verletzungen, Hunger und Krankheiten, leben in zerstörter Infrastruktur und ohne Zugang zu grundlegender Versorgung, Schulen und Ausbildung. Im Westjordanland sind Kinder von staatlich unterstützter Siedlergewalt und Vertreibungen betroffen, auch hier werden Schulen und Infrastruktur systematisch zerstört.  

In israelischen Gefängnissen sind derzeit mindestens 350 Minderjährige teils für viele Jahre inhaftiert, wo sie Folter und Misshandlungen ausgesetzt sind. Sie werden häufig auf Grundlage von "Geständnissen" verurteilt, die unter Druck, Gewalt und ohne rechtlichen Beistand zustande gekommen sind. Mehr als die Hälfte von ihnen befinden sich in sogenannter Administrativhaft, was bedeutet, dass sie ohne Anklage auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Diese historisch hohe Zahl umfasst dabei lediglich die Kinder, die in regulären Gefängnissen festgehalten werden, die unter der Verwaltung der israelischen Gefängnisbehörde stehen. Hinzu kommen zahlreiche Minderjährige in militärischen Haftanstalten oder Verhörzentren, zu denen es keine offiziellen Angaben gibt.  

Weitere Informationen zur Lage palästinensischer Kinder erhalten Sie hier.  

Unterdrückung der palästinensischen Zivilgesellschaft 

Menschenrechtsverteidiger*innen und Menschenrechtsorganisationen im besetzten Palästinensischen Gebiet sind permanent von Repressionen durch die israelischen Behörden und Armee betroffen. Im Oktober 2021 wurde DCI-P, die Organisation, für die Quzmar viele Jahre tätig war, neben fünf weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen von Israel ohne Vorlage von Belegen zur "Terrororganisation" erklärt. Amnesty International, die Vereinten Nationen und zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft haben dies deutlich kritisiert. Auch die Bundesregierung und viele weitere EU-Partner teilten diese Einstufung nicht. Einschüchterungen, Diffamierungskampagnen, Verhöre, willkürliche Inhaftierungen sowie Haftstrafen und Misshandlungen von Mitarbeiter*innen einzelner Organisationen haben seit Amtsantritt der derzeitigen Regierungskoalition und insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 nochmals deutlich zugenommen.  

Der Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland 

Mit dem Menschenrechtspreis zeichnet Amnesty International in Deutschland alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich unter schwierigen Bedingungen für Menschenrechte einsetzen. Ziel des Preises ist es, das Engagement dieser Menschen zu würdigen, sie zu unterstützen und zu schützen sowie ihre Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. 2026 wird der Amnesty-Menschenrechtspreis zum 13. Mal verliehen. Bisherige Preisträger*innen waren unter anderem Eren Keskin (Türkei), Swetlana Gannuschkina (Russland), Alice Nkom (Kamerun), das Nadeem-Zentrum (Ägypten) und FEDEPESAN (Kolumbien). 

Terminhinweis 
Die Preisverleihung mit internationalen Gästen findet in Berlin am 25.11.2026 ab 18:00 Uhr im Silent Green im Rahmen einer Fachveranstaltung statt.

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