Amnesty Journal Rumänien 15. März 2011

Cristina und ihre Attrappe

oder Was (nicht) in den Securitate Akten steht. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller beschreibt, mit welchen Maßnahmen der Geheimdienst Securitate versuchte, sie zu diskreditieren.

Im Jahr 2004 war ich in Bukarest und wurde dort vorstellig, um meinem wiederholten Gesuch nach Akteneinsicht Nachdruck zu verleihen. Ich wunderte mich, am Eingang standen drei junge Damen in Neonglanzstrümpfen, Minikleidern mit tiefem Dekolleté, als käme man in ein Erotic-Center. Und zwischen den Damen stand ein Soldat mit dem Maschinengewehr auf der Schulter, als käme man in eine höchstgeheime Militärkaserne. Der Behördenchef ließ sich verleugnen, obwohl ich mit ihm verabredet war.

Meine Akte sei unauffindbar, hieß es. Doch in diesem Frühjahr stieß eine Forschergruppe nach und nach auf die Akten der rumäniendeutschen Autoren der »Aktionsgruppe Banat«. Die Securitate hatte für jede Minderheit eine spezialisierte Abteilung. Für die Deutschen hieß sie »Deutsche Nationalisten und Faschisten«, die ungarische Sektion hieß »Ungarische Irredentisten«, die jüdische »Jüdische Nationalisten«. Allein rumänische Schriftsteller hatten die Ehre von der Abteilung »Kunst und Kultur« beobachtet zu werden.

Plötzlich fand sich auch meine Akte unter dem Namen CRISTINA. Drei Bände, 914 Seiten. Am 8. März 1983 soll sie angelegt worden sein – sie enthält jedoch Dokumente auch aus Jahren davor. Grund für die Eröffnung der Akte: »Tendenziöse Verzerrungen der Realitäten im Land, insbesondere im dörflichen Milieu« in meinem Buch »Niederungen«. »Textanalysen« von Spitzeln untermauern das. Und ich gehöre zu einem »Zirkel deutschsprachiger Dichter, der bekannt ist für seine feindseligen Arbeiten«.

Die Akte ist ein Machwerk der alten Securitate im Namen des SRI (Nachfolgeorganisation des Geheimdienstes Securitate, Anm. d. Red.). Zehn Jahre hatte dieser alle Zeit, um daran zu ­»arbeiten«. Frisieren kann man es nicht nennen, die Akte ist ­regelrecht entkernt. Die zentralen Dinge sind getilgt und alles, wodurch die hauptamtlichen Securisten sich selbst belasten würden. Diese Säuberung ist kein Einzelfall. Andrei Plesu, der bei der Gründung der CNSAS (Behörde zur Aufarbeitung der Securitate-Akten, Anm. d. Red.) Mitglied im Kuratorium der Behörde war, hat dieses Gremium aus Verbitterung und Protest längst verlassen. Er hatte seine Aktenbände einmal im Archiv gesehen, wußte daß sie etwa 2.000 Seiten dick waren. Als man sie ihm dann endlich aushändigte, bestanden sie nur noch aus 70 Seiten.

Per Gesetz wurde die CNSAS außer der Akteinsicht auch verpflichtet, die Klarnamen der Spitzel zu eruieren. Von allen, die bisher Einsicht in ihre Akte bekamen, hört man jedoch dasselbe: Aus der langen Liste der Spitzel hat die Behörde sich einen ein­zigen herausgesucht, seinen Klarnamen mitgeteilt. Und dieser einzige ist in der Akte entweder marginal, oder er ist schon tot. Den entscheidenden Spitzeln, dem permanenten, dicken Verrat scheint die Behörde nicht auf die Spur kommen zu wollen. Ein Boykott? Arbeitet die Behörde etwa gegen sich selbst? Aber in wessen Auftrag?

Nach dem Studium arbeitete ich 3 Jahre in der Traktoren­fabrik TEHNOMETAL, in der ich Übersetzerin war. Die 3 Jahre kommen mit keinem Wort in meiner Akte vor. Für die Montage und Wartung der aus der DDR, Österreich, der Schweiz importierten Maschinen übersetzte ich dazugehörende Beschreibungen. 2 Jahre saß ich mit 4 Buchhaltern im Büro. Sie berechneten die Gehälter der Arbeiter, ich wälzte meine dicken technischen Wörterbücher. Da ich Philologie studiert hatte, verstand ich nichts von hydraulischen oder nichthydraulischen Pressen, ­Hebeln oder Gewinden. Wenn im Wörterbuch 3, 4 oder gar 7 ­Begriffe zur Wahl standen, ging ich in die Halle und fragte die Arbeiter. Sie sagten mir das richtige rumänische Wort ohne Deutschkenntnisse – sie kannten die Maschinen. Im dritten Jahr wurde ein »Protokollbüro« eingerichtet. Der Direktor versetzte mich dorthin zu 2 neu eingestellten Übersetzerinnen, eine für Französisch, eine für Englisch. Die Französisch-Dame war die Frau eines Universitätsprofessors, von dem es schon zu meiner Studienzeit hieß, er sei ein Geheimdienstmann.

Die Englisch-Dame war die Schwiegertochter des zweithöchsten Geheimdienstlers der Stadt. Den Schlüssel zur Mitteltür des Aktenschranks hatten nur die beiden. Wenn ausländische Fachleute kamen, mußte ich das Büro verlassen. Dann sollte ich offenbar für dieses Büro tauglich gemacht werden durch zwei Anwerbeversuche des Geheimdienstlers Stana. Nach der zweiten Verweigerung schleuderte er die Blumenvase mit den Tulpen an die Wand. Durch die Wasserlache und Glasscherben ging er zur Tür. Der Abschiedsgruß: »Es wird dir noch leidtun, wir ersäufen dich im Fluß.« Ich bat den Fabrikdirektor, mich umziehen zu lassen, zurück in mein altes Büro. Ich solle bleiben, wo ich bin, sagte er, mir keine Sorgen, sondern weiter meine Übersetzungen machen, dafür sei ich da.

Eines Morgens kam ich zur Arbeit, meine Wörterbücher lagen neben der Bürotür auf dem Boden im Gang. Mein Schreibtisch gehörte einem Ingenieur, ich durfte das Büro nicht mehr betreten. Nach Hause gehen konnte ich nicht, sonst hätte man mich wegen unerlaubter Abwesenheit fristlos entlassen können. Nun hatte ich keinen Tisch, keinen Stuhl. Zwei Tage saß ich trotzig die acht Stunden mit den Wörterbüchern auf einer Betontreppe zwischen dem Parterre und der ersten Etage, versuchte zu übersetzten, damit niemand sagen kann, ich arbeite nicht. Ständig gingen Büroleute an mir vorbei, stumm. Meine Freundin Jenny, eine Ingenieurin, wußte, wie es soweit gekommen war. Jeden Tag auf dem Heimweg hatte ich ihr alle Vorkommnisse erzählt. Sie kam in der Mittagspause zu mir, setzte sich auf die Treppe. Wir aßen zusammen wie früher in meinem Büro.

Im Hoflautsprecher sangen wie immer die Arbeiterchöre vom Glück und Fortschritt des Volkes. Sie aß und weinte um mich, ich nicht. Ich mußte ja durchhalten. Am dritten Tag installierte ich mich an Jennys Schreibtisch, sie machte mir eine Ecke frei. Auch am vierten. Es war ein großes Büro für technische Zeichner, Reißbretter und an die 20 Schreibtische. Am fünften Morgen wartete sie vor der Tür auf mich: »Ich darf dich nicht mehr ins Büro lassen. Stell dir vor, meine Kollegen sagen, du bist ein Spitzel.« »Wie ist das möglich«, fragte ich. »Du weißt doch, wo wir leben«, meinte sie. Ich nahm meine Wörterbücher und setzte mich wieder auf die Treppe.

Diesmal weinte auch ich. Als ich in die Halle kam, um nach einem Wort zu fragen, pfiffen Arbeiter hinter mir her und riefen: »Securistin.« Es war ein Hexenkessel. Wie viele Spitzel es wohl in Jennys Büro und in der Halle gegeben haben mag. Sie agierten, die Attacken waren per Anweisung nach unten gereicht worden, die Verleumdungen sollten mich zwingen, zu kündigen. Am Anfang dieser turbulenten Zeit starb mein Vater. Ich hatte mich nicht mehr im Griff, mußte mich meines Vorhandenseins auf der Welt vergewissern.

Ich fing an mein bisheriges Leben aufzuschreiben – woher ich komme, dieses dreihundertjährige starre Dorf, diese Bauern mit ihrem Schweigen, dieser Vater mit seinem LKW auf den holprigen Straßen, sein Suff und seine Nazi-Lieder mit den »Kameraden«. Diese Mutter, hart und verstört, wie vom Leben beleidigt, immer in den randlosen Maisfeldern. Und ich in dieser Fabrik, Maschinen groß wie ein Zimmer, Öllachen überall, wie ein Spiegel, der einen senkrecht in die Erde rutschen läßt. Dieser Stücklohn am Fließband, die mechanischen Griffe der Hände, die fahlen Augen, Blicke wie ­altes Zinkblech. Daraus entstanden die Kurzgeschichten der »Niederungen«.

Über die Anwerbung stehen in meiner Akte zwei Wörter, handschriftlich als Randnotiz auf einem Abhörprotokoll. Ich erzähle Jahre später zu Hause von dem Anwerbungsversuch in der Fabrik. An den Rand notiert der Oberstleutnant Padurariu: »Das stimmt.« Daß ich nun als Spitzel galt, weil ich mich geweigert hatte, ein Spitzel zu werden, war schlimmer als die Anwerbung und Todesdrohung. Daß ich eigens von denen verleumdet wurde, die ich schonte, indem ich mich weigerte, sie zu bespitzeln. Jenny und eine Handvoll Kollegen wußten, welches Spiel mit mir getrieben wird. Alle anderen, die mich nur vom Sehen kannten, aber nicht. Wie hätte ich ihnen allen erklären sollen, was ablief, wie das Gegenteil beweisen.

Das war menschenunmöglich, und die Securitate wußte das, und genau darum hat
sie es eingefädelt. Und sie wußte auch, daß mich diese Perfidie mehr kaputtmacht als ihre Erpressung. Selbst an Todesdrohungen gewöhnt man sich. Sie gehören zu dieser einen Lebensweise, die man hat, weil man keine andere mehr haben kann. Man trotzt der Angst bis tief in die Seele. Aber durch die Verleumdung wird einem die Seele geraubt. Man ist nur noch monströs umzingelt. An dieser Ohnmacht erstickt man fast. Wielange diese Treppe mein Arbeitsplatz war, weiß ich nicht mehr. Es schien mir endlos. Wahrscheinlich waren es nur Wochen. Schließlich wurde ich entlassen.

Vom selben Geheimdienst, der meine Entlassung bewerkstelligt hatte, wurde ich jetzt bei den Verhören als »parasitäres Element« bezeichnet. Man wies mich darauf hin, daß es für Parasitentum Gefängnis gäbe, oder Zwangsarbeit auf Baustellen. Man drohte mit dem »Kanal«, Ceauşescu ließ damals einen ­Kanal bauen, der das Schwarze Meer mit Bukarest verbindet. Ein abstruses Bauen, viele Soldaten und Häftlinge verloren dort ihr Leben. Als der Kanal fertig war, stellte sich heraus, daß er für den Schiffsverkehr nicht taugte, er war nicht tief genug.

Ich hatte überhaupt kein Geld. Jenny vermittelte mir Privatstunden. Ich unterrichtete Kinder in Deutsch oder half bei den Schulaufgaben. Aber in jedes Haus ging ich höchstens zwei drei Mal. Dann tauchte der Geheimdienst bei den Eltern auf und drohte ihnen. Manche sagten mir, weshalb ich nicht mehr kommen soll: »Sie schaden unserer Familie. Wissen Sie, wir machen keine Politik.« Andere servierten mir eine Lüge, daß sie nach einer Gehaltskürzung für Privatstunden kein Geld mehr hätten.
Bald erfuhr ich bei den Verhören auch, daß ich angeblich von Schwarzhandel und Prostitution lebe, und daß ich wohl wisse, daß es wie für Parasitentum auch dafür Gefängnis gibt. Man nannte Namen von Kunden und Freiern, von denen ich nie im Leben gehört hatte. Und dann kam auch noch Spionage für den BND ins Spiel, weil ich mit einer Bibliothekarin des Goethe-­Instituts und einer Dolmetscherin der Deutschen Botschaft in Bukarest befreundet war. Stundenlang erfundene Vorwürfe. Aber nicht nur das.

Man brauchte keine Vorladung, fischte mich einfach von der Straße ab. Ich war auf dem Weg zur Friseuse und wurde von einem Polizisten durch eine schmale Blechtür ins Souterrain eines Studentenwohnheims gebracht. Drei Männer in Zivil saßen an einem Tisch. Ein kleiner knochiger war der Chef. Er verlangte meinen Ausweis, sagte: »Na, du Hure, sehen wir uns schon wieder.« Ich hatte ihn noch nie gesehen. Mit 8 arabischen Studenten sollte ich Sex haben und mich mit Strumpfhosen und Kosmetika bezahlen lassen. Ich kannte keinen einzigen arabischen Studenten. Aber er meinte, als ich das sagte: »Wenn wir wollen, finden wir auch 20 Araber als Zeugen. Wirst sehen, es wird ein exzellenter Prozess.«

Ständig warf er meinen Ausweis zu Boden, ich mußte mich bücken und ihn aufheben. An die 30–40 mal, wenn ich langsamer wurde, trat er mir ins Kreuz. Und hinter der Tür am Tischende schrie eine Frauenstimme. Folter oder Vergewaltigung, hoffentlich nur ein Tonband, dachte ich. Dann mußte ich 8 hartgekochte Eier und grüne Zwiebeln mit grobem Salz ­essen. Ich würgte das Zeug hinunter. Danach öffnete der Knochige die Blechtür, warf meinen Ausweis hinaus und trat mir in den Hintern. Ich fiel mit dem Gesicht ins Gras neben ein Gestrüpp. Ich kotzte, ohne den Kopf zu heben. Ohne mich zu beeilen, nahm ich den Ausweis und ging wieder nach Hause. Das ­Abfischen von der Straße weg machte mehr Angst als eine Vor­ladung. Niemand wußte, wo man ist. Man hätte verschwinden, nie wieder auftauchen, oder wie damals angedroht, als Wasserleiche aus dem Fluß gezogen werden können. Es hätte geheißen: Suizid. Kein Verhör steht in den Akten, keine Vorladung und kein Ab­fischen.

Was in der Akte steht am 30.11.1986: »Jede Reise die CRISTINA nach Bukarest und in andere Orte des Landes unternimmt, ist der Direktion I/A (d.h. Inlandsopposition) und III/A (d.h. Spio­nageabwehr) rechtzeitig mitzuteilen«, so daß die »permanente Kontrolle gewährleistet ist.« Daß ich also nirgends im Lande ohne Beschattung unterwegs sein darf, um »die nötigen Kontrollmaßnahmen in ihren Beziehungen mit westdeutschen ­Diplomaten und westdeutschen Bürgern durchzuführen.«

Die Beschattung war, je nach Absicht unterschiedlich. Mal hat man sie nicht gemerkt, mal fiel sie auf wurde rabiat und schlug um in Aggression. Als die »Niederungen« im Westberliner Rotbuch-Verlag erscheinen sollten, hatten die Lektorin und ich, um nicht aufzufallen, uns in Poiana Brasov verabredet, in den Karpaten. Wir fuhren separat hin, als Wintersportler. Mein Mann Richard Wagner war mit dem Manuskript nach Bukarest gefahren. Ich sollte am nächsten Tag ohne Manuskript mit dem Nachtzug nachkommen. In der Bahnhofshalle von Temeswar empfingen mich zwei Männer, wollten meine Reisetasche kontrollieren. Ich weigerte mich. Sie wollten mich mitnehmen. Ich sagte stur: »Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit.« Vielleicht war es ihnen zu riskant, in der vollen Bahnhofshalle Aufsehen zu ­erregen, denn sie nahmen mich nicht mit.

Sie konfiszierten nur meine Fahrkarte und meinen Ausweis und befahlen mir, bevor sie verschwanden, mich nicht von der Stelle zu rühren, bis sie wiederkämen. Und ich rührte mich nicht von der Stelle. Aber dann fuhr der Zug ein und sie kamen nicht wieder. Ich ging zum Bahnsteig. Es war die Zeit des großen Stromsparens, der Schlafwagen stand im Dunkel am Ende des Bahnsteigs. Einsteigen durfte man erst ganz kurz vor der Abfahrt, die Tür war noch zu. Die zwei Männer waren wieder da, gingen auf und ab, ein paar Mal knapp an mir vorbei, dann aber rempelten sie mich dreimal an, stießen mich zu Boden. Jedesmal stand ich dreckig und verwirrt schnell wieder auf, daß ich wieder auf den Beinen stehe, als wäre nichts. Die Wartenden schauten zu, als wäre nichts.

Als die Schlafwagentür endlich aufging, drängte ich mich mitten in die Schlange. Die beiden Männer stiegen auch ein. Ich ging ins Abteil, zog mich halb aus, streifte den Pyjama über, damit es auffällt, wenn man mich ­herauszerrt. Als der Zug anfuhr, ging ich zur Toilette und versteckte ­einen Brief für Amnesty International hinter einem Rohr. Die zwei Männer standen auf dem Gang und sprachen mit dem Schlafwagenschaffner. Ich hatte das untere Bett im Abteil. Vielleicht, weil ich dort besser greifbar bin, dachte ich. Als der Schaffner an mein Abteil kam, gab er mir die Fahrkarte und den Ausweis. Woher er das habe und was die zwei Männer von ihm wollten, fragte ich. »Welche Männer«, sagte er, »hier sind Dutzende.«

Ich machte die ganze Nacht kein Auge zu. Es war Leichtsinn einzusteigen, dachte ich, die werfen mich während der Nachtfahrt irgendwo auf dem leeren Schneefeld unter den Zug. Als es draußen grau wurde, legte sich die Angst. Für einen inszenierten Suizid hätten sie bestimmt die Dunkelheit genutzt, dachte ich. Bevor die ersten Passagiere wach wurden, ging ich zur Toilette und holte den versteckten Brief. Dann zog ich mich an, setzte mich auf den Bettrand und wartete, bis der Zug in Bukarest einfuhr. Ich stieg aus, als wäre nichts gewesen. Auch davon steht nichts in der Akte.

Die Beschattungen hatten Folgen auch für andere. Ein Freund fiel dem Geheimdienst zum ersten Mal bei meiner Lesung aus den »Niederungen« im Bukarester Goethe-Institut auf. Danach wurden seine Personalien festgestellt, eine Akte über ihn angelegt und er fortan beobachtet. Das steht in seiner Akte, in meiner findet sich kein Wort.

Auszug aus dem Band »Herta Müller, Cristina und ihre Attrappe oder Was (nicht) in den Securitate Akten steht«. Erscheint im Frühjahr 2011 in: Herta Müller, Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel, © 2011 Carl Hanser Verlag München.

Herta Müller wurde 1953 im deutschsprachigen Nitzkydorf in Rumänien geboren. Sie studierte deutsche und rumänische Philologie und arbeitete anschließend als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Nach ihrer Weigerung, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten, lag ihr erstes Buch »Niederungen« vier Jahre beim Verlag und wurde 1982 nur zensiert veröffentlicht. Herta Müller konnte danach in Rumänien nicht mehr publizieren. 1987 übersiedelte sie nach Deutschland. 2009 erhielt sie den Literaturnobelpreis. Zuletzt ist ihr Roman »Atemschaukel« im Hanser-Verlag erschienen.

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