Artikel Türkei 04. Oktober 2017

Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger

Von der Fortbildung ins Gefängnis
Illustration der zehn inhaftierten Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger in der Türkei

Die Verfolgung kritischer Stimmen in der Türkei hat dramatisch zugenommen. Der Raum für Meinungsfreiheit schrumpft immer stärker. Die Polizei nahm im Juli 2017 in Istanbul zehn Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten fest, die an einer Fortbildung teilnahmen.

Geplant war eine routinemäßige Fortbildung für Menschen, die sich für die Rechte anderer einsetzen. Doch dann kam alles anders: Am dritten Tag des Workshops auf einer Insel bei Istanbul nahm die Polizei die zehn Teilnehmenden fest, unter ihnen ist neben dem deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner auch die Direktorin der türkischen Amnesty-Sektion, İdil Eser. Den zehn Teilnehmenden wird vorgeworfen, eine terroristische Organisation unterstützt zu haben.

Kurz zuvor war bereits Taner Kılıç, der Vorstandsvorsitzende von Amnesty in der Türkei inhaftiert worden. Er muss sich vor Gericht dem haltlosen Vorwurf stellen, er sei Mitglied einer terroristischen Organisation. Die Vorwürfe sind absurd und entbehren jeder Grundlage. Den elf Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern drohen mehrjährige Haftstrafen.

İdil Eser, Taner Kılıç und die anderen inhaftierten Menschenrechtsaktivist_innen haben sich stets für die Rechte anderer eingesetzt. Jetzt sind sie in Haft – in einer Zeit, in der ihr Einsatz notwendiger ist denn je. Fordere ihre Freilassung.

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„Jeder einzelne Tag in Haft ist einer zu viel“

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