"Pussy Riot" kämpft weiter
Endlich in Freiheit. Die beiden "Pussy Riot"-Aktivistinnen Maria Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa vor dem Kreml
© Sergey Ponomarev / laif
Ein 41 Sekunden dauernder Auftritt in einer Moskauer Kirche brachte drei junge Musikerinnen hinter Gitter. Seit Ende vergangenen Jahres sind die Mitglieder der russischen Punkband "Pussy Riot" wieder frei. Amnesty hatte sich zusammen mit vielen Tausenden Menschen weltweit für sie eingesetzt.
Von Thomas Beckmann
Sie werden weiterkämpfen. Daran ließen die gerade aus dem Straflager entlassenen Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt keinen Zweifel. Sofort nach ihrer Freilassung aus den Arbeitslagern hätten sie sich getroffen, um über neue Projekte zu sprechen, erklärten die beiden "Pussy Riot"-Sängerinnen auf einer Pressekonferenz in Moskau. Künftig wollen sie vor allem gegen Menschenrechtsverletzungen in russischen Gefängnissen kämpfen.
Der Grund für ihre Verurteilung war ein "Punk-Gebet" gegen den russischen Präsidenten Putin, das Tolokonnikowa und Aljochina gemeinsam mit Jekaterina Samuzewitsch im Februar 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale aufgeführt hatten. Im August 2012 wurden sie daraufhin von einem Moskauer Gericht zu zwei Jahren Haft wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verurteilt. Die drei Musikerinnen betrachteten das gesamte Verfahren als politischen Schauprozess. Amnesty stufte sie als gewaltlose politische Gefangene ein, da der Auftritt in der Moskauer Kathedrale eine legitime Meinungsäußerung war.
Während Samuzewitsch etwa zwei Monate nach dem Urteil in einem Berufungsverfahren auf Bewährung entlassen wurde, endete die Zeit im Straflager für Tolokonnikowa und Aljochina erst am 23. Dezember 2013 und damit lediglich zwei Monate vor dem regulären Entlassungstermin. Sie "profitierten" von einem durch den Kreml initiierten Amnestie-Gesetz, das vom russischen Parlament am 18. Dezember verabschiedet wurde. Aljochina wertete ihre Entlassung als öffentlichkeitswirksamen Schachzug von Präsident Putin im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Sotschi im Februar 2014.
Auch wenn die Amnestie in keiner Weise als positives Signal für die Entwicklung des russischen Rechtsstaats angesehen werden kann, freut sich Amnesty International, dass die Punk-Musikerinnen endlich wieder bei ihren Familien sein können.
Amnesty-Aktivisten hatten sich weltweit während der gesamten Haftzeit für die drei Künstlerinnen eingesetzt. In unzähligen Petitionsschreiben und Solidaritätsaktionen forderten sie eine sofortige Freilassung und Reformen des russischen Rechtssystems. Amnesty war Teil einer globalen Protestbewegung, an der sich Hunderttausende Menschen und viele andere Menschenrechtsorganisationen beteiligten. "Amnesty International dankt den vielen Unterstützern, die sich über lange Zeit mit uns beharrlich für die Haftentlassung eingesetzt haben. Dieses Engagement hat sicher zur vorzeitigen Freilassung beigetragen", erklärte Amnesty-Russlandexperte Peter Franck.
Auch der zehn Jahre lang inhaftierte Kremlkritiker und ehemalige Ölunternehmer Michail Chodorkowski wurde kurz vor Weihnachten freigelassen. Er wurde von Putin begnadigt. Die "Pussy Riot"-Mitglieder äußerten auf der Pressekonferenz nach ihrer Entlassung sogar die Hoffnung auf eine "konzeptuelle Zusammenarbeit" mit Chodorkowski.
Auch wenn sie, wie sie sagen, das Label "Pussy Riot" aufgeben wollen, wird ihr Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen in Russland weitergehen.