Amnesty Journal Brasilien 21. Mai 2014

Eine brasilianische Geschichte

Von Phyllis Bußler

"Wenn mein Kind krank wird, soll ich es dann ins Stadion bringen?", riefen die Protestierenden im vergangenen Juni, als in Brasilien die Menschen in Massen auf die Straße gingen, um für ein besseres Gesundheits- und Bildungssystem und gegen Korruption zu demonstrieren. Auch die extremen Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft wurden angeprangert. Wie wir wissen, ging die Polizei mit Gummiknüppeln, Tränengas und Wasserwerfern gegen die Protestierenden vor – selbst Journalisten wurden nicht verschont.

Doch die WM steht erst noch bevor: Den zu erwartenden Demonstrationen begegnen die Ausrichterstädte, indem sie weiter militärisch aufrüsten. Mit der geplanten Verabschiedung eines sogenannten Anti-Terrorgesetzes, das die Demonstrationsrechte erheblich einschränken soll, ist zudem eine weitere Kriminalisierung der Proteste zu erwarten.

2014 ist in Brasilien nicht nur das Jahr der WM – in diesem Frühjahr jährt sich auch der Militärputsch von 1964 zum 50. Mal. Mit dem Putsch brach eine mehr als zwei Jahrzehnte währende Militärdiktatur an, die von Repression, Folter und dem "Verschwindenlassen" von Personen geprägt war. Viele Andersdenkende suchten Asyl im Ausland. Schon damals kam Amnesty International eine wichtige Rolle zu, als sich Kölner Mitglieder für politisch Verfolgte in Brasilien einsetzten und damit die Brasilienarbeit der deutschen Sektion begründeten.

Die Folgen des Militärregimes zeigen sich noch heute, etwa im repressiven Umgang mit Protesten. Damit sieht sich auch das Amnesty-Büro in Rio de Janeiro konfrontiert, das vor zwei Jahren gegründet wurde. Das Amnesty-Team demonstrierte im vergangenen Jahr mit – und bekam Pfefferspray und Tränengas der Polizei am eigenen Leib zu spüren. Die Herausforderungen, vor denen das noch junge Büro steht, schildert der Generalsekretär der brasilianischen Sektion Atila Roque.

Phyllis Bußler ist Sprecherin der Brasilienkoordinationsgruppe der deutschen Amnesty-Sektion.

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