Amnesty Journal 17. September 2014

Gemeinsam handeln

Junge Aktivisten aus aller Welt kamen im bulgarischen ­Sofia zusammen, um sich für einen besseren Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen einzusetzen. Das von ­Amnesty organisierte "Human Rights Camp" fand in ­diesem Jahr zum dritten Mal statt.

Von Deborah Jungbluth

80 Aktivisten aus 30 Ländern reisten Mitte Juli in die bulgarische Hauptstadt Sofia, um an einem einwöchigen "Human Rights Camp" teilzunehmen, das Amnesty International in diesem Jahr zum 3. Mal veranstaltete. Vorbereitet wurde das Treffen von Mitarbeitern der Amnesty-Büros in Brüssel und London, der bulgarischen Menschenrechtsorganisation "Bulgarian Helsinki Committee" (BHC) sowie Freiwilligen aus Sofia. Inhaltlich drehte sich das Treffen – in Fortsetzung der Camps auf Lampedusa und Lesbos 2012 und 2013 – um die Amnesty-Kampagne "S.O.S Europa", die Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen und Migranten an Europas Außengrenzen thematisiert.

Am ersten Tag wurden die Arbeit von Amnesty sowie die "S.O.S. Europa"-Kampagne vorgestellt. Beim anschließenden Quiz konnten auch langjährige Mitglieder noch einiges über Amnesty lernen. Lokale Experten und eine Amnesty-Mitarbeiterin erläuterten die bulgarische Geschichte und Politik, die aktuelle Situation von Flüchtlingen in dem südosteuropäischen Land und die Arbeit des BHC. Dass es jenseits von Zahlen und Fakten vor allem um individuelle Schicksale geht, wurde bei der anschließenden Veranstaltung im Kulturzentrum "Rotes Haus" in Sofia deutlich: Fotos der bulgarischen Künstlerin Vesselina Nikolaeva, die syrische Flüchtlinge in deren Unterkünften dokumentiert hat, und ein Kurzfilm des griechischen Fotojournalisten Giorgos Mutafis, der Flüchtlinge bei der Überquerung der EU-Außengrenzen begleitete, riefen bei den Besuchern Wut und Betroffenheit hervor und bestärkten sie in dem Wunsch, aktiv zu werden und ihre Stimmen gegen eine europäische Politik zu erheben, die dieses Leid maßgeblich mitverschuldet.

Am zweiten Tag standen die Themen "Kommunikation & Soziale Medien" und "Aktionen" im Mittelpunkt. Bulgarische Aktivisten stellten erfolgreiche Aktionen und vielfältige Formen des Engagements zugunsten von Flüchtlingen vor. Auch gab es im "Weltcafé" die Möglichkeit, sich über die Situation von Flüchtlingen in den Herkunftsländern der anderen Teilnehmer auszutauschen. Die letzten Tage des Camps standen im Zeichen der öffentlichen Aktion, die die Teilnehmer im Blitztempo auf die Beine gestellt hatten: Mit einem Schweigemarsch zogen sie durch die Haupteinkaufsstraße der bulgarischen Hauptstadt. Auch Flüchtlinge und weitere Sympathisanten schlossen sich dem Marsch an.

Derweil hatten am anderen Ende der Einkaufsstraße Amnesty-Mitglieder einen Grenzzaun aufgebaut und sich mit Anzügen und Masken als "EU-Politiker" verkleidet. Als der Schweigemarsch schließlich den Zaun erreichte, behängten ihn die Kundgebungsteilnehmer mit politischen Plakaten und persönlichen Habseligkeiten von Flüchtlingen. Es war ein bewegendes Bild, das von allen wichtigen Fernseh- und Radiosendern sowie Zeitungen Bulgariens verbreitet wurde.

Es gilt auch in Zukunft, die Stimme gegen die weitere Aufrüstung der "Festung Europa" zu erheben und die EU an ihre Verantwortung zu erinnern, die Menschenrechte zu schützen. Damit das Sterben an den EU-Außengrenzen ein Ende hat.

Weitere Artikel