"Den Menschen eine Stimme geben"
Am 27. Mai werden die Söhne Mannheims bei der Verleihung des Menschenrechtspreises von Amnesty International auf der Bühne stehen. Ein Gespräch mit Bandmitglied und Sänger Henning Wehland.
Wieso haben sich die Söhne Mannheims entschieden, beim Menschenrechtspreis von Amnesty aufzutreten?
Ich glaube, dass wir immer schon gezeigt haben, dass die Band eine politische Botschaft hat. Amnesty ist eine Institution mit viel Tiefe und Glaubwürdigkeit, die sich für Themen und Menschen einsetzt, die sonst keine Stimme haben. Das wollen wir mit den Söhnen Mannheims auch tun – Menschen eine Stimme geben, die ansonsten nicht wirklich gehört werden. Ich denke, dass das in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird. Und wenn sich Amnesty und die Söhne Mannheims dabei gegenseitig unterstützen, ist das eine gute Sache.
Ist Musik heute noch politisch, wie sie es vielleicht in den siebziger Jahren war? Oder geht es mehr um Unterhaltung?
Musik hat in erster Linie immer etwas mit Unterhaltung zu tun, aber ich glaube nicht, dass die siebziger Jahre die einzige Zeit waren, in der Musik politisch sein sollte und sein durfte. Politisch war sie auch in den achtziger Jahren – gerade in Deutschland. Auch heute stehen die Themen Politik und Glaubwürdigkeit im Vordergrund. Musik kann nicht nur Freiraum sein, sondern auch eine Pflicht, sich zu engagieren und sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen.
Wie haben die Söhne Mannheims diesen Anspruch in der Vergangenheit umgesetzt?
Im weitesten Sinne sprechen unsere Musikalben für sich. Und schließlich war der Wunsch, auf Missstände aufmerksam zu machen und sie zum Positiven zu verändern, auch ein Grund dafür, dass die Band existiert. Ein Beispiel ist der Verein "Aufwind-Mannheim e.V.", der aus dieser Idee hervorgegangen ist. Er hilft Menschen, die sich in Notlagen befinden und die auf die Unterstützung anderer Leute angewiesen sind.
Wie kam es dazu, dass Sie bei den Söhnen Mannheims eingestiegen sind?
Eigentlich haben die Söhne Mannheims mich gefragt. Für einen Sänger und Musiker ist das eine große Möglichkeit und Herausforderung. Ich empfinde es auch als Glück, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich Gedanken über soziale Themen macht, da Musik den Anspruch haben sollte, etwas zu verändern. Zum einen bei demjenigen, der sie schreibt, und zum anderen bei den Menschen, die in ein Konzert gehen und dadurch vielleicht neue Anstöße oder Perspektiven bekommen.
Sie sind schon lange im Musikgeschäft. Gibt es Projekte, die Sie in der Zukunft unbedingt verwirklichen wollen?
Das Jahr 2011 werde ich sehr viel mit den Söhnen Mannheims unterwegs sein, wobei ich auch Zeit finden werde, um mit meiner Band H-Blockx Musik zu machen. Darüber hinaus gibt es viele weitere Projekte, die mich interessieren. Dabei versuche ich immer mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, um meine Leidenschaft "Musik" ausleben zu können und um gleichzeitig etwas von der Welt zu sehen. Ein konkretes Projekt, das ich nebenher verfolge, ist eine Plattform für Nachwuchsmusiker. Sie soll junge Künstler fördern und ihnen dabei helfen, sich frei entfalten zu können.
Fragen: Ralf Rebmann
Die Söhne Mannheims
sind ein Band-Kollektiv, das aktuell aus 14 Musikern besteht. Ihre Musik ist eine Mischung aus R&B, Soul, Rap, HipHop und Pop. Im Jahr 2000 veröffentlichte die Band mit "Zion" das erste Studioalbum. Danach folgten "Noiz" (2004) und die Compilation "Sonne, Mond & Sterne" (2005). Drei Jahre später fand das MTV-Unplugged-Konzert "Wettsingen in Schwetzingen" statt, im Mai 2009 erschien das Hörbuch "Mutige Menschen", dem die Söhne Mannheims ihre Stimmen liehen. Darauf zu hören sind Geschichten von Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Rosa Parks, Anna Politkowskaja und anderen. Seit Februar 2011 ist die Band auf Europa-Tournee.